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Tobias Seeliger

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Last Updated: 10/9/2009

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July 20, 2009 - Monday 
............

Bierläufer

.. ..

Kaum verkriecht sich die Sonne hinter den Dächern der Stadt, die so gerne größer scheinen will als sie ist, laufen sie auch schon durch die Strasse. Die jungen Menschen mit der Bierflasche in der Hand. Manchmal reicht es dazu schon aus, wenn sich die Sonne nur hinter einer größeren Wolke versteckt, das Licht sanft schwindet und einen zarten Hauch von Feierabendstimmung zaubert. Es ist 11.13 Uhr.

Die Flaschen werden meistens lässig gehalten, zwischen zwei Fingern, direkt am Flaschenhals. Der Daumen regelt gekonnt die Balance. Selten jedoch sieht man sie fest umklammert.

Ein Großstadtphänomen? Oder nur Ausdruck von Massenalkoholismus in unserem hektischen Alltag?

.. ..

Um das gleich klar zustellen: Ich mag Bier! Dieses „mit-dem-Bier-in-der-Hand-durch-die Stadt-laufen“ mag ja cool sein, aber es wirkt doch ganz so, als die vielen Menschen überhaupt keine Zeit mehr haben, sich irgendwo zur Ruhe zu setzen und sich in aller Gemütlichkeit das kühle Blonde hinter die sprichwörtliche Binde zu gießen.

Da steht also eine Gruppe, zwei junge Damen, drei junge Herren, an der Straßenecke, in Sichtweite eines Supermarktes und halten sich die viel beworbenen Trend-Hilfs-Möchtegernbiere a la Cola-Lemmon, Strawberry, Kirsch-Cola, Gold-Light, Gold-Extrem, Level-Seven, Orange-Iregendwas, oder wie sie alle heißen, an den Hals und unterhalten sich darüber, wie peinlich das doch ist, immer von diesen saufenden Pennern vor dem Supermarkt angequatscht und angeschnorrt zu werden.

Gut Leute! Schnorren habt ihr natürlich nicht nötig! Aber wenigstens haben sich die Penner Klappstühle organisiert und diese schön schattig, unter den Bäumen, an der grauen Mauer, aufgestellt. Wenn genug geschnorrt wurde, geht Penner also in den Laden, kauft ein neues Bier und begibt sich zur Sitzecke unter freiem Himmel. Dort nimmt man Platz und gönnte sich die wohlverdiente Pause vom Schnorren…

May 25, 2009 - Monday 

Es ist wahrlich ein beruhigendes Gefühl zu merken, dass alles so bleibt wie es war und so bleibt, wie es sein soll.

Da ruft man bei einer Pressestelle an, die sich Abteilung für Öffentlichkeitsarbeit nennt und bittet um Ausfunkt über eine Sache, derer man teilweise Zeuge geworden ist. Nun ist es journalistisch geboten zu recherchieren und nachzufragen, um die Informationen die man bereits erhalten hat, zu überprüfen. Oder auch, um eine andere Sicht auf die Dinge zu erfahren. Das ich von einer Pressestelle selten Informationen erhalte, dessen bin ich mir bewusst. Aber das man ein offensichtlich stattgefundenes Ereignis, zu einem niemals stattgefunden Ereignis macht, nur weil man davon nichts weiß, nichts wissen will, nichts wissen wird und auch niemand da ist, den man hausintern dazu fragen könnte, das ist schon eine Ausnahme. Sonst redet man gerne viel und sagt nichts. Aber so…

Ich meine es heißt doch Abteilung für Öffentlichkeitsarbeit? Und ich bin die Öffentlichkeit! Besser gesagt die gesamte Weltöffentlichkeit steht begierig hinter mir, um von dem offensichtlichen Ereignis, welches wegen Nicht-Wissen, auch nicht stattgefunden haben kann, zu erfahren… Zitat: „Wir wissen nur, dass es nichts gibt, was für die Öffentlichkeit von Interesse sein könnte.“

 

Jetzt mal zu einem anderen Ereignis, welches noch stattfinden wird. Das steht schon mal fest. Und ebenso felsenfest steht auch die Tatsache, dass eine vorherige Anmeldung zu besagtem Ereignis zwingend erforderlich ist.

Was tut Journalist in einem solchen Falle? Er ruft dort an, an einem Ort der noch Pressestelle heißt und trägt in aller Höflichkeit den Wunsch vor, sich für dieses bevorstehende Ereignis anzumelden. Ich möchte noch kurz erwähnen, dass eine Pressestelle für den Kontakt mit der Presse zuständig ist. Im Normalfall jedenfalls sollte es sich so verhalten. „Nein wir können die Anfrage jetzt nicht bearbeiten. Wir haben hier auch noch andere Dinge zu tun und können uns doch nicht um alles kümmern!“

An welcher Stelle habe ich da etwas nicht richtig verstanden?

