Gender: Male
Status: Divorced
Sign: Sagittarius
City: Münchberg
State: Bayern
Country: DE
Signup Date: 9/15/2006
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August 5, 2009 - Wednesday
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Ein Kurs in Magie Für den angekündigten Oliver-Fehn-Magie-Kurs haben sich bereits ausreichend Teilnehmer gemeldet; es sind jedoch noch Plätze frei.
In acht Unterrichtsstunden sollen sowohl die rituelle Magie, das Gebiet der „Lesser Magic“ (d. h. Psycho-Tricks für den Alltag) als auch die vom Autor erstmals definierte „Dritte Art von Magie“ ausführlich dargestellt werden.
Hinzu kommen praktische Übungen und sofort anwendbare Tipps und Tricks für alle möglichen Situationen.
Ziel des Kurses: Jeder soll die Grundlagen erlernen für die Erfüllung persönlicher Wünsche. Und jeder soll, wenn der Lehrgang vorbei ist, ein seliges Lächeln auf den Lippen haben.
Offizielle Kursdaten:
Kursthema: Praktische Magie für den Alltag (Higher Magic – Lesser Magic – Dritte Art von Magie) mit praktischen Übungen
Termin: Samstag, 12. September, 18 – 22 Uhr Sonntag, 13. September, 14 – 18 Uhr
Veranstaltungsort: 95213 Münchberg (im Fichtelgebirge) Kursgebühr: 110 Euro (ohne Übernachtung)
Als Übernachtungsmöglichkeit empfehle ich den Landgasthof Walther, wo man in gepflegter Atmosphäre für ca. 30 Euro pro Nacht ein sehr gutes Quartier findet, oder das nur geringfügig teurere Hotel Braunschweiger Hof im Münchberger Stadtzentrum.
Ich werde mich bemühen, auch den Kurs in einer dieser beiden Lokalitäten abzuhalten.
ACHTUNG! Falls Ihnen / Dir der Termin nicht genehm ist, ruhig Bescheid sagen. Es sind weitere Kurswochenenden zum gleichen Thema geplant, bei denen ich dann entsprechende Terminwünsche berücksichtigen kann.
Anmeldung per E-Mail unter oliver_fehn@t-online.de Betreff: Oliver-Fehn-Kurs
Ich freue mich auf Ihre / Deine Antwort. Auch für Rückfragen stehe ich jederzeit zur Verfügung. Mit den besten Grüßen
Oliver Fehn
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July 17, 2009 - Friday
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Current mood:  hopeful
Heaven Can Wait
Ein paar Gedanken zu meinem neuen Buch „Das verlogene Paradies“
Es geht oft seltsam zu im Leben eines Autors. Im Herbst 2007 veröffentlichte ich einen Roman („Verfluchter Sommer“), der eigentlich schon 20 Jahre alt war, und den ich in der aufregendsten Phase meines Lebens geschrieben hatte, als fast Jugendlicher noch, zwischen Tür und Angel, mal hier, mal dort. Und nun, im Jahre 2009, erscheint bei Edition Esoterick eine Erzählung, die um ein Haar nie erschienen wäre, und die mehr als drei Jahre lang in den Schubladen eines anderen – sagen wir, nicht sehr entschlussfreudigen Verlegers gewissermaßen auf Eis lag. Beginnen wir von vorn: Nachdem ich 2003 „Die Schule des Teufels“ veröffentlicht hatte, schwebte mir als drittes Buch etwas völlig anderes vor: Eine moderne, leicht lesbare Version von John Miltons „Paradise Lost“ - jenem von der Handlung her spannenden, aber auch schwerfällig geschriebenen Epos aus dem 17. Jahrhundert, das auf Grund seines antiquierten Stils den Leser des 21. Jahrhunderts kaum mehr zu erreichen vermochte. Es gelang mir auch, einen Verlag dafür zu begeistern. Leider gingen diesem Verlag – nachdem ich etwa drei Kapitel geschrieben hatte – die Ressourcen aus. So landete mein Text vorerst auf Halde. Drei Jahre später, anno 2006, meldete sich bei mir ein anderer Verleger, der ebenfalls Interesse an dem Werk bekundete. Also schrieb ich das Manuskript zu Ende, und ein Vertrag wurde geschlossen. Daraufhin folgte – nichts. Monate gingen ins Land, Jahre, und mir wurde bald klar, dass es dem Verlag an irgendetwas mangelte: Ob an Motivation, Tatkaft, Geld oder einfach nur jenem Mindestmaß an Energie, das man benötigt, um in dieser Welt auch Ergebnisse vorweisen zu können, sei dahingestellt. Mir war nur klar: Mein Text hatte nicht etwa eine neue Heimat, sondern nur einen neuen Tiefkühlschrank gefunden, in dem er sich zwar frisch hielt, ans Licht der Öffentlichkeit aber wiederum nicht gelangte. Im Frühjahr 2009 – um es kurz zu machen – gelang es mir schließlich, mein Manuskript freizuboxen, und mein Freund und Verleger Lars Kronlob, den die Idee einer Neufassung des Milton-Textes schon seit langem begeisterte, beschloss, es in seinem Verlag Edition Esoterick zu veröffentlichen. Heute, am 16. Juli 2009, ist Das verlogene Paradies endlich erschienen. Zu spät? Gerade noch rechtzeitig? Oder genau im richtigen Jahr? Jedes Buch, so glaube ich, findet seine ihm angemessene Zeit. Dinge verzögern sich, werden vertagt, suchen sich einen neuen Ort, damit jener "richtige Zeitpunkt" eingehalten werden kann. Das rechtfertigt nicht das Handeln derer, die zuvor als Bremse wirkten; es offenbart uns höchstens ihre Rolle als Werkzeuge, mit dem eigentlichen Geschehen unverwoben, ähnlich dem Postboten, der Liebesbriefe zustellt, ohne selbst wissen zu müssen, was Liebe ist. Sagen wir einfach: Die Zeit war reif. Das Buch musste jetzt erscheinen, oder nie. Und der scharfsichtige Leser wird bei der Lektüre sehr gut begreifen, wovon ich spreche.
