Da ist es nun also, das offizielle "Debüt" der ungarischen
Ausnahmelektroniker von First Aid 4 Souls. Debüt ist dabei relativ zu
sehen, denn einerseits existiert die Band bzw. ihre Vorgänger schon
seit Anfang der 90er Jahre und gab unzählige Konzerte, andererseits
erschien bereits ein Doppelalbum beim Kultlabel Some Bizarre, dass aber
auf Grund von Lizenzschwierigkeiten nie offiziell vertrieben wurde und
das heute eine gesuchte Rarität ist.
"Brutpop", welches nun in
Zusammenarbeit mit dem jungen teutonischen Electro Arc-Label
herausgebracht wird, macht dann auch von Anfang an deutlich, dass es
sich hierbei nicht um eine stümperhafte Attacke von
Hobby-Knöpfchendrehern auf das internationale Musik-Business handelt,
sondern um ein durchgehend professionelles Statement, ein Manifest
einer gereiften Band, die es nicht nötig hat, sich erst einmal selbst
zu definieren.
Die 13 Tracks des Albums sind demnach auch
keine endlose Variation eines Themas, sondern vielschichtige und
äußerst abwechslungsreiche Electrotracks, die ahnen lassen, welch
ungeheures künstlerisches Potential in István Gazdag und seinen
Kumpanen ruht. Stilistisch lassen sich FA4S als moderner technoider
Electro beschreiben, der spielend den Spagat zwischen
Tanzflächentauglichkeit und elegischer Anmut schafft. Ein tragendes
Element stellen natürlich die Vocals dar, die bei "Brutpop" von einem
halben Duzent befreundeter Künstler beigesteurt werden.
Erstaunlicherweise
zerreißt dieser Umstand nicht die innere Homogenität des Gesamtwerks,
im Gegenteil, es scheint, als sei für jede emotionale und musikalische
Nuance der perfekte Interpret gesucht und gefunden worden. So bietet
Linda Daemon von Drugzone kraftvolle Powerweib-Vocals, die bekannte
ungarische Jazz-Pop-Interpretin Eszter Ágoston engelgleichen
Feen-Gesang, während Aaron Russell von Inpurfekt, einer seit langem mit
FA4S in Freundschaft verbundenen Band mit ähnlich musikalischer
Brillianz, mehr für finster-athmosphärische Parts sorgt. Mark Duffield
von der Wave-Formation "I Am One" klingt v.a. bei "The Unborn Child"
schon sehr nach Jean-Luc De Meyer.
Letztendlich kann man mit
Fug und Recht behaupten, "Brutpop" ist ein Album, dass sich nicht in
Worte fassen lässt, man muss es erleben, erfahren, um sich eine Meinung
davon bilden zu können. Es bedient keinerlei Klischees und Stereotype.
Ganz wild könnte man sagen, FA4S sind ein Gulasch aus Implant, Front
242, Mentallo & The Fixer, Attrition, Ravers Nature und diversen
Alfa Matrix-Bands. Aber selbst das wird dem Soundkosmos von István
Gazdag und seinen Mannen nicht gerecht.
Meine Anspieltipps sind "Painkiller", "The Unborn Child" und "Wings Of Morpheus".
Odin242
Neurobeat Radiound:
;)
With kindest regards:
Istvan Gazdag