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Hanna



Last Updated: 9/2/2007

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Friday, September 14, 2007 

Ich sitze gerade in der S-Bahn von Düsseldorf nach Wuppertal und bin auch einer dieser verdammt wichtigen Leute, die in der S-Bahn meinen ihren Laptop aufbauen zu müssen, aber was soll's, ich will euch ja informieren!

Ich bin ab Den Haag mit der Mitfahrzentrale bis nach Düsseldorf gefahren und habe dafür gerade mal 15 Euro bezahlt und die Fahrt war echt lustig. Der Fahrer, er arbeitet  bei den Vereinten Nationen und ist ganz nett, das lustigste ist, dass ich ihm mit den in „Resturlaub" das Folgebuch von „Vollidiot" beschriebenen Vorurteilen, klar als Bamberger überführt habe. („Suba"). Wahrscheinlich fahr ich Sonntag dann auch mit ihm zurück.
Umso mehr ärgere ich mich, dass die S-Bahn Fahrt fast 10 Euro kostet. Was'n blöder Verein die Bahn doch ist. Und jetzt gehen diese Schaffner vorbei und erdreisten sich noch nicht mal mein Ticket sehen zu wollen. Hätte ich mal keins gekauft.
Egal, ich wollte euch ja erzählen, wie es mir bisher in Den Haag ergangen ist.

Einzelne haben das Problem ja bruchstückhaft mitbekommen und machen sich schon Sorgen, ob ich als illegale Einwanderin im holländischen Knast gelandet bin und so weithergeholt ist das gar nicht.
Aber von vorne. Nachdem ich mit tatkräftiger Mithilfe meiner Mutter und Freddi mein tristes Studentenzimmer in Trevors WG ganz wohnlich gemacht habe, bin ich am Donnerstag (ja, einen Tag nachdem ich aus Afrika wiedergekommen bin) mit Nils zusammen umgezogen.

Bett, Regal, Tisch und Klamotten ich hab schon überraschend viel in eine Autoladung bekommen.

Schnell hatten wir auch alles aufgebaut und es sah echt richtig nett aus.
Nils ist eine Nacht geblieben und am Abend lernte er dann auch Trevor kennen, meinen Vermieter. Trevor ist zwischen 40 und 50 und nach eigenen Angaben Zimmermann, aber er kennt keine Wasserwaage.  Am Abend meines Einzugs erzählte er uns bei einem Bierchen, dass es ja ein paar formelle Probleme gebe, ich müsse mich ja über kurz oder lang eventuell bei der Gemeinde Den Haag (so ne Art Einwohnermeldeamt) einschreiben.  Könnte zum Problem werden, weil er eigentlich nicht so viele Leute auf einmal einschreiben darf, zumindest nicht als Mieter. Macht aber alles nichts, ich solle nur sagen, ich sei seine gute Freundin aus Deutschland und kenne ihn über seinen besten Freund aus Neuseeland. Der ist nämlich im Flugzeug zwischen Neuseeland und Deutschland auf die Welt gekommen, hat deshalb die doppelte Staatsbürgerschaft und da ist es ja recht wahrscheinlich, dass Trevor mich über seinen im Flugzeuggeborenen halbdeutschen Freund auch gut kennt, oder?

Nils und ich haben das ganze etwas belächelt und nicht sonderlich ernst genommen.
Nils ging, David kam, ein paar lockere Tage an der Uni, alles ganz nett. Außer, dass es schon ziemlich eng war, denn, ich weiß nicht, ob Trevor es mit Absicht verschwiegen hat, oder ob er es einfach vergessen hat, denn er ist „eher einfach gestrickt," in der WG wohnten eine ganze Menge Leute mehr als gedacht. Die Studentin aus Angola, die mit ihrem kleinen Kind dort wohnt, hat ihre Extended – Family mitgebracht und mindestens ihr Freund und ihr Bruder wohnen bei ihr. (Am Tag meines Einzugs und die zwei Tage danach kochte die Frau übrigens nach und nach ein halbes Rind, was David veterinärmedizinisch in seinen Einzelheiten bestimmte.) Dazu kommt ein Amerikanischer Student und Trevor selbst im Obergeschoss, wo sich auch die Dusche befindet. Im Untergeschoss wohnten neben mir noch ein Mädchen aus Australien und ein Südamerikaner, von dem ich überzeugt bin, dass er Drogen vertickt plus variierende Mitglieder der extended Angola family, die im Wohnzimmer auf der Coach nächtigen. Auf der Etage befindet sich das separate Klo (die Kammer ist so klein, dass noch nicht mal ein Waschbecken vorhanden ist) und die Küche.
Kurzum, jede Menge Leute, für ziemlich wenig Platz.
Wär ja alles nicht so wild gewesen, Wären da nicht zwei Probleme gewesen. Trevors kleines Problem bezüglich des Einwohnermeldeamtes wurde zum großen, als ich an der Uni hörte, dass ich dort eingeschrieben sein muss, offiziell, sonst darf ich gar nicht studieren. Meldet man sich nicht drei Tage nach einem dauerhaften Umzug nach Holland, hält man sich illegal in den Niederlanden auf. Klingt lustig für Deutsche, ist aber ziemlich ernst. Fand Trevor auch, denn die Gemeinde Den Haag hatte den Wohnraum für die vielen Mieter auch schon als zu knapp bemessen und Trevor deswegen VERBOTEN noch mehr Mieter einzuschreiben. Egal ob ich Hansi, den im flugzeuggeborenen kenne oder nicht.
Eine halbe Woche gab die Uni mir, bis dahin musste ich eingeschrieben sein, oder hätte  meine sieben Sachen wieder packen können.
Bevor ich das ausreichend mit Trevor verhackstücken konnte, dem inzwischen dank eines „Freundes" , der offensichtlich das australische Mädchen und mich als Mieter abgreifen wollte, klar wurde, dass er ein ziemlich illegales Business am Laufen hat, ergab sich Problem Nummer zwei:
Es war 114 Euro teuer und war die Wasserrechnung des vergangenen Monats, die Trevor nicht beglichen hatte. Gar nicht zimperlich hatten im die Haagser Stadtwerke das Wasser direkt mal abgedreht und drei Tage lang, mussten wir alle mit dem Wasser auskommen, was Trevor sich vom Nachbarn in Kochtöpfen besorgte.
Ein lustiger Spaß, auch als eines  Nachmittags die Polizei auf der Matte stand und Trevor suchte, weil er 90 Euro Ordnungsgelds zu zahlen habe. Sie gucken in alle Zimmer und waren nicht gerade zurückhaltend. Später lernte ich, dass es schon einmal eine ähnliche Situation gegeben hatte, in der Trevor zu Hause gewesen war, und sich AUF DEM DACH vor den Besuchern versteckt hatte. Da das Dach nicht besonders einladend wirkt, verstehe ich jetzt auch, warum er konsequent panisch behauptete nicht da zu sein, wenn immer es klingelte.
Kurzum eine neue Wohnung musste her und zwar schnell.

Anzeigenblättchen, Internet (das trotz Trevors Bemühungen nur unzulässig klappte, aber ich klaute mir eine drahtlose Verbindung vom Computershop nebenan) und Uniaushänge waren….. von gar keinem Erfolg gekrönt, Den Haag ist dicht.

Mein nächster Plan war, mich einfach beim Einwohnermeldeamt zu melden, egal ob das Trevor Probleme machte. Leider verbreitete dieser Horrorgeschichten, dass die Gemeinde gelegentlich vorbei komme um zu checken, wie viele Leute wo wohnen und dann gegebenenfalls vor die Tür setzt, also auch nicht optimal.
Dann erinnerte ich mich daran, dass es in Den Haag ein ziemlich großes Netzwerk an Exilpapuas gibt, die sicherlich über die deutschen Papua Experten zu erreichen sind. Ein paar Telefonate später hatte ich tatsächlich einen Termin mit einem Exilpapua am nächsten Tag.

Und dann ging alles ganz schnell, ich traf mich zwei mal mit ihm, und am zweiten Tag hatte er bereits Freunde aufgetan, die doch tatsächlich eine Zweitwohnung in einem Vorort von Den Haag unterhielten und befunden, dass sie sie im Moment nicht brauchten.
Ob meiner Einschreibenot, war ich gewillt alles zu nehmen und was soll ich sagen, ich hätte es kaum besser antreffen  können!

Die Zweitwohnung ist komplett eingerichtet, groß, hell, kleiner Balkon über Wasser, deutsches Fernsehen ich war baff.

Ich konnte direkt einziehen und man half mir sogar alles bis auf mein Bett und mein Regal aus Trevors illegaler Bude rauszuholen und in mein neues Heim zu fahren.

Natürlich fänd ich eine WG schöner, weil es doch beizeiten etwas einsam ist, in meiner Traumbude, aber eigentlich bin ich super glücklich damit. Mit dem Fahrrad fahr ich ca. 40 Minuten bis zu Uni, und das ist eigentlich voll okay. Einschreiben konnte ich mich auch, und wenige Tage nach meinem Umzug, bot mir das freundliche Ehepaar direkt an, dass ich solange dort wohnen könne, bis ich etwas geeignetes anderes habe, wenn ich jedoch wollte, könnte ich auch ein ganzes Jahr wohnen bleiben, wenn mich die persönlichen Gegenstände nicht störten.