© 2009 by Oliver Fehn
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June 11, 2009 - Thursday
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Current mood:  blissful
Aus meinem Tagebuch
Wenn ich Blogs bei MySpace veröffentliche, dann meist Essays oder zumindest längere Beiträge. Kürzere Texte - Ideen, Gedankenfragmente, Gedichte, Kommentare zum Tagesgeschehen, kleine Filme, die ich entdeckt habe, Songs, Privates usw. - würden hier vermutlich untergehen.
Deshalb gibt es jetzt einen zweiten Oliver-Fehn-Blog:
http://oliverfehn.wordpress.com/Da kann jeder, der Lust hat, ein paar Schritte mit mir zu gehen, ab und zu reingucken.
Ich freue mich auf Euren Besuch. Oliver
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March 31, 2009 - Tuesday
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Current mood:  geeky
Sieben Ratschläge für den Propheten
Wenn du nach den Wanderjahren deiner Jugend in dein Heimatdorf zurückkehrst und inzwischen Autor mehrerer Bücher bist, wirst du es nicht leicht haben. Nicht umsonst sagt ein Sprichwort: „Der Prophet gilt nichts im eigenen Lande.“(Unbekannt) – Aber mal ehrlich – so schlimm ist es gar nicht: Letztendlich liegt es an dir selbst, ob du als Autor mit offenen Armen empfangen oder geächtet wirst. Falls du eine ähnliche Laufbahn einschlagen willst wie ich, begehe nicht die gleichen Fehler. Anbei sieben Ratschläge für den Propheten bzw. Schriftsteller, der im eigenen Dorf nicht bespuckt, sondern gefeiert werden will:
Schreibe kein gutes Buch. Mach dich ruhig etwas kleiner als du bist. Sei so witzlos wie möglich, reize deinen Wortschatz höchstens zu 20 Prozent aus, und vor allem: Fordere deine Leser nicht zu irgendwelchen Denkanstrengungen heraus. Dein Stil sei platt, deine Ideen trivial. Ironie ist ein Totenschädel mit zwei Knochen drüber. Am besten, dein Buch liest sich wie ein etwas besserer Schulaufsatz.
Du darfst mit deinem Buch kein Geld verdienen. Wozu auch? Ein echter Autor schreibt nicht des Geldes wegen, sondern weil er „getrieben“ ist. Auch Frau Fischer vom Schuhmarkt, die jedes Jahr auf eigene Kosten ein Bändchen mit ihren Hobbygedichten veröffentlicht, hat das damals der Zeitung gesagt: „Ich MUSS einfach ständig neue Ideen niederschreiben.“ Weshalb sie nicht endlich damit anfängt, soll uns hier nicht beschäftigen.
Du musst den Leuten ein Wir-Gefühl vermitteln. Menschen mit Ich-Gefühl sind in der Provinz nicht so gern gesehen; sie heißen dort Sonderlinge, und bei der jüngeren, Englisch sprechenden Generation Freaks. Die Leute wollen in dein Werk miteinbezogen werden. Du musst öffentlich verkünden, als Bürger deines Heimatortes M. seist du stolz darauf, hier deine Kindheit und Jugend verbracht zu haben – auch wenn du das Dorf damals am liebsten im Rückspiegel deines Mopeds gesehen hast. Du musst auch deine Deutschlehrer von früher loben, die dir „alles beigebracht“ haben, so dass du bereits mit siebzehn deine ersten Stories veröffentlichen konntest – und dich vornehm darüber ausschweigen, dass keiner dieser Lehrer im Leben auch nur irgendwas veröffentlicht hat. Oute dich als Kind deiner Ortschaft. Das ganze Dorf muss irgendwie zu deinem Erfolg beigetragen haben.
