Also gut, erstmal Luft holen.
(Diese ausgedachte „Kampfparole des Feminismus" übergehe ich wegen Unangebrachtheit einfach mal, und jetzt der Reihe nach:)
„Das Lob fehlt."
Ist Gertrud Höhler Lehrerin? Hat sie sich in ein paar Klassen gesetzt und sie beobachtet? Wie kommt sie dazu, zu behaupten, Jungen würden in der Schule nicht gelobt?
Wie kommt sie dazu, zu behaupten, Jungen hätten Lob mehr nötig als Mädchen? Würde sie sich, wenn sie Lehrerin wäre, ernsthaft vor zwei Kinder stellen und dem einen bei gleicher Leistung und gleichem Verhalten ein Sternchen ins Heft kleben und das andere ignorieren weil sie unterschiedliche Geschlechter haben? Ich bin nun nicht gerade ein Menschenfreund und bin zu Kindern nicht übermäßig freundlich, aber selbst mir kommt so eine schreiende Ungerechtigkeit irgendwie unpassend vor.
Dazu möchte bestreiten, das Lob in der Schule überhaupt angebracht sein soll.
In Kindergärten und Grundschulen, warum nicht, aber so früh wie möglich sollten Kinder gute Bewertungen für gute Leistungen erhalten und nicht für jede Kleinigkeit ein „Fein gemacht" zu hören bekommen. Das hilft keinem weiter. Die Schule ist schließlich nicht dazu da, das Selbstbewusstsein von Menschen aufzubauen oder Liebe zu verstreuen, sondern ihnen etwas beizubringen.
„In den Grundschulen sind Lehrerinnen eine gute Sache, weil sie eine Mutterrolle übernehmen können."
Erstens: Was wäre an einer Vaterrolle verkehrt?
Zweitens, und viel wichtiger: Elternrollen haben in keiner Schule etwas zu suchen. Lehrer sollen Lehrer sein, keine Eltern. In der Grundschule und der Unterstufe der weiterführenden Schulen haben Lehrer noch eine erzieherische Funktion, aber die Rolle von Vätern oder Müttern sollten sie nie übernehmen müssen. Das ist einfach nicht ihr Job. Die Erziehungsarbeit haben hauptsächlich die Erziehungsberechtigten/Eltern zu leisten. Jegliche Ergänzung und Unterstützung dabei von seiten der Lehrer des Kindes sind eine reine Notwendigkeit, die aus dem Alter und Entwicklungsstand des Kindes folgt.
„Mit 14 Jahren bekommen sie einen Hormonschub, der ihre Antriebsstärke aktiviert."
... (Sowas nennt man Euphemismus, liebe Kinder.)
Das heißt für gewöhnlich Pubertät, Frau Höhler, und ist etwas, mit dem bekanntlich alle Jugendlichen klarkommen müssen.
Was dieser Hormonschub und seine Antriebsstärkeaktivierung – wenn die betroffenen Jungen und ihre Erzieher (Eltern) damit nicht selbst zurechtkommen – an Reaktionen in der Schule hervorrufen, ist üblicherweise – wie ich von Lehrern persönlich weiß – folgendes:
Zwischen zwei aufmüpfige Schüler wird eine brave, gute Schülerin gesetzt, damit die Klasse unterrichtbar bleibt. Ruhige Mädchen als Schmiermittel zu verwenden, scheint zu funktionieren, aber wie wirkt sich das auf das Mädchen aus? Wo ist die Benachteiligung, Frau Höhler?
Hier kommt eine Naturwissenschaftslehrerin im Spiegel zum Thema Jungenverhalten in der Schule zu Wort:
http://wissen.spiegel.de/wissen/dokument/dokument.html?id=8921636&top=SPIEGEL
In dieser Arbeit von Anita Heiliger vom Deutschen Jugendinstitut München werden
„Anerkennungskultur unter Jungen" und die „Anforderung einer kritischen Revision der Geschlechtsrollenmodelle" erwähnt:
http://www.kofra.de/htm/PDF/GewaltundSchule.pdf
Hier wird aus ein paar Studien zu dem Thema zitiert (und angemerkt, dass Männlichkeitsbilder, die Jungen vermittelt werden [=Erziehung im weiten Sinn], eine Ursache für Verhaltensschwierigkeiten sein könnten):
http://www.aktiv-fuer-kinder.de/index.php?id=1690&type=123
Ich schlage vor, dass Eltern ihre Kinder endlich mal geschlechtsblind erziehen.
Wenn sie ihrem Sohn zum Geburtstag ein Skateboard und ihrer Tochter Bücher schenken, ist es doch nicht verwunderlich, dass ersterer beginnt, sich draußen auszutoben und letztere mehr Übung im Lesen bekommt. Und das nächste, das wir in der Zeitung lesen, ist dann: Jungen müssen körperlich beansprucht werden und man kann nicht von ihnen erwarten, still sitzenzubleiben, und Mädchen können besser lesen.
Wenn mehr als 60% der von der Einschulung zurückgestuften Kinder Jungen sind, wieviel hat das dann mit unterschiedlicher Behandlung der Geschlechter in der Schule zu tun, und wieviel mit der Erziehung zu Hause?
Es ist doch immer noch so: Mädchen werden zum Bravsein erzogen (oder stellt zumindest entsprechende Erwartungen an sie), und Jungen werden von der Windel an in Richtung Sport und Abenteuer geschubst.
Es nervt Mädchen, wenn einfach davon ausgegangen wird, sie hätten Höhenangst oder fürchteten sich vor großen Maschinen. Genauso frustriert es Jungen und setzt sie unter Druck, wenn einfach vorausgesetzt wird, sie wären besonders abenteuerlustig und auseinandersetzungsfreudig.
Mit solcher Ungleichbehandlung und ungerechtfertigten geschlechterrollen-vorgefertigten Erwartungen tut ihr keinem euer Kinder einen Gefallen.
Motiviert eure Söhne zum Lesen!
Schickt eure Töchter zum Fußballspielen!
Peace.