Viel zahlen muss ich auch nicht.
Na also, man muss auch mal Glück haben im Leben!

Ich bin jetzt in Wuppertal Barmen, also noch genau eine Station bis ich in Oberbarmen bin und dann trennen mich nur noch wenige Minuten von einem Cordon Bleu, was meine Mutter mir versprochen hat.
Bis die Tage, ich hoffe ihr seit jetzt etwas informiert!

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Gruß Hanna

 

Nachtrag für Tante Gravie: Ich melde mich morgen.

War ja etwas überstürzt nach Holland abgereist, ich erkläre dir/euch alles!
Sehen wa uns SS Konzi?

Sunday, September 02, 2007 

Wahnsinn, was in den letzten Monaten (in denen ich kein Blog geschrieben hab) passiert ist.

Fotos werdne hier natürlich nicht mit angezeigt, lad ich später hoch

Hier nun die Zusammenfassung:

 

Wie Buba nach Hause kam

Verlassen der Ersatzheimat

Dienstag Morgen, 9:30. Buba und ich haben Sprockhövel verlassen. Die Stadt in der der 4-jährige die vergangenen zwei Monate verbracht hat und in dieser Zeit ist ja so viel passiert: Ursprünglich sollte der kleine Gambier mit einem einfachen, endoskopischen Eingriff behandelt werden. Als sich die Diagnose nicht bestätigte wurde schnell klar: Buba muss am offenen Herzen operiert werden, fünf Stunden lang, mit Herz – Lungen Maschine, geöffnetem Brustkorb.

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Professor Liersch stellte im Helios – Klinikum in Wuppertal fest, dass Buba eine große Operation benötigt, und nicht, wie zuvor angenommen, nur einen kleinen Eingriff.

Neben dem verarbeiten dieser gefährlichen Aussichten hieß es damals Spenden zu sammeln, aus dem 6.000 Euro teuren Eingriff wurde eine 25 000 Euro schwere Operation. Mit Hilfe von Presse und Fernsehen wurde diese Hürde genommen und endlich stand ein OP Termin fest. Nach stundenlangen Warten kam die Erleichterung, für uns, seine deutsche Familie aber natürlich auch für seine eigene Familie, daheim in Gambia war dieser eine Anruf sicher der schönste im Leben: „Es ist alles okay, das Ergebnis sieht sehr zufriedenstellend aus, Buba geht es den Umständen nach gut!"

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Bubas schwerste Stunden: Nach der Operation musste er mehrere Tage auf der Intensiv – Stadion des Herzzentrums Duisburg verbringen. Angeschlossen an unzählige Überwachungsgeräte und Medikamente schlief er die meiste Zeit.

Die Umstände fesselten den Kleinen drei Tage an die Intensivstadion und anschließend weitere drei Tage ans Bett, doch es ging stetig bergauf. Saß er an einem Tag noch wackelig auf der Bettkante, lief er am nächsten schon zielstrebig durch das Zimmer und flitze am Tag darauf gar schon mit einem kleinen Dreirad über die Stadion 7 des Herzzentrums Duisburgs. Nach zwei Wochen war es soweit: Buba wurde entlassen.

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Jeden Tag ein bisschen besser….

… bis zur Entlassung nach zwei Wochen Krankenhaus

Eine wahre Wonne zu sehen wir er jeden Tag unternehmungslustiger wurde, aufblühte, rannte, spielte und lachte. All das, was er vier Jahre lang nicht machen konnte schien der Junge in wenigen Tagen nachholen zu wollen.  So schnell und prächtig erholte er sich, dass seine Gastfamilie sich bald entschied, dass er auch mit gleichaltrigen Kindern spielen können sollte, und den Versuch „deutscher Kindergarten" wagte. Mit vollem Erfolg. Trotz Sprachunterschiede fand Buba im evangelischen Kindergarten am Perthes Ring blitzesschnell Anschluss und Freunde. Auch nachmittags besuchte er Kindergarten Freunde und sprang morgens aus dem Bett um möglichst schnell in den Kindergarten zu kommen. Dass sein Aufenthalt nur zwei Wochen dauerte, war einerseits schade, anderseits für Bubas Eltern Anlass zu großer Freude, hatte der nachbehandelnde Arzt doch Bubas Rückreise zugestimmt.

Wiedersehen am Banjul International Airport

All das ging mir noch mal durch den Kopf, als ich genau zwei Monate nach meiner Ankunft in Deutschland mit Buba wieder am Frankfurter Flughafen stand. Diesmal allerdings beim Check In. Bubas Gepäck hatte sich vervielfacht. War er mit einem kleinen Koffer angekommen reise er mit zwei großen wieder ab. So viele Anziehsachen, Spielzeuge und Kuscheltiere hatten sich in der kurzen Zeit angesammelt. Auf dem Hinflug hatte Buba viel geschlafen, daran war auf dem Rückweg nicht zu denken. Immer wieder lief er auf und ab, unterhielt andere Fluggäste und warf Mitreisenden seinen Condor – Wasserball zu. Nach fünf Stunden erreichten wir dann endlich Banjul. Elendes Warten bei der Passkontrolle und dann waren sie da: Modou und Karamo, Bubas Vater mit seinem Cousin. Über eine Stunde hatten sie am Banjul International Airport ausgeharrt, weil der Flug verspätet war. Umso größer die Freude. Immer und immer wieder drückte Modou seinen Sohn fest an sich, der wiederum über das ganze Kindergesicht strahlte. Obwohl es nach unserem deutschen Zeitgefühl schon bald 22 Uhr war, war von Müdigkeit bei Buba nicht viel zu spüren: Glücklich nahm er alle Handyanrufe der Großfamilie entgegen, die es gar nicht erwarten konnten, endlich mit dem vierjährigen zu sprechen.

Endlich waren wir bei unserem Nachtquartier angekommen. Stolz zeigte Buba seinem Vater seine Name und verkündete in einer lustigen Mischung aus Mandinka und Deutsch, dass er „kaputtschi" gewesen sei. Schließlich siegte dann doch die Müdigkeit. Wer an diesem Abend wohl glücklicher eingeschlafen ist, Vater oder Sohn konnte ich nicht feststellen.< P>

Am nächsten Tag standen neben einem Termin bei dem Arzt, der in Gambia so gut es geht die Nachsorge übernehmen soll, einige Besuche bei den Verwandten, die in der Nähe der Hauptstadt Banjul wohnen, auf dem Programm. Highlight war hier sicherlich Bubas Schwester Fanta, die ihre Sommerferien bei ihrer Tante ganz in der Nähe verbrachte. Die 10-jährige wusste gar nicht was sie sagen sollte, als ihr kleiner Bruder plötzlich vor ihr stand. Immer wieder rief sie ihn beim Namen, umarmte ihn und beide waren so herzlich miteinander, dass sich allein in diesen Minuten der ganze Zeit- und Kraftaufwand für Bubas Operation mehr als bezahlt gemacht hat. Diese Szenen mit zu erleben hat mich für all die Mühen mehr als entlohnt. Beim Abschied trug Fanta Buba Huckepack zum Auto und die beiden konnten sich kaum voneinander trennen.

Endlich zu Hause

Am nächsten Tag ging es endlich Richtung Sankulay Kunda, dem kleinen Dorf 300 Kilometer im Landesinneren des Zwergstaates Gambia. Von Banjul aus muss man zunächst mit der Fähre das Mündungsufer des Flußes Gambia überqueren. Wir hatten Glück, denn alle drei Fähren sind in Betrieb und wir konnten schnell übersetzen. In den vergangenen Monaten habe ich oft stundenlang im Fährterminal gewartet, da die Fähren der Autoflut einfach nicht hatten nachkommen können.

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Beim Warten auf die Fähre. Auch am zweiten Tag des Wiedersehens kann Vater Modou Buba kaum loslassen.

Nach einigen Stunden Fahrt auf Nordbank erreichten wir wiederum das Flussufer. Im Gegenteil zur ersten Fähre, wo die Überfahrt ca. eine Stunde dauert, hat man es hier mit einer kleinen Fähre zu tun, die lediglich zwei Autos transportieren kann und auch nur wenige 100 Meter überqueren muss bis zur Insel Georgetown. Wurde diese Insel, die vor Hunderten von Jahren ein großer Sklavenumschlagspunkt war, wiederum auch mit dem Auto überfahren setzt man mit einer weiteren Fähre auf die Südbank über und erreicht nach wenigen 100 Metern Sankulay Kunda, Bubas Heimat. Schon als wir ins Dorf rein fuhren, war Buba kaum noch in seinem Sitz zu halten. Er klebte praktisch an der Scheibe, konnte sich kaum satt sehen und dann waren wir da: Wir standen direkt vor Ganess Kunda, dem von einer  Mauer umfriedeten Grundstück, auf dem neben seinen Eltern auch sein Großvater mit seinen beiden Frauen und dessen Kindern und anderen Familienangehörigen lebt. Eine große Menschenmenge stand vor dem sogenannten Compound, klatschte und lachte vor Freude. Unzählige schwarze Hände schoben sich Buba entgegen, um den Jungen aus dem Auto zu heben und nach drinnen zu tragen. Seine Mutter weinte vor Freude. Auch ich war sofort von unzähligen Menschen umrungen und wurde überschwänglich begrüßt.