Verrate niemandem, dass das Schreiben dein Beruf ist – behaupte, es sei dein Hobby. Das macht dich sympathisch, wie alle Steckenpferd-Besitzer. Sie sollen im Geiste sehen, wie du abends um neun Uhr ächzend von der Maloche kommst, deine Schlammstiefel gegen Pantoffeln tauschst, und bei laufendem Fernseher ein paar Reime aufs Papier wirfst, während Klein-Erna auf den Möbeln turnt und der Papagei nach Futter krächzt. So ist das Leben von Hobby-Schriftstellern – und wer mag leugnen, dass es unser aller sehnlichster Wunsch ist.
Vermeide auf jeden Fall, dein Buch bei einem „richtigen“ Verlag zu veröffentlichen. Nichts macht dich mehr suspekt als Anerkennung, die über die Grenzen deiner Ortschaft hinausgeht. Nein, zahle entweder 10 000 Euro, um es bei einem Druckkostenzuschussverlag zu veröffentlichen, auch wenn es Miesmacher gibt, die meinen, das einzige, wozu ein Druckkostenzuschussverlag gut sei, wäre die Punktzahl, die das Wort beim Scrabble bringt. Lass dich nicht beirren – und wenn es dir an Kohle mangelt, frag doch den Buchbinder Zwack um die Ecke, ob er dir nicht ein paar Exemplare binden mag. Ihr kennt euch doch vom Wirtshaus her, der macht dir schon einen guten Preis. Auf jeden Fall ersparst du dir auf diese Weise die Schmach, dein Werk bei einem professionellen Verlag untergebracht zu haben. Und wieder steigen deine Sympathiepunkte.
Falls du eine Lesung hältst, trage deine Texte nie auf Hochdeutsch vor, sondern grundsätzlich in der Mundart deines Heimatortes (auch wenn du nie so gesprochen hast). Hochdeutsch sprechen nur arrogante Menschen, die was Besseres sein wollen als der Rest der Einwohnerschaft. Falls du den Dialekt nicht beherrschst, ist es z. B. hier in Franken sehr nutzbringend, sich vor der Lesung eine mehlige Kartoffel in den Mund zu stopfen. Andere wiederum schwören auf eine Lokalanästhesie der Zungenmuskulatur. Hier muss jeder selbst herausfinden, welche Methode für ihn wirkt.
Wenn die Köchin des Lokals, in dem du abends immer isst, dir anvertraut, dass sie ja auch heimlich Geschichten schreibe, solltest du augenblicklich Feuer und Flamme sein und sie möglichst mit „Frau Kollegin“ anreden. Sie wird dir ihre Ergüsse daraufhin sofort vorlesen, und du solltest beim Zuhören darauf achten, dass du keine witzig gemeinte Stelle überhörst und eventuell vergisst, dich totzulachen. Sag der Köchin, sie sei ein Naturtalent, und du würdest dich nach Kräften für sie einsetzen und zu diesem Zweck ihre Texte gerne einmal mit nach Hause nehmen. Dort kannst du sie genüsslich ins Feuer werfen, dir einen Drink genehmigen, die Beine ausstrecken und stöhnen: „Warum lebe ich eigentlich immer noch hier?“
© 2009 by Oliver Fehn
 | Currently listening: Watertown By Frank Sinatra Release date: 1994-08-12 |
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March 16, 2009 - Monday
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Current mood:  devious
Schreiben statt Schludern
Früher schrieben wir uns Briefe, und wenn wir nachträglich noch einen Fehler entdeckten, haben wir mit Radiergummi und Tintentod dran rumgefummelt, bis alles stimmte – oder, wenn's was ganz Krasses war, den Brief neu geschrieben. Die Form des Briefes war unsere Visitenkarte. Heute schreiben wir uns Mails, posten in Foren und chatten über ICQ – und Fehler sind uns völlig scheißegal geworden.
Wenn ich „uns“ sage, meine ich mich natürlich nicht mit. Bevor ich in irgendein Forum poste, eine E-Mail versende oder einen „altmodischen“ Brief abschicke („Snailmail“ nennt man so was heutzutage), muss alles – auch die Rechtschreibung – hieb- und stichfest sein. Bis vor einiger Zeit hielt ich das für eine Selbstverständlichkeit. Aber inzwischen werde ich zugemüllt mit hingeschluderten Text-Spasmen, von denen man auch noch erwartet, dass ich sie beantworte – und deshalb sag ich's mal in aller Höflichkeit: Bitte schreibt mir nur noch Texte, die wenigstens ansatzweise fehlerfrei sind.
Ich will wenigstens erkennen, dass der Absender seinen Schrieb noch mal durchgelesen hat, bevor er ihn abschickte. Egal, ob es nette Briefe sind oder weniger nette. Ein Lob für mich als Autor bedeutet mir wenig, wenn es in Worte gefasst ist wie: „Lieber Herr Fehn, habe ihr Buhc Satans Handbuch gelesen; ist eins der orginelsten Weke die ich zum thema kenne.“ Das ist, als würde mir jemand die Hand geben, ohne zuvor sein vollgerotztes Taschentuch einzustecken. Mein erster Gedanke: Wo ist die nächste Waschgelegenheit?
