Gruppen wie Grandmaster Flash, Run DMC und Public Enemy waren seine Helden. Danach orientierte er sich mehr und mehr in Richtung elektronische Musik. Depeche Mode, Nitzer Ebb und Front 242 waren von nun an seine musikalischen Vorbilder. Seit Mai 2007 ist Frank Kusserow Mitglied von Anthony Rothers Datapunk Label. Er hat mittlerweile einige Tracks für Billy Nasty produziert. Sein „Spread Your Wing“ ist bereits auf der Datapunk-Compilation „We Are Punks“ erschienen. Sein Track „Human Being“ und Billy Nastys „Electro Maloguiero“ begeistern seine stetig mehr werdenden Fans auf dem gesamtem Globus. Damals war der Tresor Club für Frank einer der ersten, als begeisterter Gast. Heute ist er stolz, das zweite Mal selbst auf der Bühne zu stehen. Mehr davon erzählt uns der Frankfurter in einem kurzen Interview.
Im Alter von 13 Jahren durftest du mit großen Augen die damals große Plattensammlung deines Bruders bestaunen. Ist es heute eher umgekehrt?
Naja, es blieb ja nicht nur beim Bestaunen, ich habe mir fast alles, manchmal auch heimlich angehört. Besonderes Interesse haben damals The Eqyptian Lover, Mantronix, Kurtis Blow und Whodini hervorgerufen, aber auch die ganzen Soul, Funk- und Rap-Scheiben, die jetzt hier den Rahmen sprengen würden. Heute ist es in Bezug auf die Größe meiner Platensammlung eher umgekehrt, das sind schon ein paar mehr als damals bei meinem Bruder. Es waren mal mehr, jetzt sind es ca. 3000 die bei mir in den Regalen stehen. Meinen Bruder erfüllt es schon mit Stolz, zu sehen, dass ich Erfolg habe, mit dem was ich tue. Leider können meine Eltern davon nichts mehr mitkriegen.
Frank: Seit Mai 2007 bist du festes Mitglied von Anthony Rothers Label Datapunk. Wie kam es dazu?
Eigentlich ein klassischer Zufall, ich habe Anthony ein Demo gegeben, das ihm gefallen hat. Als ich dann zur Vertragsunterzeichnung kam, war noch ein Arbeitsplatz frei, den ich dankend annahm. So mache ich jetzt die Promo für Datapunk und unterstützte Anthony bei seinen Live-Gigs, wenn ich nicht selbst on tour bin.
Deine musikalische Prägung ist tief mit dem elektronischen Musikstil EBM verwurzelt. Welche Rolle spielt EBM, der Stil der Jugendbewegung aus den frühen 80ziger Jahren, in deinen heutigen Produktionen?
Abgesehen von ein paar Drum-Patterns und Bassläufen ist da meiner Meinung nach wenig EBM drin, sondern mehr Funk und Soul. Ich gehe nach wie vor gern auf EBM-Konzerte, so war ich letztens wieder mal bei Nitzer Ebb in Frankfurt. Auch Synthie Pop höre ich nach wie vor sehr gerne, so ist ein Besuch bei Depeche Mode Pflicht, wenn sie auf Tour sind.
Deine Produktionen führen meist einen leichten Touch verzogener Melodien mit sich. Woher kommt dein Faible für melodramatische Sounds?
Dieses Faible ist in der Tat vorhanden, wo’s herkommt – gute Frage. Frühe Releases auf Eye-Q wie z.B. Cafe Del Mar und Vernons Wonderland haben mich sehr beeindruckt, da sind ganze Filme im Kopf abgelaufen und natürlich auch Cocmic Babys „Stellar Supreme“ muss erwähnt werden. Es gibt natürlich Tausende anderer Scheiben und Labels, die mich beeindruckt haben. Aber Eye Q und Harthouse haben mich schon sehr geprägt, was die Dramaturgie angeht.
Wie gestaltet sich dein Tagelablauf als DJ und Produzent?
Den kann man wohl eher als Wochenablauf sehen. Montags und Dienstags bin ich bei Datapunk im Office tätig, den Rest der Woche verbringe ich dann im Studio, alleine oder wie in der letzten Zeit wahlweise mit Turgay Avgioglu und Mike Väth. Da sind ein paar Projekte in Planung. Am Wochenende stehen dann entweder eigene Bookings oder Gigs mit Anthony an, dem ich an dieser Stelle meinen Dank aussprechen möchte, ohne ihn wäre alles bedeutend schwerer gewesen.
Welche Botschaft möchtest du mit deinen Produktionen vermitteln?
Eigentlich möchte ich keine Botschaft vermitteln, eher möchte ich Menschen mit meiner Musik erreichen und berühren. Sei es jetzt durch Melodien oder auch durch spooky sounds. Es kommt halt auch immer darauf an, in welchem Zustand man die Sachen hört. Da können die schönsten Sachen auch mal düster und gemein werden, das finde ich gut. Ich denke, dass die meisten meiner Tracks auch nichts für die Peak-Time sind, sondern eher ganz früh oder ganz spät laufen.
Nenn uns dein bisher skurrilstes Erlebnis auf den Reisen deines Künstlerdaseins…
Letztes Jahr ein Auftritt in Pristina/Kosovo – es hat damit angefangen, das im Flieger eine Durchsage gemacht wurde, wir sollten doch bitte im Flugzeug bleiben, wir wurden dann von zwei Zollbeamten direkt vom Flugzeug abgeholt und danach am Zoll vorbeigeschleust zu einer Tür, diese öffnete sich und davor standen mehrere Fernsehteams samt Stretch-Limou. Mit dieser fuhren wir dann direkt zum nationalen Fernsehsender, wo Anthony und ich dann Fernsehinterviews gaben. Die Party fand auf einem Platz mitten in Pristina statt, umringt von unzähligen, vom Krieg zerstörten Häusern. In direkter Nachbarschaft war das UN-Hauptquartier mit Panzern und Soldaten.
Gibt es etwas, was dich richtig nervt?
Leute, die nicht ihr Wort halten.
Welche musikalische Projekten können wir in Zukunft von dir hören?
Als nächstes ist ein Track von mir auf der nächsten We Are Punks 3 CD/Vinyl. Dann kommt eine 12“ auf Dave Clarkes neuem Label White Noise. Danach hoffe ich auch wieder, mal eine 12“ auf Datapunk zu releasen oder ein Album. Mit Ziel 100 plane ich derzeit ein kleines Download Label, auf dem wir auch releasen wollen.
Frank, du wirst am 27. September zusammen mit Anthony Rother nun schon zum zweiten Mal im Tresor zu Gast sein. Welche Bedeutung hat dieser Auftritt in Berlin für Dich?
Erstmal war es ein Super-Abend letztes Jahr im Tresor, das Publikum ist voll mitgegangen, auch wenn ich jetzt nicht den typischen Berlin-Sound aufgelegt habe. Außerdem war der Tresor der allererste Club, in dem ich jemals war, damals noch mit meinem Bruder, bei einem Berlin-Besuch. Tanith legte auf, so viel ich weiß, Arachnophobia lief da an dem Abend. Es ist für mich also etwas ganz Besonderes, dort aufzulegen. Tresor ist ein Stück Technogeschichte und ein nicht unbedeutender Teil meiner Plattensammlung.