May 23, 2009 - Saturday 

Heute ist ein bedeutsamer Tag, egal wie man dazu stehen mag, aber eine gewisse Bedeutung kann man ihm nicht absprechen. Heute wird die Bundesrepublik 60 Jahre alt. Es ist unwichtig, wie ich das finde und überhaupt nicht von Belang für das, was ich hier berichten möchte. Lediglich, die Tatsache, dass aus diesem Anlass in Berlin-Mitte, rund um das Brandenburger Tor gefeiert wird, muss erwähnt werden. Es reiht sich eine Fressbude an die Nächste, auf den Bühnen wird Programm gemacht, das Wetter ist schön und so machen sich unzählige Menschen dorthin auf den Weg. Ich mit ihnen.

 

Ich nähte mich dem Brandenburger Tor von Osten, schob mich mit den vielen Besuchern die Strasse Unter den Linden in Richtung der Festivität entlang, obwohl ich eigentlich gemütlich schlendernd mein Ziel erreichen wollte. Als ich plötzlich von einer jungen Dame mit einem übergroßen Mikrofon angesprochen wurde. Ein Kameramann richtete begierig seine Linse auf mich und der arme Tonmensch musste einem Bodyguard gleich, dafür sorgen, dass der Menschenstrom die Szene nicht mit sich riss.

„Sollen wir Dir ein kostenloses Styling verpassen?“, wurde ich gefragt. Das Mikro reckte sich mir erwartungsvoll entgegen. Als ich staunend und wahrlich überrascht schwieg, legte sie nach:“ Sieh Dich mal an. So ganz in schwarz und völlig unmodisch wie Du gekleidet bist, unrasiert und mit so einem uncoolen Basecap und der alten Sonnenbrille, denke ich, Du könntest so etwas gut gebrauchen?“ Ich schwieg weiter. Jedoch jetzt mehr beleidigt, als überrascht. „Deine Hose ist ausgewaschen und sitzt nicht richtig.“ Ich blickte an mir hinab. „Und diese Kapuzenjacke, ist ja nun sowas von Out…“ Aber ich mag diese Jacke wollte ich entgegnen, doch ich ließ es. „Und neue Schuhe könntest Du auch gebrauchen. Und ein bisschen Farbe sowieso!“

Ich sah wieder hinab auf die ausgelatschten Turnschuhe. Und ja, wo sie Recht hatte, hatte sie Recht. Da könnten wirklich mal neue her. Ich blickte wieder hinauf, ihr ins Gesicht und entschloss mich, ihr aber diesen Triumph nicht zu gönnen und verharrte weiter schweigend. Das Mikrofon wartete gereizt auf das erste Wort, das ich wohl sprechen mochte. Aber der Typ sprach einfach nicht.

Und ehrlich, es bereitete mir ein klein wenig Freude zu beobachten, wie sich ihre Ratlosigkeit in ihrem Gesicht manifestierte. Sie blickte erst Hilfe zu ihrem Kameramann, der sich gelangweilt hinter dem Okular versteckte und sie völlig ignorierte und dann zu dem Tonmann, der immer noch damit beschäftig war, zum einen seine Kabel unter Kontrolle zu behalten und zum anderen die Szene vor dem Menschenstrom zu schützen. Hinter mir winkten laut kichernd einige Mädchen in die Kamera. Der Kameramann ignorierte auch das. Obwohl es kaum etwas gibt, was einen Kameramann mehr zur Raserei bringen kann.

 

Sie nahm das Mikro ruckartig zu sich und sprach: „Ich meine…, also…, äh…Ihre Figur entspricht so eher nicht dem Ideal und wenn Sie sich von uns stylen lassen, wenn Sie ein neuer Mensch geworden sind, das geht alles auf unsere Kosten, alles, dann laden wir sie danach zu einem Abendessen mit den schönsten Frauen Deutschlands ein, und Sie werden dann sehen, was solche eine Veränderung bewirken kann. Sie haben es doch bestimmt nicht leicht bei den Frauen, oder? Na wie wär..s?“

 

Und wieder reckte sich das Mikrofon mir sehr erwartungsvoll entgegen. Ich schwieg noch einen kleinen Augenblick lang, genoss noch einmal die sich deutlich manifestierende Ratlosigkeit in ihrem Gesicht. Ich vermute, ihr hatte noch niemand gesagt, dass es wirklich Leute geben könnte, die weder eine Fernsehkamera noch ein eines solches Angebot in keiner Weise interessieren könnte.