Da weinen junge Autoren in ihr Bier, weil sie von Verlagen nur Ablehnungsbriefe bekommen. Zeigen sie einem dann ihr Anschreiben, weiß man, was passiert ist: Der Lektor hat den Brief überflogen und wollte daraufhin das Manuskript erst gar nicht mehr sehen. Verständlicherweise. Kein Mensch hat Lust, sich für jemanden Mühe zu machen, der nicht den geringsten Eindruck vermittelt, sich für ihn die gleiche Mühe gemacht zu haben. Warum zum Henker begreift dieses einfache Gesetz keiner?
Ich höre es schon: „Gott, jetzt traut man sich nicht mal mehr, ihm zu schreiben.“ - So ist es nicht. Auch mir unterläuft gelegentlich ein Tippfehler, der mir auch beim abschließenden Prüfen nicht auffällt. Ich werfe nicht jede Mail, sobald ich darin einen Lapsus entdecke, wutentbrannt in den nächsten Papierkorb. Sofern es eine geschriebene Mail ist. Ist es eine geschluderte Mail, tue ich das sehr wohl. Einen schludern kann ich mir selbst.
Das Allerschlimmste, wenn dann jemand sagt: „Ich hab's durch die automatische Rechtschreibkorrektur geschickt, und die kennt das Wort nicht.“ - Entschuldigung, gibt es tatsächlich Menschen, die so blöd sind, ihre End(!)-Korrektur von einem Roboter erledigen zu lassen? Abgesehen davon, dass ich automatische Rechtschreibkorrekturen hasse, weil sie scheinbar von Analphabeten kreiert wurden – wer's braucht, möge damit selig werden. Doch wenn der Roboter fertig ist, bin ich noch mal dran. Weil ich der Klügere von uns beiden bin.
Es ist eine Sache, die mit Respekt vor dem anderen zu tun hat. Wenn ich jemanden besuche, komme ich nicht mit vollgepisster Hose, sondern ziehe mir – wenn ich schon zu solcherlei Missgeschicken neige – eine saubere an. Und eine Mail ist eine Art virtueller Besuch. Ich mochte schon früher handgeschriebene Briefe nicht, die den Eindruck erweckten, der Absender hätte sie beim Frühstück einhändig zwischen Honigpötten und Brötchenkrümeln verfasst. Dein Text bist Du. In gewisser Weise zumindest. Und wenn der Text in einer Scheiß-Form daherkommt, darf vermutet werden, dass es sich mit Dir nicht anders verhält.
Diese entnervende „Wird schon durchgehen“-Mentalität ist es, die für mehr als die Hälfte aller Misserfolge bei Bewerbungen jedweder Art sorgt. Ein Großteil davon wäre mit etwas mehr Sorgfalt vermeidbar. Natürlich gibt es auch Leute, die es einfach nicht können. Die sollten's dann aber auch bleiben lassen. Ich repariere ja auch keine Flugzeuge.
© 2009 by Oliver Fehn
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February 20, 2009 - Friday
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Current mood:  rebellious
Ich verrate Uri Gellers Löffel-Trick
Möge keiner sagen, ich hätte keinen Warnschuss abgegeben. In meinem Buch „Im Schein der Schwarzen Flamme“ steht es auf Seite 89 schwarz auf weiß: Sollte die israelische Dauer-Nervensäge Uri Geller weiterhin als selbsternannter Mystery Man auf deutschen Bildschirmen herumspuken, werde ich gegen den ältesten Kodex aller Zauberkünstler verstoßen und öffentlich machen, was seit Gellers Erstvorführung des Löffel-Tricks anno 1974 nur selten irgendwo zu lesen stand oder sonstwie zu erfahren war: Dass diese als „außersinnliches Phänomen“ verkaufte Illusion nur ein stinknormaler Taschenspielertrick ist. Und Uri Geller ein Augenwischer. Und vor allem: Wie der Löffeltrick funktioniert.
Natürlich ist ein Publikum nicht allzu clever, wenn es sich fünfunddreißig Jahre lang ein Zauberkunststück als übernatürliches Phänomen andrehen lässt. Womit ich nichts gegen Zaubertricks sagen will. Ich mag die Zauberei, und in den achtziger Jahren verdiente ich mir selbst eine Zeit lang mein Geld mit den ältesten und nach wie vor undurchschaubarsten Tricks dieser Zunft: Wie man stabile Ringe miteinander verkettet, wie man Kugeln in die geschlossene Hand von Zuschauern zaubert, und auch das bekannte Spiel mit den Nußschalen. Nur: Ich habe damit nie jemanden abgezockt.