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Die Spannung steigt, bei der Ankunft in Sankulay Kunda. Buba ist kaum auf seinem Sitz zu halten.

Das halbe Dorf steht vor Ganess – Kunda und wartet auf den Weitgereisten.

Gleich bekam ich auch „Klein Mama Elli" in die Hand gedrückt. Bubas kleine Schwester, die geboren wurde, als er gerade wenige Tage in Deutschland war. Schon vor der Geburt war festgelegt worden, dass das Kind nach meinen Eltern benannt werden sollte, wäre es ein Junge geworden, gäbe es jetzt einen kleinen August Wilhelm in Sankulay Kunda, doch da es ein Mädchen geworden war, gibt es eine Elisabeth. Weil man in Gamia Rufnamen gern übernimmt, rufen alle das Baby so, wie auch Buba meine Mutter gerufen hat: Mama Elli.

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Klein Mama – Elli, Bubas jüngste Schwester, die nach meiner Mutter benannt wurde.

Zum Dankeschön gab´s eine Ziege….


Nachdem sich alle ein bisschen beruhigt hatten, wurden schnell einige Stühle im Kreis aufgestellt und ich wurde gebeten Platz zu nehmen. Die Ältesten des Dorfes, das höchste Gremium jedes Dorfes in Gambia, hatten sich versammelt und drückten ihre Dankbarkeit aus. Zum Glück war der Leiter des Jahali- Projektes, in dem ich zuvor gearbeitet habe, bei uns und konnte übersetzen. „Glücklich," sei das ganze Dorf, und man bedauere zutiefst, dass man uns nie für das bezahlen könne, was wir getan haben. „Wir sind arm hier, doch Gott wird euch belohnen." Und dann hatten die Ältesten doch etwas für die Retter von Buba: Mir wurde ein kleiner Ziegenbock überreicht. Er gehöre mir, ich könne damit machen, was ich wolle, verkündigte man mir stolz. Ich war überwältigt und wusste nicht recht, was ich sagen soll. Verlegen drückte ich eins der vielen Kinder, die um mich rumsprangen an mich und freute mich aufrichtig. Auch wenn eine Ziege für unsere Verhältnisse in Gambia verschwindend wenig kostet war ich mir wohl bewusst, dass zu Zeiten des Opferfestes manch eine Familie froh wäre, einen solchen Reichtum zu besitzen, und ich bekam eine geschenkt, einfach so, von den Leuten, die man in Deutschland vielleicht Stadtrat nennen würde. Ich überbrachte Grußworte meiner Eltern und zum Abschluss beteten alle gemeinsam.

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Die Dorfältesten bedanken sich. Mit im Bild zwei Freiwillige aus der Jahali.

Verlegen drücke ich ein Kind an mich.


Buba sprang derweil mit seinen Freunden herum als sei er nie weggewesen, nur viel aktiver als vorher. Ungläubig beobachtete seine Großfamilie den lebensfrohen Jungen, der noch vor zwei Monaten kaum 200 Meter weit laufen konnte. Die Versammlung der alten Männer hatte sich inzwischen aufgelöst, denn in der Moschee sollte eine Hochzeit stattfinden – ebenfalls Dorfältestenangelegenheit. Der Bräutigam war ein Cousin von Bubas Vater, doch war er persönlich gar nicht anwesend. Er war zu einem Fußballspiel gegangen, während seine Eltern und Schwiegereltern die Heirat klar machten. Für mich kaum vorstellbar, aber in Gambia normal.

Schnell wurde es dunkel und beim Schein einer Taschenlampe (denn Strom gibt es in Sankulay Kunda nicht) aßen wir ein leckeres Reisgericht mit Erdnusssoße. Danach verabschiedeten sich meine Begleiter, sie wollten noch weiter nach Jahali fahren. Später, als es etwas ruhiger im Compound geworden war, weil alle Kinder endlich schliefen, holte ich das dicke Fotoalbum heraus, das Bubas Zeit in Deutschland dokumentiert. Staunend wurde jedes Foto betrachtet und ich erklärte.
Dass es in Deutschland Krankenhäuser gibt, die nur für Herzkrankheiten da sind, dass die OP 25 000 Euro gekostet hat, dass die OP fünf Stunden gedauert hat, dass mehrere Ärzte gleichzeitig an einem Kind operieren, all das konnte die Familie gar nicht verstehen. Während ich von Mücken geplagt um mich schlug, dankte Bubas Großvater mir nochmal. Er schloss damit, dass Buba jetzt auch mein Sohn sei, nach allem was wir getan haben, sei er genauso wie er Buba Ganess ist, auch Buba Lohmann. Ich war einmal mehr extrem gerührt. Todmüde legte ich mich an diesem Abend unter das Moskitonetz und schlief trotz der stehenden Hitze gleich ein. Noch bevor ich am nächsten Morgen fertig „geduscht" hatte (die Dusche ist ein Wassereimer aus dem ich Wasser über mich schöpfe) war der Imam des Dorfes da, um mich zu begrüßen. Bis ich fertig war, war er allerdings wieder verschwunden, schade.

Bei Buba zu Hause - oder was alles anders ist

An diesem Morgen packten wir Bubas Schätze aus. All das Spielzeug und die Anziehsachen, die er mitgebracht hatte, für sich selbst und seine Familie, wurden bestaunt. Bald flitzten unzählige Matchbox-Autos über den Compound und ein Solarkarusell drehte sich in der Sonne. Um zwei Uhr geht Buba mit seinem Vater Modou in die Moschee zum Freitagsgebet. Beide tragen einen weißen Kaftan und sahen sehr feierlich aus.

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Freitag, kurz nach zwei Uhr. Buba und sein Vater kommen mit einem Cousin von Buba vom Gebet aus der Moschee zurück.

Ich plaudere (so gut es geht) mit Bubas Familie und genieße die Ruhe. Fast ein bisschen wie Urlaub war das, würde es nicht alle paar Stunden platzartig anfangen zu regnen und man selbst auf dem kürzesten Weg komplett durchnässt. Und wären da nicht die Unterschiede, die mir immer wieder aufzeigten, wie anders das Leben hier ist. Zum Beispiel, wenn ich abends mit Bubas Mutter an der Pumpe Wasser zum Duschen und zum Koche holte. Täglich balanciert sie etliche Schüsseln, die randvoll mit Wasser sind durch das Dorf ohne etwas zu verschütten. Ich versuchte es und bin selbst mit einem Eimer so überfordert, dass ich bald eine Dusche abbekam, da alles Wasser über den Rand und auf mich schwabbte. Oder wenn ich mich mit einem 14-jährigen Mädchen unterhielt, das überraschend gut Englisch spricht, aber nicht mehr zur Schule gehen darf und dessen nahe Zukunft wohl durch eine Heirat und viele Kinder geprägt sein wird.

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Tägliche Arbeit, die Mariama, Bubas Mutter, verrichten muss: Das Wasserholen am Brunnen. Auch Kinder müssen mithelfen.

Am nächsten Tag wollten wir Bubas Paten und gleichzeitig zweiten Großvater besuchen. Er ist der Vater seiner Mutter und nach ihm wurde Buba benannt. Mit dem Buschtaxi schaukelten wir ca eine halbe Stunde bis nach Bansang, eine etwas größere Stadt, der Heimat von Bubas Mutter. Auch der alte Buba zeigte sich extrem dankbar, lässt zwei Softdrinks für mich kaufen – in Gambia ein Luxus, denn eigentlich trinkt man immer nur Wasser.

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Buba mit seinem Großvater mütterlicherseits. Nach ihm wurde Buba benannt. Daher kommt auch sein Spitzname Dad.

An diesem Abend besuchte ich Jahali, das Projekt, in dem ich sieben Monate leben durfte, bevor ich mit Buba nach Deutschland flog. Was ein Wiedersehen auch hier! Viele wussten gar nicht, dass ich wieder im Lande war und staunten nicht schlecht, als ich plötzlich da stand. Nach einem ausgelassenen Wiedersehen mit vielen Bekannten und Freunden machte ich mich am nächsten Nachmittag wieder auf den Weg nach Sankulay Kunda, zusammen mit Sanna, dem Krankenwagenfahrer aus Jahali. Zurück im Dorf besuchten wir zusammen die Reisfelder von Bubas Oma.

Wahnsinn, was diese Frau leistet. Den ganzen Tag steht sie im knöcheltiefen Wasser, gebückt, in der glühenden Sonne. Über den Besuch zur Abwechslung freute sie sich trotzdem und postiert stolz für einige Fotos. Auch Buba war mitgekommen und stampfte fröhlich durch das matschige Feld. Dass seine gute Hose dabei arg in Mitleidenschaft gezogen wurde interessierte ihn nicht.