 

Aber nun sprach ich doch, sehr leise nur und beugte mich über das Mikrofon hinweg, wandte mich direkt an die junge, schöne Frau und sagte: Wie ich rumlaufe geht Sie nichts an! Und ob es Frauen gibt, denen das gefällt oder nicht, dass geht Sie auch nichts an! Und darüber hinaus, verbitte ich mir jede Art von Verwendung dieses Materials!“

 

Ihr Gesicht ward plötzlich völlig ausdruckslos, der Kameramann nahm sehr erleichtert die Kamera von der Schulter und der Tonmann entließ die Kabel in die Freiheit und gab den Kampf gegen die vorbeiziehenden Menschenmassen auf. Ich machte auf der Stelle kehrt, kämpfe gegen den Strom, weg vom Brandenburger Tor und den Feierlichkeiten, hin zu nächsten Supermarkt.

 

Und jetzt esse ich Spargel, viel Spargel, ein großen Steak dazu und gebackene Kartoffeln. Auf es meiner Figur nicht gut tun möge!

May 21, 2009 - Thursday 

Oh mein Gott! Es ist Vatertag! Wieder rennen die Herren der Schöpfung dauerhaft- sinnentleert mit der Flasche am Hals durch die Stadt. Je jünger, desto sinnloser!

Und wer bitte,  denkt sich eigentlich diese bescheuerten Sprüche aus, die auf den T-Shirts geschrieben stehen, die knalleng dem Bierbauch so richtig schön Form verleihen? „Bier formte diesen Körper!“ steht dort gerne mal geschrieben. Jawohl!

Darauf können die Väter stolz sein. Und es zeugt auch überhaupt nicht von Intelligenz mit einem in alkoholgetränkten  Reisenschnuller im Maul, so richtig die Sau raus zulassen. Das ist es wohl, was einen Vatertag ausmacht.

Ich habe es gut. Ich bin kein Vater. Ich habe also einen Grund dem ganzen Blödsinn zu entgehen. Aber halt! Da höre ich doch schon die Frage von meinem Nachbarn Müller, wie ich den Herrentag verbringe? Herrentag? Oh, Herr im Himmel. Da dachte Mann: Keine Frau, kein Sex, kein Kind, somit kein Vater und damit auch glücklicher Weise kein Vatertag. Und da kommen die auch noch auf die Idee, dem auch noch einen anderen Namen zu geben, damit die gesamte Männlichkeit eingeschlossen wird.

Mich hat niemand gefragt, ob ich das will? Und: Ich will es nicht!

 

Ich will nicht so tun, als ob ich in augenscheinlich fröhlicher Herrenrunde mir die Birne zu knalle. Denn: Ich brauche keinen besonderen Tag und keinen besonderen Grund, um mich zu besaufen. Und das schöne daran ist: Ich muss nicht mal so tun, als ob ich gute Laune dabei hätte!

 

Protst!

April 29, 2009 - Wednesday 

Kleine Eiszeit

 

Gebärfreudige Mütter, so 35 Jahre alt plus X, die ihre Torschlusspanik glücklicherweise überwunden zu haben glauben, stehen mit ihren Kinderwagen, vertieft in eines der wichtigsten Gespräche überhaupt, mitten auf dem Bürgersteig. Wehe, man wagt es, in einem solchen Augenblick um Platz für das Fortkommen zu bitten.

Neben den Kinderwagen oder manchmal an den Händen besagter Frauen, die den Prenzlauer Berg erst erobert und schließlich zu ihrer Hochburg erkoren haben, ist nun der ganz persönliche kleiner Messias gerade damit beschäftigt, ein schönes Schokoladeneis vor sich herzutragen.

 

Man möchte es kaum glauben und vom Standpunkt erwähnter Frauen aus betrachtet, ist es geradezu dreist, dass ein Mann es wagt, eilig dem Kind entgegen zu laufen. Er ist bekleidet mit einer schwarzen Hose, einem schönen blauen Hemd, einer Krawatte, einem guten Sakko und er trägt eine Aktentasche unter dem Arm. Die Dreistigkeit des entgegenkommenden Mannes liegt einzig und allein in seiner Eile begründet.

