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Current mood:dickschnabelnonnig Category: Pets and Animals
Und morgens pfeift die Amsel wieder ihr Lied. Das ist gut. Fast hatte ichs vergessen. Die Bambusflöte greif ich, kauere im Kaftan im Kniesitz der Achtsamkeit vor dem offenen Fenster und folge den sich unendlichem Blau entgegenrankenden Tonkaskaden aus Morgendank und Freude am Dasein. Unsere Melodien treffen sich für Momente, reiben sich, umgarnen sich zärtlich wie die Helixen der DNA – ein Lebensborn aus Musik. Kühl und klar ist die Luft, Myriaden Moleküle vibrieren, drehen sich, dass Stephen Hawkins schwindlig würde, sie zittern, sie tanzen an passende Orte, bis alles daliegt und blendet durch die Schönheit seiner schieren Existenz. Die Brust wird weit, warm bebt das Rohr, aus dem die Töne kommen, warm gibt die Amsel sie zurück. Ich könnte ihnen Stunden lauschen, ich tus. Wie jede Wurst hat auch diese Medaille zwei Enden. Jäh durchzuckts den Fleischglibber im Kopf: Los! Auftrag! Intimtrimmer auf sechs Millimeter gestellt! Energy-Q10-Anti-Müdigkeits-Paste auf Ermattetes, der Nasenhaarschneider haut Gewucher aus den Löchern, hinein in die Rahmengenähten, Kaffee im Stehn und ab! Meeting mit Eugen Haltiner. Scheissdialekt. Vorbereitungen für die «Task Force Peter Kurer». Hat er in seinen Hymnen Oswald Grübel mit Peter Neururer verwechselt? Was ist sein Coiffeur von Beruf? Auch nach der Sitzung bleiben offene Fragen. Etwa beim Merz Hans Ruedi. Mit «Wir sind zäh wie die schneebedeckten Pflanzen», eröffnet er jetzt jedes seiner Statements. Ist er nun grösser als Goethe? Ein Dichterfürst? Oder ein nicht ganz dichter? Grossvater, wieso hast du so eine braune Zunge? Über Mittag ein leichter Lunch mit der alten Garde: Wuffli, Ospel, Rohner – sogar W.K. Rey stösst dazu. Grosses Hallo. Endlich fällt Druck ab. Auch die Döner im «New Point» sind zwar nicht mehr, was sie mal waren, aber nach der sechsten Lage Raki vergleichen wir die Weltwirtschaftskrise mit dem Gammelfleischskandal und müssen lachen, so laut, dass man Tarkans neusten Hit kaum mehr hört. Das Treffen mit Köppel und Blocher in der Sauna schenke ich mir. Das Leben ist hart – und weiss und glitzernd wie die zwei Goldcard-gechoppten Linien vor mir. Julia links und Lulu rechts riechen gut und wissen einiges übers Flötenspiel. Und doch: Der Gesang der Amsel geht mir nicht aus dem Kopf. Er macht, dass mein Herz bricht und fällt: unter alle psychologisch wichtigen Marken.
11:13 AM
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