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Bubas Großmutter arbeitet den ganzen Tag im Reisfeld.

Auch Buba ist im Reisfeld. Allerdings spielt er eher im Matsch, als dass er helfen würde.

Das Abschiedfest und das Schlachten meiner Ziege


Es wurde Zeit meinen Abschied vorzubereiten, und ich hatte einen Entschluss gefasst, der mir nicht leicht gefallen, aber sicher am besten, war. Meine Ziege mit nach Deutschland zu nehmen ging nicht. Die Einfuhrbedingungen und Quarantänebestimmungen würden den Transport sicher teurer machen, also die ganze Ziege wert ist. Auch sie überhaupt erstmal nach Banjul zu bekommen wäre nicht einfach. Ich weiß zwar, dass es in Gambia normal ist, aber tierfreundlich finde ich es deswegen noch lange nicht, die Vierbeiner stundenlang auf dem Dach der Buschtaxis durch die Provinz zu schaukeln. Deshalb bat ich schweren Herzens darum, die Ziege noch am gleichen Abend zu schlachten. Auf keinen Fall wollte ich zusehen müssen, wie dem Tierchen die Kehle durchgeschnitten wird, ohne Betäubung. Denn nur so lassen die Islamischen Regeln eine Schlachtung zu. Man bestand jedoch darauf, dass ich ein Foto vom Tod meiner Ziege machen muss, deshalb postierte ich mich widerwillig vor dem zappelnden Tierchen, als der Krankenwagenfahrer Sanna zum Messer griff. Danach wurde die Ziege zerlegt, wobei Buba, der vorher große Angst vor der lebenden Ziege hatte und nicht mal mit aufs Foto wollte stolz half. Ungläubig beobachte ich, wie der Junge, der in Deutschland penibel dreckigen und schmierigen Dingen aus dem Weg ging, beherzt die Ziege bei den Hinterbeinen fasste, während ein Onkel ihr das Fell über die Ohren zog. Es wurde dunkel und den Rest der Arbeit hatten die Frauen zu erledigen. Die zerkleinerten die Stücke und kochten alles. Damit ich nicht so lange warten muss, durfte ich als erstes Herz und Leber verspeisen, wonach ich zugegebenermaßen schon ziemlich satt war. Alle freuen sich sehr auf das Festessen und bereiteten emsig alle Stücke zu, auch die, wo ich dann hinterher froh war, wenn sie nicht mir zu Teil wurden. Zum Beispiel auf Ziegenmagen stehe ich nämlich nicht so, das Herz war schon an der Schmerzgrenze, wenn auch zugegebenermaßen lecker.

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Meine Ziege kurz vorm Schlachten

Vor der lebendigen Ziege hat Buba soviel Angst, dass er weint…

… als sie aber tot ist, wird er mutiger….

… und hilft schließlich beim Zerlegen des Tieres.

Abschied nehmen

Auch an diesem Abschiedsabend saßen wir lange beisammen und redeten. Früh am nächsten Morgen hieß es Abschied nehmen. Bubas Eltern fanden, dass es einfacher für ihn sei, wenn er nicht sieht, wie ich wirklich gehe, und schickten ihn als meine Abfahrt nahte zu den Nachbarn um eine Besorgung zu machen. Ich musste schwer schlucken, als ich ihn aus dem Compound flitzen sah. Zwei Monate hat er jede Nacht in meinem Bett geschlafen und meinen Tagesablauf bestimmt, das verbindet. Auch als seine Verwandten mir, wie es zum Abschied üblich ist, die linke Hand schütteten wird mir mulmig. Wann werde ich wieder kommen? Wann diese auf ihre Art so offenen und herzlichen Menschen wiedersehen?

Bubas Vater begleitete mich bis in die Hauptstadt. Nach einer Tagesreise durch den Regen, der auch vor dem maroden Buschtaxidach keinen Halt machte, kommen wir in Banjul an. Eine andere Welt, denn hier gibt es zumindest meistens Strom und auch fließendes Wasser ist keine Seltenheit. Hier wartete auch mein eigenes Patenkind auf mich. Klein-Hanna wurde in der letzten Woche meines Aufenthaltes in Gambia, kurz vor meiner ersten Abreise geboren und ist inzwischen ein starkes kleines Baby geworden. Richtig stolz bin ich auf sie.

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Nach mir benannt: Klein – Hanna

Einen Tag hatte ich noch in der Hauptstadtgegend, um mich zu verabschieden, einige Einkäufe zu tätigen und meine Sachen zu packen. Am Flughafen muss ich mich endgültig von Bubas Vater und den Anderen verabschieden. Seine Kette hat er mir umgehangen und mir das Versprechen abgenommen immer in Kontakt zu bleiben. Ja dieser Abschied ist anders als der erste. Da war Buba bei mir, ich hatte keine Zeit zum nachdenken, meine Gedanken waren nur damit beschäftigt, wie ich ihn durch die Passkontrolle und ins Flugzeug bringe. All das entfiel diesmal und so hing ich in der Abfertigungshalle vielen Gedanken nach, während ich auf den mal wieder hoffnungslos verspäteten Flug wartete.

Heimflug alleine

Auch wenn wir alle Buba vermissen werden, ich bin doch froh, dass er wieder zu Hause ist. Zu sehen, wie er dort spielt, eine ganz neue Lebensfreude entwickelt hat und wie die Familie ihn so glücklich willkommen geheißen hat, das war einzigartig. Außerdem, hat sein Vater mir versprochen, dass er ihn wieder in den Kindergarten bringt, jetzt, wenn im September die Schule anfängt. Vor seiner Reise konnte er diesen nämlich nicht regelmäßig besuchen, auf Grund seiner Krankheit.

Ein bisschen stolz bin ich natürlich auch, wir haben eine ganze Menge geschafft in den vergangenen Wochen. Und doch, ein bitterer Nachgeschmack bleibt. Nicht nur weil Buba, der aufgeweckte vierjährige, der in zwei Wochen schon erstaunlich viel Deutsch gelernt hat in Gambia niemals die Förderung erhalten wird, die er in Deutschland haben könnte, niemals eine gute Schulbildung haben wird, einfach weil die meisten Lehrer hoffnungslos schlecht ausgebildet sind.
Nein, viel schlimmer ist, dass Buba kein Einzelfall ist. Und so viel Glück wie er hat leider nicht jeder. Gleich an meinem ersten Tag in Gambia besuchte mich ein Vater mit seinem 13-jährigen Sohn. Die gleichen Symptome wie Buba, vermutlich ebenfalls ein Fallot – Patient, also ein Loch in der Herzscheidewand. So enttäuschend, wie es für den Vater geklungen haben muss, viel für ihn tun konnte ich nicht. Leider kann man wohl kaum alle Kinder aus Gambia oder gar der ganzen sogenannten Dritten Welt nach Europa holen, um sie behandeln zu lassen. Aber fair ist das nicht. Auch nicht, dass auch in Gambia jedes Jahr viele Kinder sterben, an Durchfall, Malaria, mangelnder Hygiene und Ernährung und so weiter.

Die Welt habe ich so sicher nicht gerettet, wie zynische Zungen fest stellen mögen. Nein, gerettet nicht, aber doch ein Stückchen besser gemacht, denn dem vierjährigen Buba wurde ein zweites, ein neues Leben geschenkt.

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Alle aus einer Schüssel: Buba beim gemeinsamen Mahl mit seinen Eltern.

So wird in Gambia geduscht. Bei den Temperaturen in Gambia wird es Buba nicht schwerfallen morgens auf sein heißes Bad zu verzichten und sich stattdessen wieder an diese Art zu duschen zu gewöhnen.

Bubas Oma zeigt ihrem Enkel, wie die Arbeit im Reisfeld funktioniert.

Buba mit seinem Großvater und zwei Ältesten des Dorfes Sankulay Kunda.

Saturday, June 02, 2007 

Hallo,

an alle, die die Sprockhoeveler WAZ nicht lesen, hier der Artikel von Pfingstsamstag, der eigentlich die ganze Geschichte von meinem Schuetzling hier erzaehlt.

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Willkommen in Sprockhövel, Buba!
26.05.2007 / Lokales / Sprockhövel

Von Hanna Lohmann

"Den würd' ich am liebsten mitnehmen," hatte ich geflachst. Das war irgendwann Anfang März. Seit November bin ich in Gambia, Westafrika. Nach drei Monaten, in denen ich in der Vorschule unterrichtet hatte, hatte ich angefangen Ndye Sowe und Lamin Ganess in Deutsch zu unterrichten. Im Sommer sollen die beiden ein Zahnmedizin-Studium in Witten/Herdecke beginnen - und mein Ziel ist, den beiden bis dahin die deutsche Sprache zumindest in ihren Grundzügen nahezubringen.

In der Pause saß ich mit Lamin in unserem Klassenraum. Wir schauten dem Kind einer Kollegin zu. "Den würd' ich am liebsten mitnehmen, so süß ist der," hatte ich zu Lamin gesagt. Und dann: "Weißt du was, wenn ich ein Kind mitnähme, dann deinen Neffen, der ist doch krank. . ."

