Professionelles Leben ist ohne Fehler nicht denkbar. Das weiß jeder, der Konzerte, Lesungen oder Filmproduktionen aus dem Hintergrund kennt. Oder eben: Gastvorlesungen. Heute besuchen mein Hörbuchchef
Dirk Kauffels von Patmos Audio und ich die gute, alte Ruhr-Uni, um im Hörsaal HGB 40 darüber zu berichten, wie ein Hörbuch entsteht. Präsentiert wird die Veranstaltung vom
Schreibzentrum, für das ich jeden Sommer auch ein langes Seminar gebe. Die Fehler fangen schon damit an, dass ich auf allen Webseiten den morgigen Tag als Termin angegeben hatte, weil ich selber glaubte, dass dem so wäre. War aber nicht. Hat mich auch überrascht. Im Büro des Schreibzentrums müssen Dirk und ich auf einem Uni-Laptop unsere Multimedia-Einspielungen ausprobieren, die freilich nicht laufen, da der Rechner weder einen VLC Player noch ein Flash-Plugin im Internetbrowser hat. Lustig ist, dass neben dem erfreulich kompetenten IT-Mann der Uni nur noch ich als Schriftsteller und GEE-Redakteur weiß, was all diese Technik bedeutet und warum man unten am Hörsaal-Beamer das Bild nicht klonen kann, sondern alle Sichtfenster per Hand auf die Wand schieben muss. Während des Vortrags belustigen Dirk und ich die Anwesenden dann noch durch unseren holprigen Umgang mit der brandneuen Hörsaaltechnik (ein beeindruckendes Technik-Rack mit 2000 Knöpfen und Reglern), beeindrucken sie aber mit unseren handfesten Kenntnissen aus der Praxis des Literaturbetriebes und der Hörbuchproduktion. Jeder Satz von Dirk hat etwas Praktisches, er redet von Kalkulationen, Sprecherlaunen, Textkürzungen und raschelnder Kleidung in der Studiokabine und derlei Konkretes erfrischt die akademischen Köpfe sichtbar. Ich empfinde nach dem Vortrag beim Kaffee im Schreibzentrum sowie beim melancholischen Spazieren auf dem Parkplatz meine übliche, leicht verklärende Uni-Nostalgie, die für Dirk noch stärker sein muss, da der heutige Patmos-Lektor ein paar Jahre vor mir Student der heute abgeschafften Film- und Fernsehwissenschaften war. Allerdings verknüpfe ich den Besuch in meiner alten Uni heute auch mit der Zukunft, indem ich mich bei alten Bekannten und Professoren über die aktuelle Promotionsordnung informiere, da sich meine Doktorarbeit seit geraumer Zeit immer wieder in mein Bewusstsein drängt. Wie bei Romanen ist es auch bei ihr: Sie will raus, sie will endlich geschrieben werden und sie schert sich dabei nicht um Zeitnot oder praktische finanzielle Erwägungen. Sie will raus. Deshalb ist man Autor, eine Brutstätte von Text. Auf der Heimfahrt höre ich
Captain Planet, deren Sänger ich neulich für VISIONS interviewt habe und formuliere im Geise den Artikel für die 201. Ausgabe. Andere atmen Kohlendioxid aus, ich Texte. Und das ist gut so.
 | Currently listening: Inselwissen By Captain Planet Release date: 2009-10-23 |
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