..Bin immer wieder erstaunt mit welchen Methoden man auf der Welt weiter kommt.Kann mir irgendjemand sagen für was man in Deutschland ca. 6 Jahre bekommt? Muss gerade an die Kampagne gegen Raubkopierer denken....von dem was ich gelesen habe, müsste sie heute wohl rauskommen....
Kriegsverbrecherin Plavsic kommt frei
Mit einem beeidruckenden Geständnis, das sie später
widerrief, hatte sich Biljana Plavsic beim UN-Kriegsverbrechertribunal
vor einer lebenslangen Haft bewahrt. Jetzt soll die frühere Präsidentin
der bosnischen Serben nach sechs Jahren Haft entlassen werden - die
Hinterbliebenen der Opfer in Bosnien sind empört.
Von Jörg Paas, ARD-Hörfunkstudio Wien
Die
Richter des Kriegsverbrechertribunals für das ehemalige Jugoslawien in
Den Haag haben schon viel erlebt, nur eines blieb bisher einzigartig:
Vor sieben Jahren stellte sich zum ersten und zugleich letzten Mal eine
Frau als Angeklagte vor. Eine Ausnahmeerscheinung sozusagen in der
balkanischen Männerwelt. Biljana Plavsic.
[Bildunterschrift: Biljana Plavsic bei der Verhandlung vor dem UN-Kriegsverbrechertribunal 2003. ]
Eine bemerkenswerte Karriere hatte sie hinter sich, zunächst in
der Wissenschaft. Als Professorin für Biologie war sie aufgestiegen in
eine Führungsposition an der Universität Sarajevo. Dann, 1992, sattelte
sie um und ging in die Politik.
Aggressiver als viele Männer
Kurz
zuvor war ein eigener Staat der bosnischen Serben auf dem Gebiet der
jugoslawischen Teilrepublik Bosnien-Herzegowina ausgerufen worden. Ein
Krieg zwischen den drei großen Volksgruppen war nur noch eine Frage der
Zeit. Da kam die glühende Nationalistin Biljana Plavsic gerade recht.
Aggressiver als viele Männer heizte sie den serbischen Hass vor allem
auf Muslime an, sprach von ihnen als "genetisch deformiertem Material".
Wegbereiterin für "ethnische Säuberung"
Ein
gewisser Radovan Karadzic wurde ihr Förderer. Später trat sie sein Erbe
an als Präsidentin der bosnischen Serbenrepublik. Gemeinsam bereiteten
sie den ideologischen Boden für all die Grausamkeiten vor, die später
im Sprachgebrauch "ethnische Säuberung" genannt wurden: Mord,
Vertreibung, Vergewaltigung.
Als nach dem Krieg Anklage gegen sie
erhoben wurde, stellte sich Plavsic dem UN-Kriegsverbrechertribunal.
Und als sie vor Gericht stand, bekannte sie sich schuldig. "Ich bin zu
der Überzeugung gelangt und habe die Tatsache akzeptiert, dass viele
Tausend unschuldige Menschen Opfer einer organisierten, systematischen
Anstrengung wurden, Muslime und Kroaten aus von Serben beanspruchten
Gebieten zu entfernen."
Beeindruckendes Geständnis - doch Widerruf folgt
[Bildunterschrift: Kurz nach dem Urteil wurde Plavsic von der Haftanstalt in Holland nach Schweden verlegt. ]
Ein beeindruckendes Geständnis, das Richter und Anklagevertreter
veranlasste, milde mit Plavsic umzugehen. Nicht lebenslänglich, sondern
nur elf Jahre Haft erhielt sie als Strafe. Kurz darauf wurde sie von
Holland in ein Gefängnis nach Schweden verlegt. Dort gab sie Anfang
dieses Jahres ein Interview, in dem sie ihr Schuldeingeständnis
widerrief. Das habe sie nur abgegeben, um einen Kuhhandel zu
ermöglichen. Innere Überzeugung sei das nicht gewesen.
Trotzdem
hat die schwedische Regierung - in Absprache mit dem Tribunal in den
Haag - nun entscheiden, dass Plavsic nach Verbüßung von zwei Dritteln
ihrer Strafe vorzeitig frei kommt.
Vor allem hinterbliebene Mütter sind entsetzt
In
Bosnien ist die Nachricht mit Empörung aufgenommen worden. Bakira
Hasecic von der Vereinigung "Frauen - Opfer des Krieges" in Sarajevo
ist entsetzt. "Wir wünschen den Mitgliedern des Gerichts, dass
sie auf der Straße und in den Gewässern nach eigenen Kinder suchen und
nach ihren Knochen fahnden müssen, so wie das unsere Mütter tun."
Auch
Munira Subasic, die bis heute nicht weiß, wo die Mörder nach dem
Massaker von Srebrenica ihren Mann und ihren Sohn verscharrt haben,
empfindet den Umgang mit den geistigen Wegbereitern des Krieges als
ungerecht. "Mit der Freilassung von Plavsic und der Verkürzung der Anklage gegen Karadzic verletzt Europa die Menschenrechte."
Nach
ihrer Freilassung aus dem Gefängnis will die inzwischen 79-jährige
Plavsic eine Wohnung in Belgrad beziehen, die sie gekauft hat, bevor
sie sich dem UN-Kriegsverbrechertribunal stellte.