 

 

An diesem Punkt dürfte jedem klar sein, was jetzt passieren wird!? Und erst, als das schöne Schokoladeneis, sich über einige unwichtige Bereiche des Oberhemdes und weite Teile der Hose verteilt hat, fällt dem Herrn seine Unachtsamkeit auf. Dem Kind kann man da keinen Vorwurf machen. Ist ja schließlich nur stolz mit dem Eis in Vorhalte kreuz und quer, zwischen den schwatzenden Frauen und den Kinderwagen, über den Bürgersteig gefegt. Nun steht es da und weint gar bitterlich. Im nächsten Augenblick schreit es aus voller Kehle. Schuldbewusst beugt sich der Mann nun weit nach vorn und entschuldigt sich bei dem Kleinen. Kann ja mal vorkommen, oder?

 

Noch ehe der gute Mann mit besudelter Hose, ganz einsichtig angesichts seiner Unachtsamkeit, der Mutter des kleinen plärrenden Heiligenscheinträgers höflich das Angebot unterbreiten kann, ein neues Eis am nahe gelegenen Eisladen zu kaufen, beginnt das ganz große Geschrei.

Es ist wichtig und es muss unbedingt an dieser Stelle hervorgehoben werden, es handelt sich dabei jetzt um das Geschrei einer erwachsen Frau. Ob der denn keine Augen im Kopf hat? Was ihm denn einfällt, einfach so blind über den Gehweg zu hasten? Schließlich, muss man doch auf die Kinder achten! Der Man steht steif und schockstarr vor der Frau, die ihre sehr laute Verbalattacke zusätzlich noch mit aggressiven Gesten unterstreicht. Er sieht sich gezwungen, eine Pufferzone einzurichten.

 

Noch ist der Herr guten Willens. Er will sich gerne entschuldigen. Und auch wirklich gerne will er ein neues Eis kaufen. Und dass seine Sachen nun beschmutzt sind, stellt für ihn auch kein größeres Problem dar. Er setzt erneut an, seinen Vorschlag an die Frau zu bringen...

Für den geübten Beobachter ist klar, dass auch dieser zweite Versuch von vornherein zum Scheitern verurteilt ist. Vor allem angesichts der Tatsache, dass die Mutter mittlerweile in gleicher Tonlage, wie des immer noch plärrende gottgleiche Kind, den armen Mann weiterhin anschreit.

In der irrigen Annahme, sein vorübergehendes Schweigen könnte die Situation beruhigen, lässt er den Wortschwall über sich ergehen. Weit gefehlt: Eine andere Frau, deren Stimme aus den unergründlichen Weiten des immer voller werdenden Bürgersteigs heranschallt, tituliert ihn nun laut als Schwein! Er möge sich jetzt sofort, auf der Stelle, entschuldigen!

Er setzt erneut an, holt tief Luft… Doch, sich der Unterstützung der umstehenden Frauen wohl bewusst, zetert Mutter ohne Unterlass weiter. Das gottgleiche, mit dem Heiligenschein versehene und vor allem vor Männern in Anzügen zu schützende Kind, hat es sich unterdessen auf einem Treppenabsatz gemütlich gemacht. Es hat das Plärren längst eingestellt und wendet sich anderen, gerade viel spannenderen Dingen zu. Ohne es zu ahnen, wohnt ihm eine potentielle Vorbildfunktion inne und man könnte es einfach bei dem derzeitigen Stand der Dinge belassen. Man könnte…

 

Seine Mutter jedoch plustert sich nun todesmutig vor dem Mann auf, von dem alles andere, nur keinesfalls eine Bedrohung ausgeht. Er seinerseits, hebt beschwichtigend die Hände. Es ist eine verzweifelte Geste. Und in ruhigem Ton will er dem wiederholt einsetzenden Gekeife begegnen. Er stellt mit einem mühevollen Lächeln fest, dass doch eigentlich nichts geschehen sei und die ganze Aufregung überhaupt nicht von Nöten ist… Wann sich die Mutter aufregt und was hier von Nöten ist oder was nicht, dass solle er gefälligst ihr überlassen! Und darüber hinaus, fordere sie immer noch eine Entschuldigung, die ja nun angesichts des dem Kinde zugefügten Leides, längst überfällig wäre! Überdies wäre seine beleidigende Art ja wohl das Allerletzte! Und auch dafür habe er sich gefälligst zu entschuldigen! Der Mann schaut ratlos auf den Boden, wo sich die Reste des einst süßen Schokoladeneises langsam verflüssigen.

Sie stößt ihn nun mit den Fingerspitzen auffordernd vor die Brust. Bemüht holt er erneut tief Luft, setzt an, um etwas zu entgegnen, als er im gleichen Moment verbal sehr unsanft darauf hingewiesen wird, es gefälligst zu unterlassen, sie anzufassen. Er bricht auch diesen Versuch ab und schaut lieber resigniert weiter dem dahin schmelzenden Eis zu.