Uri Geller, so finde ich, zockt die Leute ab. Sein Stammpublikum nämlich schaltet den Fernseher nicht ein, weil es Illusionen sehen will, sondern weil es glaubt, bei ProSieben tatsächlich Spukphänomene oder das Gekrächze medialer Raben serviert zu bekommen. Es glaubt tatsächlich, auf der Bühne gehe es nicht mit rechten Dingen zu. Dann taucht dieses radebrechende Spottbild eines Gutmenschen auf und zeigt ein paar Tricks, die jeder Zehnjährige viel witziger vorführen könnte. Damit muss Schluss sein.
Ich hatte den Löffel-Trick nie im Programm, weil ich zu denen gehörte, die kein Hehl daraus machten, dass ihre Kunststücke nur Fingerfertigkeit sind; und dafür war er mir zu unspektakulär. Das scheinbare Verbiegen eines Löffels, sofern man es nicht als PSI-Phänomen verkauft, ist ungefähr so spannend wie das Aufblasen eines Luftballons.
Und es geht ganz einfach.
Besorgt euch einen Löffel, der möglichst leicht zu verbiegen ist. Also nicht gerade die stabilste Ausfertigung. Was ihr dann braucht, ist eigentlich nur Zeit. Biegt ihn hin und biegt ihn her, immer wieder. Nach einiger Zeit werdet ihr merken, dass der Löffel an der Biegestelle „brüchig“ wird. Je nach Löffel kann das ein paar Minuten bis zu einer Viertelstunde oder länger dauern. An diesem Punkt biegt ihr den Löffel einfach in seine Ausgangsform zurück.
Diesen präparierten Löffel nehmt ihr mit zu eurer Vorführung. Für einen erfahrenen Zauberer ist es ein Leichtes, ihn unter eine Auswahl anderer Löffel zu schmuggeln oder notfalls sogar auszutauschen. Der vorbereitete Löffel wird jedenfalls der sein, mit der du als Vorführender arbeitest. Und ein paar streichelnde Berührungen an der Sollbruchstelle genügen, um ihn augenblicklich krumm zu kriegen und schließlich – knacks – zu Bruch zu bringen.
Das ist das ganze Geheimnis. Unfair von mir? Ich glaube nicht. Außer Geller führt in unseren Tagen kaum einer die Löffelverbiegung vor. Als Zaubertrick ist er schließlich einer der langweiligsten der Welt. Und falls nun jemand wissen will, wie das war, als ich damals bei einer Autoausstellung, mit einem schwarzen Sack über dem Kopf, den neuen Ford Orion mit 180 km/h über die Autobahn fuhr ...
Ich sage kein Wort. Außer: Es war alles nur Täuschung.
© Februar 2009 by Oliver Fehn
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February 20, 2009 - Friday
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Current mood:  melancholy
Welt voller Trugbilder
Rezension des Buches „Schattenlos“ von Irenes Kind
Ehrlich gesagt: Ich mag keine Biografien, schon gar nicht die von Berühmtheiten. Berühmtheiten meinen immer, wir müssten uns für jeden noch so unbedeutenden Pups aus ihrem Leben interessieren, doch Pups bleibt natürlich Pups. Wenn ich Biografien lese, dann mit Vorliebe die nicht-prominenter Personen. Wenn ein Verlag sich dazu entschließt, ihre Erinnerungen zu veröffentlichen, haben sie meist wirklich was zu erzählen.
Irenes Kind, deren autobiografische Geschichte „Schattenlos“ bereits 2006 im Verlag „Edition Esoterick“ erschienen ist, hat viel zu erzählen. Nicht weil das, was sie erlebt hat, so außergewöhnlich ist, sondern weil es ihr gelingt, aus den Szenen ihres Lebens anwendbare philosophische Schlüsse zu ziehen. Ein Mädchen, im sozialistischen Ungarn aufgewachsen, begreift die Welt, indem sie ihren ganz persönlichen Weg geht.
Der geliebte Vater, erst überzeugter, dann desillusionierter Kommunist, stirbt eines frühen und vermutlich unnatürlichen Todes, und wie so oft im Leben kommt nichts Besseres nach. Auch die Jungs, mit denen Irenes flirtet oder Beziehungen eingeht, enttäuschen auf die eine oder andere Weise, und ihre Zweifel am Tun der Menschen werden immer stärker und nachvollziehbarer. Politik, Religion, das konventionelle Familienideal – alles entpuppt sich rasch als Trugbild.
Nur Tiere und Sonderlinge sind es, von denen die Erzählerin nicht enttäuscht wird: Der Hund Scuri etwa, den ihre Eltern ohne Zustimmung einfach weggeben; der kleine Adoptiv-Igel, der ihn danach ersetzen muss; und – last not least – die geheimnisvolle alte Zigeunerin Romana, die sich – ob in Wahrheit oder nur im Traum, bleibt offen – als Verkörperung der „Großen Göttin“ entpuppt, der alles wahrhaft Weibliche auf dieser Welt bewusst oder unbewusst huldigt.
