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Current mood:  hyper
Liebe berliner & Umländer
heute spiele ich seit längerer Zeit mal wieder mit Band im Kaffee Burger. Support: Duncan Townsend (GB) Einlass: 21h Beginn: 22h (wirklich!)

Gestern hat der Tagesspiegel einen ausführlichen Bericht über Trailhead gebracht. Ihr könnt ihn hier lesen http://www.tagesspiegel.de/kultur/pop/Trailhead-Tobias-Panwitz-Friedrichshain-Neue-Alben;art971,2818123
oder hier:
Er ist keine
Schönheit, hat keinen Uni-Abschluss, kein dickes
Bankkonto, und besonders cool ist er auch nicht. Und die Musik erst.
Völlig aus der Zeit gefallen, hoffnungslos romantisch und weit weg
von
allem, was das Großstädtische und die
Großmäuligkeit Berlins ausmacht.
Mit einem Wort: Tobias Panwitz ist Folk- und Countrymusiker. Als
solcher nennt er sich Trailhead, ein Begriff, der in den USA den Anfang
von Pfaden bezeichnet. Den Namen hat er sich nicht willkürlich
gegeben,
Panwitz singt über das Laufen. Entlang von Landstraßen und
auf
Pilgerwegen. In Spanien, Norwegen und Kalifornien. Über das
Weglaufen
und die Wiederkehr. Barfuß oder mit Stiefeln. Und über die
Gedanken,
die dabei wie die Landschaften vorüberziehen.
„Road to
Salamanca“ heißt das Debütalbum von Trailhead, und es ist
ein
ziemlich erstaunliches Werk, sowohl was das ausgereifte Songwriting
angeht als auch den klaren, golden glitzernden Sound.
Panwitz hat 13
vor Melodie und Intimität strotzende Songs geschrieben, die
komplett
neben dem Trend liegen. Sie haben nichts mit Berlin, aber viel mit der
Flucht davor zu tun. Wer „Road to Salamanca“ zum ersten Mal hört,
der
kommt gar nicht auf die Idee, einem Berliner Musiker zuzuhören.
Die
Assoziationen tragen einen in die Staaten, zu Bob Dylan oder der
alternativen Country-Szene um The Jayhawks. Oft fühlt man sich
wegen
des wehmütigen mehrstimmigen Gesangs auch an die legendäre
Hippie-Band
The Grateful Dead erinnert. Alles klingt hier offen, nach Weite und
Himmel, keinesfalls aber nach der Friedrichshainer Hinterhofwohnung, wo
Panwitz mit seiner polnischen Freundin wohnt und in der er fast alle 13
Songs in Eigenregie aufgenommen hat.
An die Wände hat der 33-Jährige Landkarten von Skandinavien
und der
restlichen Welt gehängt. Ein Globus steht auf einem Regal, ein
Tuch aus
Indien bedeckt das gusseiserne Bett, in den Regalen liegen
Reiseführer,
eine Mandoline lehnt am Klavier. „Ich fühle mich am lebendigsten,
wenn
ich unterwegs bin“, sagt Panwitz. „Ich kann schlecht still sitzen.“ Der
Freiheitsdrang packte ihn nach dem Abitur – die Mauer fiel genau zur
rechten Zeit. In Treptow geboren und in Ost-Berlin aufgewachsen, zog es
Panwitz Anfang der neunziger Jahre in den Norden Kaliforniens, um dort
in den uralten Mammutbaum-Wäldern zu arbeiten. Mit der
Motorsäge legte
er alte Wege frei und schulte sein Englisch, das er in der DDR eher
nicht so richtig gelernt hatte. „Trailhead“, Ausgangspunkt – den
Begriff lernte Panwitz hier.
Dann verschlug es ihn nach Zentralfrankreich auf eine Pferdefarm und
nach Schweden, wo er auf einem Bio-Rinderhof arbeitete. Fünf Jahre
war
Panwitz unterwegs. Anschließend versuchte er Anglistik an der
Humboldt-Uni und Naturschutz in Eberswalde zu studieren. „Aber es war
nicht mein Ding“, erinnert sich Panwitz, „ich hatte immer das
Gefühl,
nicht das Relevante zu lernen.“ Die hierzulande so stark vorgegebenen,
üblichen Lebenspfade wollte er nicht gehen.
Also zog er wieder los, lief wochenlang auf dem Camino de Santiago in
Galizien und probierte später eine wenig bekannte Route des
St.-Jakobs-Pilgerwegs aus: Rund 1000 Kilometer vom andalusischen
Sevilla nach Santiago de Compostela, an die westliche Kante Spaniens,
die früher als das Ende der Welt galt. Finis mundi. Seine Gitarre
hatte
Panwitz – es klingt wie das Klischee vom Tramp – immer dabei.
„Aber alles, was herauskam, war doch eher emotionale Masturbation.“ Es
dauerte Jahre, bis Panwitz sich in der eigenen Song- und Textschreibe
selbst wiederfand und sich an die Aufnahme einer CD machte. „Road to
Salamanca“ hat er mit einem Haufen befreundeter Musiker und
Musikerinnen eingespielt. Panwitz selbst bedient neben Gitarre auch
Mandoline, Klavier und Geige, andere haben Schlagzeug, Bass, Akkordeon
und sogar ein Mellotron beigesteuert. 2500 Euro hat Panwitz investiert
und sich noch ein Mastering in einem Prenzl’berger Tonstudio geleistet,
was seinen Songs neben klanglicher Transparenz auch den nötigen
Druck
verleiht. Für die Fotografin hat Panwitz ein blaues Westernhemd
angezogen und sich die Gitarre geschnappt. Er zupft ein bisschen, singt
von einer zu Ende gehenden Beziehung mit einem Mädchen. Warum es
denn
immer so melancholisch, fast schon kitschig, klingen muss? „Ach“, sagt
Panwitz, „so bin ich eben, ich mache nun mal konservative Musik. Peter
Fox bringt Berlin auf den Punkt. Mir spricht anderes aus dem Herzen.“
Gerade ist er von einer Deutschland-Tour zurückgekehrt. Zuvor hat
Panwitz viel Zeit in der Stadt Bergen verbracht. Dort ist die
norwegische Musikszene beheimatet. „Irgendwie komme ich in Skandinavien
besser an als in Deutschland.“ Panwitz, dunkles Bärtchen und
eckige
Hornbrille, liegt lässig auf seiner Ledercouch und kann einem mit
seiner weise erscheinenden Abgeklärtheit auch etwas Angst machen.
„Ich
bin jetzt alt genug, um zu wissen, dass ich noch genug Zeit habe, um
alles zu tun, aber nicht mehr genug, um sie zu verschwenden“,
formuliert er druckreif.
„Ich will unbedingt wieder nach Indien“, sagt er. Vor zwei Jahren war
Panwitz schon einmal dort, brauchte aber sechs Wochen, um „innerlich
anzukommen“. Also muss er noch mal hin, das Land in sich aufsaugen. In
einem der schönsten Songs auf seinem Debüt singt Panwitz:
„All around
us they just talk talk talk, all we wanna do ist walk walk walk.“ Mit
dem Fahrrad hat er Kilometer gefressen, hat in Kanus und auf
Pferderücken gesessen. „Aber das Beste ist Gehen“, sagt Panwitz.
Aus
der Bewegung kommen die Melodien und die Sätze. „Dabei springt der
Funke über, aus dem alle Musik entsteht.“
„Road to Salamanca“ ist bei
Canneryrowrecords erschienen.
 | Currently listening: Whereabouts By Ron Sexsmith Release date: 1999-06-21 |
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12:22 PM
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