Damals war das einfach so daher gesagt. Hätte mir irgendwer gesagt, dass ich mich keine zwei Monate später im Deutschen Konsulat in Banjul wiederfinden und einen Visumsantrag für Bubacarr Ganess ausfüllen würde - ich hätte es nicht geglaubt. Bei Besuchen in Lamins Dorf war mit der Vierjährige aufgefallen, den alle "Dad" rufen. Zum einen, weil er ganz besonders gerne mit mir, der "Toubab-Frau" (so werden Weiße hier genannt) spielte, zum anderen, weil er sehr schnell außer Atem kam. Immer wenn die Kinder tobten und rannten, blieb Dad zurück, hockte sich auf den Boden, keuchte schwer.

Ab und zu, erzählten mir die Eltern, brächten sie ihn in ein Krankenhaus, wo er Medikamente gegen Asthma bekam. Wie Asthma erschien mir sein Leiden aber nicht. Als für meine beiden Deutschschüler und mich eine Reise in die Hauptstadt des Landes anstand, nahmen wir Dad kurzerhand mit und stellten ihn in einer Klinik vor. Dort nahm sich eine deutsche Ärztin unseres Schützlings an. Mit meiner Vermutung lag ich richtig: Asthma war das nicht. Allerdings bewahrheiteten sich auch meine schlimmsten Befürchtungen: ein Herzfehler, in Europa ein fast alltäglicher Eingriff, in Gambia nicht behandelbar.

Wahrscheinlich habe er das Leiden von Geburt an, nur jetzt, wo er herumlaufe und aktiver werde, falle der Herzfehler eben auf. Wenn er sich überanstrenge, könne es passieren, dass er das Bewusstsein verliere, weil die Sauerstoffzufuhr fürs Gehirn gefährdet sei. Alt, werde er bestimmt nicht. Obwohl die Ärztin mit den vorhandenen Geräten keine genaue Diagnose stellen konnte, deutete sie die Symptome als angeborene Aortenstenose. Ziemlich niedergeschlagen und mit dem Gedanken, dass jedes Kind in Europa die rettende Operation problemlos bekommen würde, gingen wir an diesem Tag nach Hause

Ich machte mir keine Hoffnungen, dem Jungen helfen zu können. Er hat weder eine Versicherung noch wohlhabende Verwandte, keine Aussicht auf Hilfe. Doch um nichts unversucht zu lassen, schrieb ich am selben Abend den Bundesverband für herzkranke Kinder an, der mir eine Liste schickte mit Stiftungen. Zwei davon schrieb ich an - und das Unglaubliche geschah: Innerhalb weniger Stunden antwortete mir die Meise-Stiftung, man bemühe sich die Kosten fuer den Eingriff aufzubringen! Bubas Familie und ich konnten es kaum fassen.

Und dann ging alles ganz schnell: Meine Familie, Freunde und Arbeitskollegen meiner Eltern - alle boten Hilfe an! Diese Hilfsbereitschaft hat mich überwältigt! Durch die viele Unterstützung habe ich jetzt alle Dokumente, die die Botschaft verlangt, so gut wie zusammen. Dank der ev. Kirchengemeinde Sprockhövel, die sich bereit erklärte, aus Diakoniegeldern und einer Spende der Frauenhilfsgruppen 800 Euro Flugkosten für Buba zu übernehmen, sieht alles so aus, als würde ich Gambia am 21. Juni nicht alleine verlassen. Wenn ich am 22. Juni in Frankfurt lande, wird Buba bei mir sein, und in meiner Familie in Sprockhövel wohnen. Bubas Familie ist überglücklich, bedankt sich jetzt schon bei den vielen Helfern.

Voraussichtlich soll Buba im Heliosklinikum operiert werden. Geht alles gut, kann er nach einigen Wochen Genesung in Sprockhövel wieder zur Familie nach Gambia zurück. Zurück in sein Dorf, wo er dann endlich, endlich mit den anderen Kindern spielen, toben und herumrennen darf.

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Meise-Stiftung für herzkranke Kinder
26.05.2007 / Lokales / Sprockhövel

Obwohl ein Grossteil der Kosten für die OP und die Flugkosten gedeckt sind, werden noch Mittel benötigt. Wer Buba und der Stiftung, die uns so spontan Hilfe zugesagt hat, helfen will, kann Geld an die "Meise Stiftung für Herzkranke Kinder International" spenden. Die Stiftung ist gemeinnützig und stellt bei Angabe der Adresse Spendenquittungen aus.

Stichwort "Bubacarr" Kto-Nr. 10 5000 01, VR-Bank Bad Hersfeld-Rotenburg, BLZ 532 900 00.

online meise-stiftung.de

Soweit der Artikel.

Ein kleiner Nachtrag: Ich war am Freitag mit meinem Bruder in Banjul beim Konsulat und wir haben den Visaeintrag eingereicht!!!
Wie der 2. Besuch von meinem Bruder hier war, erzaehle ich euch naechstes Mal.

Wednesday, May 02, 2007 
Hallo, mir gehts noch immer super.

Gravie, danke fuer deine guten Wuensche.
Eventuell organisieren wir tatsaechlich noch ne Spendenaktion, aber da muss ich erstmal abwarten, was genau die Stiftung schafft, und was die alles uebernehmen.
Zum Beispiel Sachen wie Flug, Versicherung und so. Falls das nicht von der Stiftung uebernommen wird, koennte man in Erwaegung ziehen eine kleine Spendenaktion dafuer zu machen.
Wohnen wird der Junge dann wahrscheinlich bei meiner Familie in Sprockhoevel. Das ist aber alles noch nicht klar, denn es gibt viel zu organisieren.
Ich stell mal das Formular der Botschaft online, um euch zu zeigen welche Dokumente alle verlangt werden, das ist echt wahnsinn.
Die Eltern von Buba sind super dankbar, und sehen mich schon als zweite Mutter an. Sie vertrauen mir und meiner Familie wirklich sehr, was mich sehr freut, denn das ist nicht selbstverstaenlich, der Junge ist ja gerade mal vier und der erste Sohn.
Mein Bruder kommt Ende des Monats (25. Mai) fuer eine Woche mit einer gemeinsamen Freundin, Carolin, her. Dann kann auch er die Familie treffen, was hier sehr wichtig ist. Und ich moechte der Familie ein gutes Gefuehl geben, wenn sie mir den Jungen anvertrauen.

Mein Deutschunterricht laeuft so vor sich hin.
Anfangs wollte ich einfach viel lesen, aber den beiden fehlte jegliche Gramatik.
So haben wir uns jetzt drei Wochen intensiv mit den Fallen beschaeftigt. Ich hab mir vorher nie bewusst gemacht wie die dt Gramatik aussieht, jetzt weiss ich alles ;-)
Auch wenns nicht immer klappt, koennen die beiden doch einigermasen mit Faellen umgehen, oder erkennen sie zumindest.
Beispiel:
Die Moschee ruft die Muslime zum Gebet
Verb: rufen
Subjekt: Wer ruft? Die Moschee
Akkusativobjekt: Wen oder was ruft die Moschee? Die Muslime
Dativobjekt: Zu wem oder was ruf die Moschee die Muslime? Zum (=zu dem) Gebet.
Ausserdem haben wir Haensel und Gretel gelsen :-)
Sie koennen es auch schon singen, das Lied mein ich, hehe

So genug fuer heute,
Viele Gruesse an euch alle
Hanna
Thursday, April 12, 2007 

Hallo zusammen,

 

Ich schreibe euch diesmal aus Kombo, der Hauptstadtregion Gambias.

Ich bin hier mit meinen beiden Deutschschuelern und warte auf die Papiere, die sie fuer ihr Visa brauchen.

Ich unterrichte Lamin und Ndye in Deutsch, damit sie im September in Witten Herdecke Zahnmedizin studieren koennen. Eigentlich sollten sie vorher einen 10-monatigen Sprachkurs machen, aus organisatorischen und finanziellen Engpaessen heraus hat sich aber alles verschoben und den beiden bleiben 2 Monate Sprachkurs in Deutschland. Natuerlich viel zu wenig, um so viel Deutsch zu lernen, dass man auf der Sprache studieren koennte.

Deshalb will ich den beiden jetzt so gut es geht helfen.

Im Moment sind sie relativ sicher im Umgang mit dem Akkusativ, haben eine grobe Idee von Genitiv und Dativ und koennen Verben im Praesens, Perfekt und Futur 1 deklinieren.

Ich habe mich noch nie so intensiv mit deutscher Grammatik beschaeftigt, wie in Gambia!

 

Ansonsten gibt es nicht viel Neues, ausser dass Buba, der Neffe von Lamin bei mir ist. Der Kleine ist knappe vier Jahre alt und hat, so haben wir nach mehreren Besuchen im Krakenhaus herausgefunden, eine angeborene Aortenstenose. Eine Herzkrankheit, die nur operabel und im Ausland behandelbar ist.

