
There's a new girl in town. Und alle drehen sich nach ihr um. Sie sieht zwar aus wie ein Model, ist aber keines. Sie trägt Kleider wie in einem Modezeitschriften Editorial, läuft aber auf der Straße damit herum. Bisher stand sie häufiger hinter der Kamera, als davor, überschattet von denen, die sie berühmt gemacht hat: Models, Fotografen und Sternchen.
Aber seit Streetstyle Fotografen, darunter besonders eifrig
Jak&Jil, alles und jeden in den Stand von Modeikonen erheben, ist sie ganz vorn mit dabei: die Editorialista.
Sie hat exklusiven Zugang zu den schönsten Kleidern der Saison und weiß immer als Erste, was wann und wo zu tragen ist. Sie kennt die Designer, sie kennt die Einkäufer, sie bekommt (wahrscheinlich) alles günstiger und schneller als der Rest. Sie ist das neue It-Girl, aber im Gegensatz zu Hohlbirnen wie Paris Hilton oder Cory Kennedy, hat sie einen Job: Sie arbeitet als Redakteurin bei der Vogue oder der Elle. (Natürlich (!) nicht bei den deutschen Ausgaben.
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An der Spitze dieser neuen Gattung steht ungeschlagen
Carine Roitfeld, Chefin der französischen Vogue. Umgeben wird sie von ihrer Stil-Armada: Mélanie Huynh, Emmanuelle Alt, Claire Dhelens und Geraldine Saglio, alle fast so oft fotografiert wie ihre schöne Chefin. Kennzeichen der französischen Truppe: geschlossenes Auftreten in Stil und Form.
Daneben glänzen
Kate Lanphear mit ihrem wasserstoffblonden Kurzhaarschnitt, Style Director des Elle Magazins,
Taylor Tomasi, Accessory Director der Teen Vogue und die schöne Italienerin
Giovanna Battaglia, Fashion Editor bei der L'Uomo Vogue. Hinterher hinkt dagegen ganz gewaltig Anna Wintour, die Chefin der amerikanischen Vogue ist mir ihrem konservativen Stil keine führende Figur bei diesem Phänomen. Die Editorialistas sind in diesem neuen Spiel deshalb so gut, weil sie die Regeln machen. Sie tragen schon jetzt das, was wir alle noch sehnsüchtig anschmachtend. Ihr Kombinationstalent ist bemerkenswert und ihr Modemut ungebrochen. Was sie tragen, ist das was zählt. Modeblogs nehmen jede Regung auseinander, wenn Carine Roitfeld den Kragen ihres Margiela Mantels lieber nach unten schlägt, ist das schonmal einen Blogeintrag wert. Früher schubsten die Editorialistas die Models in den Vordergrund, jetzt stehen sie selbst dort.
Nachteil dabei ist, dass der Schönheits-Druck steigt. Um in der nicht gerade für ihre Rücksichtnahme bekannte Modebranche zu bestehen, muss man sich anstrengen. Wer über Mode schreiben will, sollte auch super aussehen: Modelfigur ist Pflicht.
Wie soll man sonst in die schönen Samples passen? Die Tage, in denen Frauen wie Suzy Menkes oder
Cathy Horyn, beide weit entfernt von Modelmaßen oder dem Willen für die perfekte Frisur 3 Stunden früher aufzustehen, erfolgreich werden, scheinen gezählt. Der Nachwuchs muss, will er ernst genommen werden, stetig ein aus dem Ei gepellter Gast in den besten Streetstyle Blogs dieser Welt sein.
Und nicht nur im Print ist das so - auch online sind die am erfolgreichsten, die schön, stilsicher und fotogen sind. Da wird die Relevanz eines Modeblogs schon mal in Frage gestellt, weil eine der Autorinnen die falschen Socken trägt oder der Blog aufgegeben, weil das Geld für neue Kleider fehlt. Als Kennzeichen einer neuen Oberflächlichkeit steht diese Entwicklung dem Versprechen der Modeblogs, Mode demokratischer und offener zu machen, entgegen. Wo es eigentlich darum gehen könnte, altbekannte Stereotype zu brechen, werden diese nur gefestigt. In diesem Spiel gewinnt die mit dem geringsten Gewicht, der neuesten Jacke oder der teuersten Tasche. Wahrscheinlich war das in der Modebranche schon immer so, jetzt ist es aber sichtbarer als je zuvor. Tatsache ist, wir sind mitten drin im Spiel und das sollte man, bzw. sollten es die Editorialistas genießen, bis sie vom nächsten Phänomen abgelöst werden.
Bild: Das Team der französischen Vogue, fotografiert von
Jak&Jil