Da das Leben keine in sich schlüssigen Plots schreibt, lässt Irenes' Geschichte sich in einer Rezension natürlich nur schwer zusammenfassen. Doch es ist eine packende Geschichte, und ich empfehle sie jedem, der schon lange kein wirklich außergewöhnliches Buch mehr gelesen hat. Es liegt, wie ich meine, an dem exzellenten Gespür der Autorin für Dramaturgie. Viele Nicht-Profis schreiben einfach ins Blaue hinein und produzieren dabei im Kopf des Lesers oft schwer entsorgbaren literarischen Sperrmüll. Die Autorin von „Schattenlos“ hingegen weiß genau, was zu tun ist, wenn man Gelächter ernten oder eine Träne sehen will. Zweiteres etwa hat bei mir auf Seite 137 bestens funktioniert.
Einziger Kritikpunkt: Die Autorin hätte gut daran getan, sich bei Dialogen an die bewährte Regel „Ein Sprecher – ein Absatz“ zu halten. Im Buch jedoch umfasst ein einziger Absatz oft zehn oder mehr Dialog-Anteile, so dass man manchmal echt nicht weiß, wer gerade spricht. Das ist, als hätte man im Film für zwei Personen nur einen Synchronsprecher. Sollte die auf der letzten Seite versprochene Fortsetzung jemals folgen, könnte der Verlag diesen Punkt vielleicht zur Chefsache machen.
Ansonsten kann ich das Buch nur jedem ans Herz legen, der – ein paar kalte Nächte stehen ja noch bevor – nach einer interessanten Winterlektüre sucht. Es ist kein Thriller, der dich fesselt und nicht mehr loslässt – aber in etwa so, als würde jemand auf einer nächtlichen Reise dir sein Leben erzählen, und du möchtest und möchtest ihm zuhören, bis im Morgengrauen alle Schatten wieder da sind.
© Februar 2009 by Oliver Fehn
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January 17, 2009 - Saturday
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Current mood:  melancholy
Ein Lied für alle, die sterben wollen
Schon Sigmund Freud wusste, dass es sie gibt: die sogenannte Sonntagsneurose – d. h. körperliche Symptome psychosomatischer Natur, die bei verschiedenen Patienten in der Tat nur an jenem speziellen Wochentag auftreten und keineswegs mit einem Kater nach einem durchfeierten Samstag verwechselt werden sollten. Mehr noch: Menschen, die an Depressionen leiden, schildern ihr Lebensgefühl oft so, dass „jeder Tag sich wie ein Sonntag anfühlt“. Und viele von uns können es bestätigen: Einsamkeit ist nie besonders lustig, an Werktagen jedoch leichter zu ertragen als an einem Sonntag.
Der ungarische Komponist Rezsö Seress muss davon gewusst haben, als er im Jahre 1933 den Song Szomorú Vasárnap komponierte, der als „Gloomy Sunday“ (Einsamer Sonntag) während des Zweiten Weltkriegs gruselige Schlagzeilen machte. Angeblich fand sich die Scheibe auf den Plattentellern zahlreicher Selbstmörder, und eine Menge urbaner Legenden rankten sich um das Lied – etwa die von dem jungen Mann, der es in Rom einen Straßenmusikanten singen hörte, worauf er ihm seinen Geldbeutel schenkte und in den Tiber sprang.
Bei YouTube findet sich das Lied in den unterschiedlichsten Versionen – meist mit dem Warnhinweis, es möglichst nicht zu hören. Die Musik, so heißt es, enthalte versteckte Subliminals, die auf das Unbewusste des Hörers einwirken und seinen Suizid unabwendbar machen.
Ich glaube nicht, dass „Gloomy Sunday“ Subliminals enthält; sie sind eine Kreation der Nachkriegszeit. Ich glaube einfach, dass es hier einem begnadeten Komponisten gelungen ist, ein Stück wahrhaft Satanischer Musik zu schreiben; und Satanische Musik bleibt nie ohne Wirkung.
Hört man sich „Gloomy Sunday“ an, so fällt auf, dass das Lied eine Sogwirkung hat, die eindeutig in den Abyssos führt. Es gibt keinen Refrain, keine einzige heitere Note, nur Mollakkorde und Hoffnungslosigkeit, die aus allen Poren blutet. Und es spukt einem, nachdem man es gehört hat, noch lange im Kopf herum. Im Englischen gibt es für solche Melodien ein sehr treffendes Adjektiv: „haunting“.
Ich weiß nicht, ob Seress Zigeuner war; viele ungarische Musiker waren es, und angesichts der Intensität seiner Komposition möchte ich es vermuten. Zigeuner sind ein rätselhaftes Volk. Als ich ein Junge war, wohnten in unserem Ort mehrere Zigeunerfamilien, und was mir am meisten auffiel, war, dass ihre Gesichter jede Emotion auf viel intensivere Weise spiegelten als dies bei den von ihnen sogenannten „Gadsche“ der Fall war. Ich fand das faszinierend, aber auch beängstigend.