Ein Besuch im Krankenhaus in Gambia ist ueberigens sehr unterhaltsam: Ganze acht Stunden haben wir gewartet bis wir zu der deutschen Aerztin vorgekommen sind. Wir waren um halb sieben morgens am Krankenhaus und trotzdem!

Im Moment hoffen wir auf Moeglichkeiten den kleinen in Deutschland zu operieren, ich habe eine Stiftung gefunden, die die Kosten ggf. Uebernehmen wird.

Ich hoffe das wirklich sehr, denn Buba ist mir inzwischen sehr nahe, er wohnt bei mir und ich wuensche ihm sehr, dass er bald mit den anderen Kindern normal spielen kann. Ohne die schweren Atemprobleme, die er im Moment hat!

 

Ich geh mal zurueck zu meinem Unterricht, ich hoffe bald von euch zu hoeren

 

Viele Gruesse Hanna

Thursday, January 25, 2007 

Es tut mir echt leid, dass ich so lange nicht geschrieben hab, und weisz dass ich jetzt jede Menge nachzuholen hab...:namespace prefix = o ns = "urn:schemas-microsoft-com:office:office" />

Es ist der 23. Januar gegen Nachmittag. Heute Morgen war ich wie immer im Kindergarten und den Nachmittag chill ich jetzt halt etwas.

Aber fangen wir vorne an. Ueber Weihnachten war mein Bruder Nils hier und erstmal muss ich mich bei ganz vielen von euch ganz herzlich bedanken. Ich habe mich ueber die vielen Briefe und Gruesse sehr sehr gefreut. Weihnachten haben wir hier in Jahali verbracht, zumnidest heilig Abend. Da waren wir in der Kirche, am 1. Weihnachtstag wollten wir urspruenglich auch mal in die Kirche, haben das dann aber doch gecancellt und so immerhin 15 Taufen verpasst J

Puenktlich zur Feier nach der Taufe waren wir aber an der Kirche und haben noch gut gegessen und getrunken, ist ja auch was...

Im Nachmittag sind wir vom Pfarrer der Gemeinde mit nach Bansang genommen worden, wo wir auch viel und gut gegessen und vor allem getrunken haben. Palm Wein ist echt was feines....

 

Mein Bruder hat die Zeit in Jahali sehr genossen, und viel zu frueh mussten wir nach Kombo zurueck.

Dort stand dann eher „Tobaski" das muslimische Opferfest im Vordergrund als Silvester. Das wurde dieses Jahr am 31.12 gefeiert und der Schulleiter des Kindergartens hat und zu sich nach Hause dazu eingeladen. Das war sehr gemuetlich. Abends haben wir dann ins neue Jahr reingefeiert (Frohes Neues uebrigens an alle, wenn auch was spaet)

Wir waren in ner Disko (ohne Schulleiter)

 

Die restlichen Tage haben wir mit Strand, Shoppen etc verbracht. An Nils letzten Tag haben wir ein Krokodil-Pool besucht. Ganz ploetzlich steht man direkt vor richtig vielen von den Viechern. Wir waren uns erst sicher, dass das Statuen sein mussten. Warens aber nicht. Die werden dort einfach so gut gefuettert, dass die nie jemanden eingreifen wuerden. War aber trotzdem end krass, haben hinterher sogar welche angefasst.

 

Nils ist dann am Freitag Abend nach Hause geflogen. Ich war echt super froh, dass Sanna der Krankenwagenfahrer mit zum Flughafen gekommen ist. Der hat mich die ganze Zeit aufgemuntert, denn etwas traurig war ich ja schon, als mein Bruderherz dann nach zwei Wochen wieder geflogen ist. Mit Sanna war's echt super, obwohl wir uns nur in einem lustigen Mischmasch aus Mandinka und Englisch verstaendigen koennen.

 

Am naechsten Tag bin ich mit einem Buschtaxi zurueck nach Jahali gefahren. In den Buschtaxis siten immer zwei Maenner, von denen einer faehrt und einer sich um alles moegliche kuemmert, Geld kassieren, mit Polizisten verhandeln, bei Pannen aushelfen. Dieses „Maedchen fuer alles" kannte ich in dem Fall, der Modou ist naemlich der Sohn von einem der Office-Arbeiter. Der hat Rastalocken, ueberall Weedzeichen und ist allgemein ziemlich „chillig". Die Reise war zwar wie immer anstrengend, diesmal haben wir die Suedbank genommen, da muss mal zwar keine Faehre nehmen, aber die Strasse ist sehr viel schlechter, aber durch Modou ertraeglich. Er hat mir nen Platz vorne neben ihm reserviert in dem ansonsten ueberladenen Bus. Zwischendurch hatten wir „nur" einmal ein Problem mit dem Oelfilter, das ist ein ganz guter Schnitt, vor allem in Anbetracht der Tatsache, dass wir nach ner halben Stunde weiter fahren konnten. Es passiert durchaus, dass man irgendwo im niergendwo uebernachten muss.

Endlich wieder in Jahali hatte ich das absolute Gefuehl nach Hause zu kommen. Bei allem „normalen" Essen und „Luxus" in Kombo – ich war echt froh als eine der Frauen mit eine Schuessel mit Reise und Fisch in die Hand gedrueckt hat.

 

Am Montag ging dann endgueltig der Alltagsbetrieb wieder los. Ich unterrichte nach wie vor im Kindergarten, nur dass eine der 2 Lehrer in meiner Klasse krank ist bis auf weiteres und ich mit Muhammed alleine bin. Der nervt etwas ist aber okay.

 

Zwischendurch schaue ich immer mal wieder im Krankenhaus vorbei und bemuehe mich auch bei Geburten dabei zu sein. Leider passiert es hier manchmal, dass Frauen kommen, die bei keiner einzigen Vorsorgeuntersuchung waren und dann bei der Geburt grosse Probleme haben. Vor drei Tagen hatten wir so ein Baby. Die Geburt hatte zwei Tage gedauerd und das kleine Maedchen war vollkommen erschoepft. Deshalb hat sie kaum geatmet und ist nach einigen Stunden gestorben. So was ist immer besonders schlimm mitzubekommen.

 

Ansonsten geht das Leben hier so seinen Gang, ein Highlight ist vielleicht der Praesident. Der Gute hat angekuendigt, dass er ein Mittel habe HIV und Asthma zu heilen. Das geht nur an bestimmten Tagen und nur wenn die Patienten vorher und nachher gewisse Dinge essen bzw nicht essen, aber man ist sich sicher, dass er klappt.

Dass Morgen Parlamentswahlen sind, und das Ergebnis sich zufaellig hinaus zoegert, gibt leider nur wenigen zu denken.

Als der Praesident seine Wunder-Faehigkeiten bekannt gegeben hat, waren alle ganz aus dem Haeuschen. Das war total schrecklich zu sehen, wie selbst die „gebildeten" Lehrer, Pfleger etc sich sicher waren, dass sowas klappt.

 

So viel erstmal, wer fragen hat, bitte Kommentar posten, und ich gelobe einfach mal Besserung in Zukunft!  

Sunday, December 10, 2006 

Ich hab drei neue Fotos hochgeladen, wenn ihr mal gucken wollt....

 

Das eine ist Aladij, mein husband.
Er kann kein Englisch und sagt einfach zu allem "YES"
Auch als ich ihn gefragt hab, ob er mich heiraten will halt!

Dann ist das ein Foto aus dem Entertainmentunterricht, wo immer gesungen, getanzt oder Gedichte gelernt werden.

Das letzte schlieszlich ist auf der letzten Namensgebung.
Ich trage ein typisches afrikanisches Gewand!

 

Sunday, December 10, 2006 

Hallo, hallo,

endlich komme ich dazu hier wieder zu schreiben. Sorry, insbesondere an meine treue Leserin Gravie :)

Manchmal kommt man hier zu nix, weil immer entweder jemand da ist, dich zu besuchen, ins Internet muss, oder einfach keine Internetverbindung da ist.

Mir ghets immer noch super.
Auch wenn bei den Zahnaerzten, mit denen ich viel mache, ein Virus rumzugehen scheint, die haben naemlich alle Verdauungsprobleme und ich super viel Reis und Fisch esse, gehts meinem Magen und dem Rest absolut super.
Ich war die vergangenen Tage etwas heiser, was wohl in Schule (36 Kids koennen so laut sein) und an dem machmal sehr staubigen Boden liegt. Weil es ja nie regnet im Moment ist der Boden halt super trocken und wenn dann  zum Beispiel die Kinder rumrennen staubt es sehr.
Aber wie gesagt, das war n paar Tage, jetzt ist alles gut.

Die vergangene Woche war wieder sehr schoen. Vormittags war ich immer in der Schule, wo ich mehr und mehr auch unterrichten darf. Solange Muhammed und J. im Raum sind gehts, aber sobald die raus sind geht echt alles drunter und drueber. Die Kinder wissen dass ich werder Serahuli noch Mandinka spreche, und auch, dass ich sie nicht schlage. Deshalb sind sie sehr unruhig, wollen dauernd auf Toilette (Sie muessen immer nach vorne kommen und sagen, "Excuse me, teacher, I need to go to the unit" Das kann zwar keiner und man hoert allemal mal nen "kjus mi" raus, aber es nervt halt) oder was trinken. Dafuer steht ein grosser Eimer Wasser in der Klasse, wo sie trinken koennen.

