NAZXUL „Iconoclast“ – CD
Eisenwald
Das Wüstenklima von Australien scheint miragehafte Ausnahmeerscheinungen in der Black Metal-Szene zu begünstigen; Bands, die sich mit einem monumentalen Demo oder Album hervortun, um dann wieder von der Bildfläche zu verschwinden. ABYSSIC HATE sind so eine Mirage, oder eben auch NAZXUL. Lange wurde es angekündigt und vorbereitet, kurz nach Fertigstellung sogar überschattet vom tragischen Unfalltod ihres Gitarristen, und doch ist es nun da: Das zweite, reguläre Album von NAZXUL, seit ihrem Debüt „Totem“ von 1995. Wenn eine Band 14 Jahre benötigt um ein Album fertigzustellen, dann kann es eigentlich nur zwei unterschiedliche Ursachen geben: Entweder fehlende Inspiration/Kreativität, oder eben ein Übermaß davon. Und wenn ein Künstler zu Perfektionismus neigt, dann gibt er sich mit keinem Ergebnis so schnell zufrieden. Bei NAZXUL war es das Aufeinandertreffen einer visionären Überfülle mit einem perfektionistischen Anspruchsdenken, welche „Iconoclast“ erst im Jahr 2009 materialisieren ließ. Doch nun ist es da, dieses Album. Und erscheint so rundum anders – ja, fremdartig ganz und gar! - in der gegenwärtigen Black Metal-Szene, dass man zunächst verblüfft ist. Auch das bisherige Schaffenswerk der Band bereitet nur unzureichend auf „Iconoclast“ vor. Sicherlich, da haben wir nach wie vor die symphonischen Aspekte; vor allem in den Kompositionen, sowie der Stromorgel zu verdanken. Auch die Hochgeschwindigkeitsattacken des Schlagwerks fallen den Hörer wieder mit voller Wucht an. Manchmal hat man beim Anhören von NAZXUL das Bild eines Sonnensturms vor dem geistigen Auge; wenn mächtige Eruptionen des Protoplasmas mit annähernder Lichtgeschwindigkeit ins schwarze All hinausschießen – ein grandioses, aber absolut vernichtendes Spektakel. „Iconoclast“ bietet 14 Titel; dabei gibt es aber etliche Zwischenstücke. Sie dienen zum Aufbau einer dichten Atmosphäre, welche gleich mit dem Intro einsetzt und sich über das gesamte Album hinweg aufbaut und entfaltet. „Iconoclast“ ist in sich stimmig, und abgeschlossen. Kein Lied fällt aus dem Rahmen; sondern jede Komposition ist wie eine neue, zusätzliche Facette und Nuance im Gesamtkunstwerk. Bei oberflächlicher Betrachtung könnte man „Iconoclast“ für einen Vertreter des „Symphonic Black Metal“ – und damit für anachronistisch in der heutigen Szene – halten. Das wäre eine Fehleinschätzung; denn „Iconoclast“ ist aus einem anderen Grund ein Anachronismus: Dieses Album will eine Sinneserfahrung, Bewusstseinserweiterung, und mithin Grenzverschiebung, sein. In einer Szene, wo der Black Metal als „Unterhaltungsprodukt“ konsumiert wird, muss „Iconoclast“ da ganz schwer verdauliche Kost sein. Dadurch wird das Album wohl ein Geheimtipp bleiben; aber wer sich auf „Iconoclast“ einlässt und Lieder wie das majestätische „Stain of Harrow“ oder das bombastische „Oath (Fides Resurrectio)“ zu hören bekommt, der wird von der Magie dieser faszinierenden Mirage unweigerlich in den Bann gezogen. Und „Iconoclast“ wieder hören müssen. Und wieder. Und immer wieder; in der hoffnungsvollen Erwartung, dass NAZXUL wie angekündigt in Europa einfliegen werden um auch hier die Götzen zu stürzen. Absolut empfehlenswert! (VV)