Improvisationskonzertparty in Magdeburg/
Friedensnacht 7.12.06
Als die Anfrage der jährlich stattfindenden Magdeburger Friedensnacht bei uns eintrudelte haben wir uns mächtig gefreut. Erstens hatten wir bis dahin noch nicht in Magdeburg gespielt und dann ging es eben nicht nur um eine normales Konzert, sondern einen ganzen Party-Abend, für einen guten Zweck und organisiert von einer aktiven Studigruppe. Außerdem hatten wir einen Tag nach Magdeburg schon den Termin für den Weedbeat Winter Jam, so dass wir also gleich beide Konzerte mit einer Fahrt verbinden würden können.
....und dann kam es mal wieder anders als geplant: Erst musste Robin, unser Trompeter für den Gig in Magdeburg abspringen. Eine unverschiebbare und wichitge Klausur liess ihm keine Wahl. Dann kam es noch dicker: Mariam war die Tage vor Magdeburg in Frankreich und meldete sich mit einer dicken Erkältung zurück. In der Hoffnung, dass die Drogen des Arztes Sie in zwei Tagen wieder fit bekommen würden, haben wir uns weiter auf den Gig vorbereitet. Am Tag des Konzertes kam dann das endgültige aus: entzündete Nebennasenhöhlen. Der Arzt: "Absolut nicht singen, sonst zerrockt's die Stimme endgültig!"
Wir schon halb am einpacken rufen also geknickt bei dem Organisationsteam der Friedensnacht an: Sorry geht echt nicht - ohne Sängerin gibt's auch kein Konzert. Erstmal scheint das so der Fall zu sein, bis das Telefon nochmal klingelt: Es gäbe zwar noch 2-3 Leute, die was an dem Abend aufführen würden, aber bricht das eigentliche Konzert weg sprengt es die Party. Ob wir nicht irgendwie was anderes auf die Beine stellen könnten, ne Session, Impro, Konzert ohne Gesang......
Der Reflex war erstmal ablehnend. Wie? Konzert von ner Band ohne Gesang? ...wo doch bei allen Songs der Gesang und auch der Text zentral ist...? Geht nich! ....wieso eigentlich nicht? Ist halt kein normales Konzert, ist gar kein Konzert, eher ne offene Jamsession oder sowas. Nach kurzem Überlegen, einem Blick auf eine Mögliche Setliste und vor dem Hintergrund, dass die Party Gelder für nen sehr guten Zweck erwirtschaften wollte (Unterstützung von Kindern mit Behinderungen in Russland) entschliessen wir uns doch zu spielen.
Alles wird wieder umgelegt, die beiden Autos schnell voll gemacht, die letzten Bandmitglieder eingesammelt und losgefahren. Auf der Fahrt von Berlin nach Hildeheim haben wir schon ein wenig Zeit uns zu überlegen wie "das Experiment" aussehen könnte.
Bis zum Auftritt kommt nur ein sehr ungenauer Plan zusammen. Lieber nicht zuviel überlegen, sondern einfach mal improvisieren. So lässig das klingt waren wir vorm Auftritt nicht wirklich, schliesslich war uns nicht ganz klar was draus würde.
Die Beiträge davor waren schon von Improvisation geprägt: eine Jamband und eine Improtheatergruppe. Es waren reichlich Leute da und die Stimmung war heiter bis feucht fröhlich. Ohne Sängerin und Trompete geht's dann auf die Bühne: Benz (drums), Bene (keys), Arne (base), Clemz (git), Jonathan (trombone) und Christoph (sax).
In den nächsten 1 1/2 Stunden haben wir dann eine klasse Party gehabt - kein normales Konzert. Es ist schwierig zu sagen was wir da überhaupt gemacht haben aber es hat einfach richtig Spass gemacht. Daran war vor allem das Publikum schuld. Wo also keine Sängerin da ist, singt mal jemand anderes, Clemz oder Bene oder auch oft genug die Meute vor uns.

Arne's Tanzeinlage à la MC Hammer, Benes Melodika-Lied, der Publikums-Chor, Stevie Wonder, Mariam vertreten durch unser Maskotchen den Plastik-Rascasse, der spontan eingesprungene und unermüdliche Percussionist oder auch diverse gemeinsame Kniebeug-Übungen sind allesamt Ergebnisse einer gemeinsamen Improvisationskonzertparty.