An das an-den-Ohren-ziehen und Schlaege hab ich mich halt schon etwas gewoehnt, auch dass Stoerenfriede knieend die Haende in die Luft halten muessen und das oft lange, find ich inzwischen nicht mehr so schlimm. (Traurig eigentlich, wie schnell ich mich daran gewoehnt hab...)
Dann hatten wir letzte Woche noch eine Art Konferenz. Weil es kein Lehrerzimmer gibt, waren wir in einem Klassenzimmer und eigentlich war das ganz wertvoll, nur dass diese Konferenz in der Schulzeit war, und die sechs Klassen einfach mal alleine waren.
Mr Fatty (der Schulleiter) hat die Lehrer unter anderem dazu angehalten die Kinder nicht zu schlagen, wir seien eine Art Familie fuer sie und so weiter. Leider interessiert das offensichtlich herzlich wenig. Ausserdem hat er Dinge angesprochen wie dass wir, die wir auf dem Campus leben nicht in der Schulzeit nach Hause gehen sollen und so.

Wenn du Schule aus ist und wir uns ausgezeichnet haben, entspannen wir meisst ne Stunde bis es so um 2 Mittagessen gibt. Danach laufe ich manchmal nach Brikamabar (das dauerd ne knappe Stunde) zum einkaufen, entweder fuer uns selbst was besorgen, was es in Jahaly nicht gibt, oder jemanden begleiten. Zurueck bin ich bisher mal mit dem Pferde oder Eselkarren gekommen, manchmal fahrt gerade eines unserer Autos in die Richtung.
Um 16:30 haben wir immer Gardening. Beete waessern, mit Ziegenscheisse (die die Schuler uebrigens mitbringen muessen) duengen und Planzen steht immer auf dem Programm. Das ist immer lustig.

An drei Tagen (Montag, Dienstag Donnerstag) bieten wir dann ne Deutschstunde an in einem der Klassenraeume. Das Angebot nehmen ca. 6 bis 7 regemmaessig an. Die meissten sind Lehrer, dann noch drei der Zahnaerzte, unter anderem Lamin, der in Herdecke studieren soll. Der kann zwar schon sehr viel besser Deutsch hoert sich das aber trotzdem immer an.
Ich denke mir fuer ihn immer lustige extra Aufgaben aus, die die anderen dann auch machen wollen. Deshlab schallt es seit letzter Woche oeftermal "seh sahme siegen sogen sehn sentner sucker sum soo" uebern Compound. Lamin kanns aber fast richtig.

Um 19 oder 20 Uhr essen wie meisstens.
Essen tut man hier eh dauernd. Die Lehrer, Krankenpfleger und zahnmedizinischen Fachkraefte, wie die Zahnaerzte korrekt natuerlich heiszen muessen, essen jeweils getrennt, aber nicht immer zur gleichen Zeit. Die Zahnaerzte essen oft erst um 4 Mittag, weil alle arbeiten und erst nach der Arbeit mit dem ziemlich aufwendigem Zubereiten beginnen koennen.
Ist man gerade in der Naehe muss man wenigstens etwas eigentlich immer mit essen.
Deshalb kommt s oft vor, dass ich morgens mit Julia fruehstuecke, dann in der Schule direkt noch was angeboten bekomm, zwischendurch noch n Stueck Brot zugeschoben krieg, in der ersten Pause "snake" und dann am besten noch etwas Mittag in der Schule esse. Nach der Schule dann bei den Pflegern, wie vorgsehen, und danach nochmal bei den Zahnaerzten und dann halt Abendbrot.
Selbst wenn wir in der Stadt sind, und da gerad ne Gruppe ist, wird man immer aufgefordert mitzuessen.

Letztes Wochenende war ich auf einer Namensgebung, eine Art Taufe von der Tochter einer unserer Lehrer. Die ist eigentlich wenn das Kind ne Woche alt ist, aber das lag im Ramadan, deshalb musste er es verschieben.
Der ganze Compound ist in sein Dorf gefahren.
mit 27(!!!) Leuten und Gepaeck sind wir ca. ne 3/4 Stunde durch die Gegend geschaukelt. Julia und ich sitzen immer vorne, man traut uns wohl nicht zu hinten zu sitzen. Habs einmal gemacht und das ist echt anstregend, man fliegt dauernd durch die Gegend, deshlab muessen wir dann imme rnoch die Kleinkinder vorne auf den Schosz nehmen.

Die Zeremonie war echt grosz. Es wird viel gesungen und getanzt (ich hab mich erfolgreich gedrueckt!!!) und ohne ende gegessen.
Leider konnte man da aufm Dorf das Wasser nicht unbedingt trinken, da es aus dem Brunnen kam, hatten wir so unsere Bedenken.
Ausserdem bot man uns eine Art Haferpampe an, die mit "Sour Milk" zubereitet wurde, die ist deshlab sauer, weil man sie gerne mal nen paar Tage auf dem Markt in der Sonne zum verkauf stellt. Man hat uns dann ne extra Portion mit Wasser gemacht. Nachkommlinge aus Jahaly haben uns dann Wasser mitgebracht, bzw haben unserer Gastgeber das Wasser fuer uns abgekocht.
Das hat mir zum ersten Mal gezeigt, dass wir hier in Jahaly echt Luxus haben mit laufend frischem Trinkwasser. Naechstes Mal nehm ich mein Neutralisierungszeug aus dem Outdoorladen mit, daran hatte ich natuerlich nicht gedacht.

Ansonsten sind die Wochenenden sehr ruhig. Ich hab heute so bis halb 10 geschlafen, Fruehstueck gemacht und mit Julia nen ausgiebiges Fruehstueck genossen. Danach haben wir n bisschen mit den Leuten vom Compound rumgesessen.

Heute Abend musste ich nochmal was fuer einen der Zahnaerzte (Momudou Ann) tippen, danach hat er mir noch sehr viel ueber Gambia erzaehlt, vor allem ueber Politik (die Regierung) und die Presse. Die Zeitung wird hier naemlich von der Regierung kontrolliert und es verschwinden auch gelegentlich Leute. Es gibt eine online Zeitung die aus Amerika veroeffentlich wird.
Alles war sehr spannend, und ich hab heute viel von dem Land gelernt, glaub ich.

Den Rest des Abends hab ich mit Lamin verbracht, allerdings auf Englisch, denn auch wenn er schon gut Deutsch kann, ist es zum unterhalten immer noch leichter auf Englisch.

Ich denke das ist es erstmal, ich freue mich wieder von euch zu hoeren und geh jetzt ins Bett.
Bis die Tage,
Hanna

Sunday, November 26, 2006 

Einen kleinen Abendgedanken noch.

Angeblich koennen Kakerlaken ja selbst Atomkriege uebersetehen.
Seit heute frage ich mich ernsthaft, was in "Anti-Nyamuk-dan-kecoa" drin ist, wenn das Kakerlaken toetet.

Das beschaeftigt Julia und mich wirklich sehr, und immer mehr, vor allem in Relation zur Nuetzung von dem Zeug in der Kueche.

 

Saturday, November 25, 2006 

Sorry guys, I decided to go on with this in German now, sorry for that.
I'll let you know via email jow I'm getting on, rite!

Also, endlich schaffe ich es mal hier zu schreiben.
Es scheitert noch nicht mal am guten Willen, aber an vielen kleinen Faktoren: Entweder gibt es keinen Strom, oder kein Internet, oder es stehen gerade noch fuenf Leute um dich rum, und sich wundern, wie schnell du schreiben kannst, oder andere melden Bedarf fuers Internet an und so weiter.
Aber zu wichtigerem.
Wie geschrieben, bin ich seit Mittwoch in Jahaly. Die Fahrt hier her war anstrengend, wenn auch interessant.
Wir sind frueh um sechs (Julia, die andere Freiwillige wuerde sechsE sagen...) aufgebrochen, um nicht so lange an der Faehre warten zu muessen. Mussten wir dann aber leider doch. Die Anlegestelle ist nicht die schoenste, eine Art Marktplatz, der langsam zum Leben erwachte, als wir in der Autoschlange standen. Teilweise schlafen die Menschen dort auf dem Boden, manche haben irgendwie ein Moskitonetz ueber ihre Dekcen gespannt. (Sehr beeindruckende Konstruktion zum Teil.)

 Wir sind mit einem pick-up gereist auf dem Julia und ich ziemlich viele "Luxusgueter" gepackt hatten. In einer unaufmerksamen Sekunde wurde uns eine Tuete mit Seife, Spuelmittel und Putzzeug geklaut. Naja, koennen wir mit leben, die Tuete mit dem Christstollen haette uns schlimmer getroffen!!
Danach haben wir den Wagen nicht mehr aus den Augen gelassen, und gegen 10 konnten wir dann endlich, endlich auf die Faehre. Unser Auto war das letzte auf der Faehre, Glueck gehabt, sonst haetten wir nochmal laenger warten muessen.
Am anderen Ufer gings dann erst mal ein paar Stunden weiter. Die Strassen waren groesstenteils ganz okay, oft sogar geteert. Auf den Sandstrassen ist es jedoch total krass, wenn einem ein schnelles Auto (okay, meisstens sind es Eselkarren) entgegenkommt, denn dann wird das Auto komplett in Staub gehuellt. Mein Koffer hintendrauf hatte hinter ne ganz neue Farbe!!