Die Zigeuner waren im Dorf gefürchtet; da ich aber mit einem der Jungs – nennen wir ihn Karlchen – eng befreundet war, durfte ich ihr Reich betreten und bekam viel von ihren Gepflogenheiten mit. Am deutlichsten erinnere ich mich an jenen Nachmittag, als Karlchen mich auf den Zigeunerfriedhof führte, der sich in einem versteckten Teil des örtlichen Friedhofs befand, überschattet von knorrigen Bäumen und umrankt von Gestrüpp. Ich war dort nie zuvor gewesen und bekam sofort eine Gänsehaut. Die Grabplatten waren einschüchternd und prunkvoll; und auf jeder befand sich ein Foto der Person, die dort begraben lag.
Da waren sie wieder, jene schwermütigen, dunklen Blicke, die mir so durch Mark und Bein gingen. Ich las fremdartige Namen, und unter jedem fand sich die Berufsbezeichnung des betreffenden Toten.
„Fast alles Musiker“, sagte ich.
„Ja, weil wir mit der Musik geboren werden“, sagte Karlchen. „Zigeuner brauchen keinen Geigenunterricht, die Geige lehrt es sie selbst. Du solltest mal um Mitternacht hierher kommen. Da kannst du hören, wie die Toten in ihren Gräbern Musik machen. Am liebsten spielen sie den einsamen Sonntag.“
Es war das erste Mal, dass ich von jenem Lied hörte. Ein paar Monate später spielte der örtliche Zigeunerprimas es bei einem Fest auf der Geige, und ich weiß noch, dass ich hinausging und mir die Seele aus dem Leib schluchzte. Wieder blutete die Hoffnungslosigkeit aus allen Poren. Um Mitternacht zum Zigeunerfriedhof bin ich nie gegangen.
Ich glaube, es ist jene metaphysische Schwermut, die sich in Seress' Komposition spiegelt. Satanische Musik, deren Mysterium nicht auf Notenfolge oder Tempo beruht, sondern auf etwas Drittem, organisch daraus Entstehendem, das sich zu einer anderen Ebene in uns Zugang verschafft. Und was den Text betrifft, so ist es – neben „Where the wild roses grow“ - das einzige mir bekannte Lied, das aus der Sicht eines Leichnams erzählt wird.
Bleibt die Frage: Warum eigentlich setzt die Melodie sich so hartnäckig im Kopf des Hörers fest? Es hat damit zu tun, dass die Verse und Strophen zwingend ineinander „fallen“; es existiert kein Punkt, an dem die Melodie zu einem Zwischenstopp oder Stillstand kommt. Solche Lieder sind wie verhext: Wir reagieren auf sie wie auf Tonfolgen, die unvermutet abbrechen und von uns sofort im Geiste ergänzt werden. Wer erinnert sich nicht – und man verzeihe mir den profanen Vergleich – an das verflixte Küchenlied vom „alten Reisbrei“, das man immer weitersingen musste, weil der letzte Vers einer Strophe gleichzeitig der erste Vers der nächsten Strophe war. Ein Perpetuum Mobile im Hirn.
Hat der "Einsame Sonntag" sich erst einmal im Kopf festgefressen, verrichtet er sein Werk ganz von selbst: Er nagt am Gemüt des Betreffenden, macht ihn depressiv und erzeugt eine Mischung aus Angst und Hoffnungslosigkeit. Ohne bewusste Steuerung hat plötzlich alles diesen Sonntags-Touch. Für labile Menschen oder Personen, die gerade in einer Krise stecken, nicht ungefährlich.
Bis lange in die Nachkriegszeit hinein war das öffentliche Spielen oder Ausstrahlen des Songs behördlicherseits verboten; erst seit den neunziger Jahren ist „Gloomy Sunday“ wieder legal - was sein Komponist allerdings nicht mehr miterleben durfte: Rezsö Seress war bereits im Jahre 1968 aus dem Fenster seiner Wohnung in Budapest gesprungen.
© 2009 by Oliver Fehn
Links zu dem Song bei YouTube:
http://www.youtube.com/watch?v=TcJ6CUgwe4Q
http://www.youtube.com/watch?v=MjQbtNaU8uQ&feature=related
http://www.youtube.com/watch?v=8Kkxbw3s2pM
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November 30, 2008 - Sunday
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Back from Berlin
Wieder ein wenig PR für Satan. Verbrachte das Wochenende in Berlin, wo der Regisseur und Filmpreisträger Rosa von Praunheim mich für sein neues Projekt – einem Film zum Thema Hölle – über drei Stunden lang interviewte. Wir drehten, atmosphärisch begleitet von Krähengeschrei und dem Wind im Geäst, am Ufer eines Flusses sowie auf einem malerischen Friedhof voll alter Grabmonumente und tempelartig schöner Anlagen. Berlin war kalt, aber sweet. Auch einem fast 50jährigen wirft das Nachtleben dort noch so manches Bonbon zu. Der Film wird voraussichtlich nächstes Jahr zu den Hofer Filmtagen gezeigt und auf ARTE ausgestrahlt; doch dazwischen liegt noch ein schönes Stück Arbeit. Kamerafrau war übrigens die bekannte Elfi Mikesch, ausgezeichnet mit dem 3-Sat-Dokumentarfilmpreis (1997), sowie erste weibliche Empfängerin des Deutschen Kamerapreises (2006).