Wir danken euch für diesen powervollen und sehr spassigen Abend! Magdeburg: wir kommen wieder!
Rascasse goes Hildesheim/
Weedbeat 8.12.06
Wie viele Isomatten passen in ein Hildesheimer WG-Zimmer? Jawohl, 8!
Mit einer großen Band ist es ja immer ein bisschen wie mit einer Krabbelgruppe: fröhlich, laut und abenteuerlich. Aber Rascasse stellt wohl jede noch so lebhafte Krabbelgruppe in den Schatten, übertrumpfen sie sich doch immer wieder selbst an lautstarkem Rumgebrabbel, dämlichen Witzen (und ja, a l l e Bandmitglieder lachen darüber!), und einer guten Prise Chaos. Dementsprechend aufregend war es auch wieder für mich, die Jungs in Hildesheimer Gefilde und speziell in meine WG zu lotsen.
Nachdem die Sterne ja definitiv nicht so günstig für uns standen, und ich aufgrund einer fetten Nasennebenhölenentzündung am Tag des Konzerts in Magdeburg das Bett hüten musste, begann mitten in der Nacht zum Freitag die Invasion der Rascasse - Fische: die Jungs waren mit nem Bulli voller Instrumente und nem PKW voller Fische direkt nach dem Konzert in Magdeburg in die beschauliche Kleinstadt Hildesheim gedüst und kamen reichlich spät und ziemlich müde hier an. Tja, ein Konzert so ganz ohne Sänger und Trompete war durchaus eine Herausforderung, die natürlich unglaublich souverän gemeistert wurde, und mit viel Schlaf belohnt werden musste. Also alle Instrumente in der WG unterbringen, Isomatten, Schlafsäcke und Decken verteilen, durchzählen und sicherstellen, dass wirklich keiner fehlt (!), und erschöpft, zufrieden und zu 8. in einem Studentenzimmer einschlafen…J
Am nächsten Tag sorgte zunächst Bandmama Mariam für frische Brötchen, und in heiterem Chaos-Getümmel zog sich das Bandfrühstück wohlig in die Länge. Aber hey: die Jungs waren ja nun auch nicht zum Spaß hier, der Job rief! Also beförderte sich die Band in die Hildesheimer Uni, stürmte die vorhandenen Proberäume und übte ein letztes Mal das abendliche Set. Danach ging's straight ins Vier Linden, natürlich etwas zu spät. Also zack zack, alle mit anpacken und im Sondereinsatzkommandostyle die Instrumente auf die Bühne zum Soundchecken schaffen. Den armen Tom (Sänger von Jamaram) dabei eingeschüchtert auf der Rennstrecke zurücklassen ("Man, was seid ihr denn für ne Band?! Chillt doch mal!"), und feststellen, dass sich wohl doch alles nach hinten verzögert. Um so besser, so hatten wir noch Zeit, es uns mit den Münchner Jamaram - Jungs im Backstage bequem zu machen, und da der Funke schnell übersprang (dit sind aba auch supa Kollegen aues Bayan, wa!), hatten wir noch ne richtig nette Zeit. Zudem kümmerte sich das Weedbeat - Team rührend um das Wohl aller (Dankeschön!), und nachdem dann ein paar Stunden später alle Bands soundgecheckt hatten, konnten die Pforten des Vier Linden geöffnet werden. Die Weedbeatz, die das gleichnamige Open Air Festival im Sommer organisieren, hatten für den Abend mächtige Bands und Crews an den Start gebracht (I-Soul Reggae, Jamaram, House of Riddim + Benji + Fita Warri), und wir spielten relativ am Anfang. Um ehrlich zu sein: so ein bisschen Muffensausen hatten wir wohl alle; ich hatte mir schon den ganzen Tag in die Hosen gemacht, da meine Stimme mich noch konsequent hängen ließ (und hatte damit alle anderen auch nervös gemachtJ), Bene und die halbe restliche Band war auch krank…- irgendwie nicht so die bombigen Voraussetzungen. Aber als wir erst mal spielten, ging alles; Stimme weg? Macht nix- pressen, presse, pressen! Seite gerissen? Standard! Kein Monitor? Ohren zu und durch! Nein, im Ernst, wir hatten ein schönes Konzert und hoffen, dass es den Leuten auch gefallen hat! Es ist immer eine spannende Sache, vor Menschen zu spielen, die uns einfach überhaupt nicht kennen. Es ist ein Stück weit eine Feuerprobe; wie reagieren die Leute auf uns? Wie wirken wir? Unsicher? Souverän? Und vor allem: kriegen wir die Menschen, oder bleiben sie unberührt? Können wir sie begeistern, oder bringen wir den Funken nicht zum überspringen? Tja, auch im Nachhinein hat man als Band nie genaue Antworten auf diese Fragen, aber das ist auch nicht so wichtig. Was zählt ist, bleibt und wird immer sein: der Spaß! Und den hatten wir beim Weedbeat: auf der Bühne bei unserer Musik, hinter der Bühne beim Zusammensein mit anderen Bands, vor der Bühne beim Zuschauen, wie Gruppen wie Jamaram mit viel Musikalität und positiver Ausstrahlung das Publikum begeistern. Danke an das Hildesheimer Publikum, danke an die netten Menschen um uns herum, und vor allem: danke an die Weedbeatz für einen schönen und superentspannten Konzertabend!!
Also, ich denke, ich kann mich schon mal auf die nächste Invasion einstellen…- wenn es wieder um die Frage geht: wie viele Isomatten passen in ein Hildesheimer WG - Zimmer…?
und zum schluss noch ein Suchbild:

wo ist die Tasse?