In einem Dorf haben wir Rast gemacht. Etwas gegessen und getrunken und die Kinder ziemlich erschreckt als ploetlich 2 toubobs in ihrer kleinen Stadt waren. Toubobs nennt man Weisse in Gambia und ich glaube auch im Senegal.
Da ich das dauernd nachgerufen bekomme, habe ich angefangen voller Ueberzeugung die Kinder Toubob zurueck zurufen, das verwirrt sie irgendwie!
Danach mussten wir zwei weitere Faehren passieren, aber immer nur kurz. Die letzte, die uns schliesslich nach Gerorgetown brachte (dort ist ein Denkmal fuer die Sklaverei, die dort frueher einen wichtigen Punkt hatte) hatte nicht mal einen Motor. Ueber den Gambia-River ist an dieser Stelle ein Drahtseil gespannt, und die Maenner auf der Faehre, also auch Passagiere muessen an dem Seil ziehen um das Schiff ans andere Ufer zu bekommen. Julias und mein Angebot zu helfen wurde freundlich abgelehnt, ("You see, we don't treat our women as bad as you think!")

In Jahaly dann endlich angekommen, wurde vor allem Julia erstmal freudig begruesst. Die ist schon sechs Wochen hier und nach der einen Woche in Manjai haben sich alle gefreut sie wieder zu sehen, deshalb haben mich die meissten erstmal nicht beachtet.

Abends waren wir bei einer Krankenschwester zu Hause. Wir haben Bremen gegen Chelsea geguckt und eine riesen Melone gegessen. Dass dabei der ganze Wohnzimmerboden eingesaut wurde, tat mir voll leid, aber die Krankenschwester und Mutter Kakou hat's einfach wechgemacht mit den Worten "It is a familiy home, that's okay"

Julia und ich haben die ersten Naechte noch in einem Bett geschlafen (das Gaestehaus hat vier Schlafzimmer mit je einem riesigem Bett) weil die Maenner aus dem Office, die uns gefahren haben, zwei Tage hier blieben, und auch im Gues House geschlafen haben.
War aber voll okay, denn mit Julia versth ich mich soweit prima.

Donnerstag bin ich dann direkt mit Julia in den Kindergarten gegangen. Der Kindergarten ist mehr ne Vorschule, doch dazu an anderer Stelle mehr.
Der Schulleiter wusste leider gar nicht, dass ich komme, hat sich dann aber doch gefreut und ich bin jetzt im einem Level 2 untergebracht.

Es gibt zwei Lehrer in jeder Klasse, einen „qualified" und einen „unqualified" der aber die Dorfsprache der meissten Kinder spricht und den qualifizierten Lehrer uebersetzen muss.

Waehrend sich die eigentliche Lehrerin mir den Stundenplan vorgelesen hat, fing der Uebersetzerlehrer Muhammed an, Die Buchstaben von A bis T an die Tafel zu schreiben. (Die Kinder sind 5 in meiner Klasse!!) Dann liesst er sie der Reihe nach vor „Letter A, Letter B" und nach jedem Letter muss die Klasse im Chor wiederholen.

Das ging ungefaehr 20 mal so von A bis T, dann musste eines der Kids nach vorne und das ganze genauso machen. Danach ein anderes und so weiter.

Haengt ein Kinder ein paar Mal, darf es sich nicht hinsetzen, sondern bleibt neben der Tafel stehen. Am Ende dieser ungewoehnlichen „Language" Stunde bekamen die Kinder, die es nicht gekonnt hatten etwas Kreide auf den Kopf und die ganze Restklasse muss mit dem Finger auf die „Dummen" zeigen, und „Shame, Shame, Shame" rufen.

Die Kids setzen sich wieder und nahtlos geht der gleiche Spass weiter mit „Number one, bis zu „Number 23"

Das naechste Fach war Social Science. Thema der Stunde „There are seven days in a week." Ihr koennt euch sicherlich vorstellen, wie das aussah: Nachdem ueblichen Monday, Tuesday etc, hat die Lehrerin dann noch sieben Kinder nach vorne geholt und  jeder musste eine Tag sein und der Reihe nach durchgehen. Wenn's einer nicht geschafft hat, wurde der „Dummkopf" ausgewechselt und am Ende noch „Shame, Shame" gerufen.

Manchmal werden die Sachen auch durch Lieder vermittelt.

 

Diese Lehrmethoden sind fuer mich teilweise erschreckend, aber nach gerade mal 2 Tagen kann ich auch noch nicht so viel sagen, wie s wirklich regelmaessig ablaeuft.

Zumal der Freitag noch n besonderer Tag ist. Erstens wird morgens Gebet gehalten (muslimisch = Freitagsgebet halt) und nach einer kurzen Wiederholung der Woche Stunde trifft sich die ganze Schule draussen zum Trommeln und Tanzen. Die Lehrer Trommeln, waehrend die Kinder tanzen. Das ist SOOOOO niedlich in den Schuluniformen. 
Ich durfte auch direkt mitmachen, sehr zur Freude des Kollegiums und den Kindern natuerlich. 

 

Heute (Samstag... oh ist schon gestern inzwischen....) waren wir morgens in der naechsten Stadt, da war Markt. 

Der Fahrer der Klinik hat uns mit dem Krankenwagen rausgefahren, das war ne ordentliche Sause. Vor allem weil die Strassen teilweise hier so schlecht sind, dass Wagen eher neben als auf der Fahrbahn fahren um die groebsten Schlagloecher zu umgehen. 

Auf der Rueckfahrt hat unser Schulleiter uns zwei Ziegen mitgegeben, die haben wir dann auch noch in den Wagen verfrachtet. 

Den Rest des Tages haben wir auf unserem Compound verbracht. Auf dem Compound steht das Health Center mit Zahnarztabteilung, der Kindergarten das Guesthouse und die Haeuser von Clinik Manager, Schulleiter und deren Familien etc. 

 

Das Compoundleben find ich ganz klasse, weil man alle kennt, es ist familiaer, aber immer was los, weils schon ein paar Leutchen sind. Man kann eigentlich immer rausgehen und mit Kindern spielen, Tee trinken, quatschen, kochen etc

Wir essen in der Regel auch mit diesen Menschen zusammen. Es werden immer drei Schuessel bereitet, eine fuer Maenner, einer fuer Frauen, eine fuer Kinder. Dann setzen sich alle um diese Schuessel rum und essen mit der Hand daraus. Das ist ziemlich gesellig, wenn die Frauen auch meistens Mandinka und nicht Englisch sprechen und ich noch nicht viel verstehe.

 

Den Nachmittag habe ich mit der Kinderschar, die mich umringt seit ich den 25-Jahre-Kodi-Wasserball ausgepackt habe, verbracht und mit einer kleinen Malariakranken.

Die war auf einem Sportevent in der Naehe, das eine Amerikanerin, die fuer UNICEF oder so 2 Jahre hier arbeitet organisiert hat, und stand vor der Klinik, mit besagter Amerikanerin (Nancy)

Nancy musste zurueck zun den anderen Kindern und bat mich bei dem Maedchen zu bleiben.
So konnte ich schon hautnah das Klinikleben erleben.

Die Kleine musste zuerst zum Aryt, der iegentlich Pfleger ist, aber sein Handwerk sehr gut versteht. Er hat ihr einige Fragen gestellt, doch zB wie alt sie war, wusste sie gar nicht. Das kommt hier manchmal vor.

Wir habensie auf neun oder zehn geschaetzt, gewogen und, als sich der Pfleger sicher war, dass sie Malaria hat, so auf eine Dosis eingestellt.

Sie bekam eine Injektion und Tabletten und durfte zurueck gehen. Ich habe sie ein Stueck des Weges tragen muessen, weil sie echt super schlapp war.

 

Ansonsten verlief der Nachmittag ruhig und am fruehen Abend mussten wir nochmal in die nahe Stadt Brikamabar um beim Schneider n paar Sachen abzuholen.

Auf dem Rueckweg haben wir noch auf ner Namensgebung angehalten, das ist sowas wie ne Taufe.

Mit dem Krankenwagen haben wir uns dann direkt erstmal festgefahren, aber im Endeffekt sind we sicher zu Hause angekommen.

Heute Abend hab ich mit Kakous Familie Karten gespielt, Julia hat mit den Lehrern Maumau gespielt, der Einsatz ist immer am Schultanzen teilzunehmen am Freitag.

 

Das waren meine Erfahrungen in Jahaly soweit. In Kuerze :)

Bleibt noch zu sagen, dass alle end nett sind, und ich mich bester Gesundheit erfreue.

Ueber Post freue ich mich wie immer, ich hoffe ich kann mich bald wieder melden!