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March 18, 2008 - Tuesday
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Current mood:  animated
Übermensch werden - und Spaß dabei!
Sachbuchautoren lassen sich in drei Kategorien unterteilen: Da gibt es die Didakten, die mit dem Urknall beginnen, um sich dann, systematisch und häppchenweise, durch ihr Thema hindurchzuarbeiten. Da gibt es die Geschichtenerzähler, die ihr Material mit Anekdoten und Erinnerungen würzen, und von denen man lernt, ohne es zu merken. Da gibt es zuletzt noch die – wie soll ich sagen? - Entertainer. Sie kommen mit einem großen schwarzen Koffer an, voll mit bunten Tricks und Gags. Sie führen kurz ihre Gimmicks vor, dann lassen sie das staunende Publikum auf eigene Faust damit experimentieren. Learning by doing.
Zu letzteren gehört Onkel Urian. Und der schwarze Koffer mit den vielen Wundern – das ist sein neues Buch „Götterschmiede". 110 Seiten, vollgepackt mit Anregungen, Experimentieranweisungen und Ratschlägen für ein bewußtes, magisches und erfülltes Leben. Das Ziel – wie schon der Untertitel „Kleines Handbuch zum Übermenschen" sagt – besteht darin, sämtliche Konditionen und Muster, die uns das Leben erschweren, hinter sich zu lassen und so gut wie möglich sein eigener Gott zu werden.
„Alles, was nun folgt, ist ganz alter Käse", sagt Onkel Urian im Vorwort, was – da es bekanntlich nichts Neues unter der Sonne gibt – für so ziemlich jedes Buch gilt. Wir alle wissen eine Menge über Glück und Erfolg und richtiges Leben, vielleicht wissen wir sogar alles, was es zu wissen gibt – nur: Wir tun es nicht. Wir halten den geistigen Besitz von funktionstüchtigen Fakten für Reichtum – aber er ist gar nichts. Deshalb fordert Onkel Urian uns fortwährend zum Handeln auf: Schlaft doch mal mit einem häßlichen Menschen. Malt euch doch mal euren Tod in sämtlichen Variationen aus. Feiert doch mal Mittwinter samt allem Drum und Dran. Versucht’s doch mal mit Charlie Mansons „Gruselgeister"-Methode. Belügt euch doch mal selbst, wenn’s euch gut tut. Probiert und experimentiert und laßt so wenig wie möglich aus. Ihr könnt damit nur Punkte sammeln.
Und es klappt. Mit jedem Ratschlag aus diesem Buch, sofern man ihn wie gesagt nicht nur liest, sondern auch ausführt, bringen wir irgendetwas in oder an uns zum Wachsen. Natürlich verrät Onkel Urian uns bei jedem Experiment auch, welches spezielle Problem wir damit behandeln können: Ängste besiegen oder selbstbewußter werden oder die Realität nach unseren Wünschen formen oder seinen eigenen Dschihad erfolgreicher gestalten.
Wie jedes gute Sachbuch hinterfragt natürlich auch „Götterschmiede" die tradierten Werte unserer Gesellschaft und wagt sich an Themen, die für Otto Normalgutmensch mehr als pfui sind: Eugenetik etwa, wobei er eine völlig neue, aber überzeugende Erklärung dafür bietet, weshalb kluge Gelehrtheit und körperlicher Sex-Appeal so selten gemeinsam auftreten und wo folglich all die kleinen Dummchen herkommen.
Es ist ein kluges Buch. Und, was noch wichtiger ist, ein ungemein ideenreiches Buch. In keiner Zeile macht Urian den Eindruck ideologischer Festgefahrenheit: So fand ich es zum Beispiel erfrischend, wie entspannt der Verfasser (als Heterosexueller) mit dem Thema Schwulsein umgeht, und seine unverkrampfte Drittseitenperspektive zum Thema Drogen kann ich nur begrüßen. Den Spagat zwischen Leary und LaVey muß man erst mal hinkriegen – bei Urian wirkt er regelrecht elegant.
Das Buch ist bei Edition Esoterick erschienen, was mittlerweile ein echtes Gütesiegel darstellt. Sämtliche Bücher, die der Verleger Lars Kronlob in den letzten Jahren auf den Markt gebracht hat, zeichnen sich nicht nur durch eine ästhetische und professionelle Gestaltung aus, sondern auch durch Inhalte, die auf dem restlichen Buchmarkt regelmäßig auf der großen Tabuhalde landen. Gratuliere, Onkel Urian, und gratuliere, Lars Kronlob!
Mir hat die „Götterschmiede" zwei überaus unterhaltsame Nächte beschert. Und ich habe eine Menge gelernt.
© März 2008 by Oliver Fehn
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