
'Let me dream of me and you.' So hieß mein Blogeintrag am 14. Juli 2007 zum Tod von Robert Burås. Viel ist seitdem passiert. Ich habe Madrugada doch noch live erleben dürfen, drei Mal. Ohne Robert, aber mit einer Energie und Ausdrucksstärke, wie sie mir vorher bei noch keiner Band begegnete.
Köln ist der Auftakt zu unvergleichlichen Erlebnissen. Am 4. Mai, zusammen mit Sonja (die mich vor Jahren mit dieser genialen Musik vertraut gemacht hat - tusen hjertelig takk!), im Luxor. Und da stehen sie, da spielen sie und ich bin hin und weg und am Ende total unter Strom. Wer nicht dabei war, wird es nicht verstehen.
Bern am 9. Mai ist in jeder Hinsicht eine Grenzerfahrung. Aber ganz sicher eine lohnenswerte. Da stehe ich, ganz vorne vor 800 Menschen in der ausverkauften Halle. Alleine. Da oben steht norges verdens største rockband. Was da passiert, werde ich ganz sicher nie vergessen. Wahrhaftig high taumele ich danach aus dem Bierhübeli, zum Auto, über die Grenze. Irgendwo zwischen Heidelberg und Karlsruhe komme ich langsam zu mir und erzähle mir eine Geschichte, die ich mir noch immer selbst kaum glauben kann. Wer nicht dabei war, wird es nicht verstehen.
Der dritte und letzte Akt spielt am 29. August in Winterthur. Urlaubstag, Pressekarte, zickiges Auto und für das alles einen Haufen Arbeit. Wieder alleine. Auf der Hinfahrt will ich den Grenzkontrolleur noch fragen, ob man gute Laune verzollen muss. Dann stehe ich wieder vorne, zuerst Johnossi (gut!), dann Grand Avenue (auch gut!) und dann die Größten. Tonprobleme bei 'Stay, lover, stay', den Worten, die mich bisher immer in eine andere Welt getragen haben. Dann ist es wie immer, wenn ich Madrugada live sehe: Äußerlich bin ich Autist, starr vor Faszination; innerlich auf Drogen, voll mit Adrenalin, das mich mit jeder heulenden Gitarre, jedem Ton dieser unglaublichen Stimme durchschießt. 'Strange Colour Blue' ist der letzte Song in Winterthur. Als er vorbei ist, erfragt Anke meinen Gemütszustand. 'Ich bin vollkommen leer', antworte ich mechanisch per SMS und erschrecke vor mir selbst. Denn so ist es: Eine vollkommene Leere dort, wo sich eben noch Autismus und Adrenalin gebalgt hatten. Verwirrt stehe ich in der Gegend herum, verwirrt gehe ich schließlich, hektisch um mp3-Musik für meine Ohren bemüht, mit einigen ungeplanten Umwegen zum Parkhaus. Ich lotse mein verwirrtes Navigationssystem zielsicher aus der Stadt, die Polizei an der Grenze ignoriert mich scheinbar vorsätzlich. Irgendwann komme ich wieder vorbei an Heidelberg, vorbei an Karlsruhe. Auf dieser Strecke wechsele ich nicht einmal den Gesichtsausdruck. Alles aus Stein. Wer nicht dabei war, wird es nicht verstehen.
Einige Tage nach Winterthur, ich habe gerade meinen Text über das Konzert professionell runtergetippt und online gestellt. Da kommt sie, die Nachricht: Madrugada canceln die für Oktober geplanten Auftritte in Europa und hören direkt (mit einigen Abschiedsshows in Norwegen) auf. Meine Karte für Bochum kann ich zurückschicken, meine Hoffnungen auf neues Adrenalin gleich mit. Erschreckend gut passt nun auch die Leere ins Bild.
Und erschreckend rund wird die Sache, wenn ich bedenke, dass 'Strange Colour Blue' mein letzter Live-Madrugada-Song war. Denn welche Zeile kommt darin vor? Genau: 'Let me dream of me and you.' Wer nicht dabei war, hat etwas verpasst.
Danke, Jungs. Ihr wart einfach geil. Das Leben ist es nicht. Leider.