 

Aus der Gruppe, die den Herren bis eben anstandshalber noch in einem respektablen Abstand umstellt hatte, tritt nun eine zweite Mutter nach vorn und verstellt ihm nun ebenfalls den Weg. Das alles obwohl, oder vielleicht gerade weil er keine Anstalten macht, die Flucht zu ergreifen.

Ein Kindergarten und der Eisladen sind nicht weit: also finden sich nach und nach, noch weitere Frauen ein. Aus der Gruppe ist längst eine Menschenansammlung geworden und nun ertönt der Ruf, dass solche Leute wie er, hier überhaupt nicht zu suchen hätten! Von irgendwoher schallt das Wort „Wichser“ über das Geschehen hinweg.

An einen geordneten Rückzug ist längst nicht mehr zu denken. Das Einzige was ihm jetzt noch bleibt, ist Fassung zu bewahren und weiterhin auf einen günstigen Moment  zu hoffen. Was jedoch mit der Hoffnung zuletzt geschieht, ist ja hinlänglich bekannt.

 

Mittlerweile ist auf dem Bürgersteig längst kein Durchkommen mehr. Und ein jeder, der jetzt noch mit Kind und Kinderwagen dem Geschehen folgen möchte, muss zwangläufig mit den billigen Plätzen vorlieb nehmen. Das bedeutet, man stellt sich einfach auf die angrenzende Straße. Das veranlasst sie Autofahrer zum Hupen. Und das Hupen wiederum, erzürnt selbstredend diejenigen, die es angesichts dieser Situation für ihr gutes und mit Sicherheit irgendwo verbrieftes Recht halten, sich auf der Straße aufzuhalten. Eine mütterliche Hand trifft in voller Wucht eine nichts ahnende Windschutzscheibe. Was denn dem Autofahrer einfalle, brüllt die eine. Eine andere schreit aus der Ferne, was er wage, hier zu hupen? Der Mann im so getroffenen Automobil verschießt panisch alle Türen. Er hat die nahende Gefahr sich zusammenrottender, wild gewordener Mütter erkannt. Auch die dahinter befindlichen Autofahrer versuchen, sich nun ihrerseits in Sicherheit zu bringen und verriegeln hektisch die Fahrzeugtüren, schließen eilig die Fenster. Der eine, der durch ein gewagtes Wendemanöver zu entkommen sucht, scheitert an einem im Weg stehenden Kinderwagen. Mit Kind! Er verharrt ängstlich in zusammengekauerter Haltung und hofft, dass sie es ja nicht schaffen werden, die Fahrzeugtüren zu öffnen.

Wütende Frauen und plärrende Kinder haben die Strasse fest im Griff. An den Fenstern drängen sich die vorerst noch neutralen Beobachter, und weil hier fast jeder was mit Medien macht, ist die Presse längst vertreten. Die Schlagzeile einer großen Berliner Tageszeitung wird morgen lauten: Brutaler Angriff auf Frauen - Schwere Ausschreitungen in Berlin-Prenzlauer Berg. Ein beliebiger Leserreporter hat die Bilder bestimmt schon gemacht.

 

Von Ferne hört man nun die Sirenen der nahenden Staatsmacht…

 

Wie, Sie halten das für stark übertrieben? Dann bitte ich Sie, machen Sie doch einfach einen Selbstversuch an einem sonnigen Wochentag zur Feierabendzeit irgendwo rund um den Kollwitzplatz… Viel Spaß! Sagen Sie aber ja nicht, ich hätte Sie nicht gewarnt.

 

 

 

 

April 29, 2009 - Wednesday 

Herr Drossel fährt aufs Land

 

Edgar Drossel hat Urlaub. Um ganz genau zu sein, es ist Sonntag und es ist sein letzter Urlaubstag. Morgen wird er wieder seiner Arbeit nachgehen. Doch heute ist heute und das Wetter ist wunderschön. Und wenn das Wetter schön ist, pflegt der Berliner ins Grüne zu fahren. Das machen schließlich alle so! Also: Edgar Drossel macht es nicht anders! Wie überall, gibt es allerdings auch hierbei Ausnahmen. Unzählige Ausnahmen, denn es gibt erstaunlicher Weise, unzählige Mitbürger, die dann doch auf die Landpartie verzichten. Die trifft man dann in den Grünanlagen der Stadt. Meistens mit einem Grill, manchmal aber auch ohne. Und weil Herr Drossel heute überhaupt nicht nach Kindergeschrei, Müttergeplärre und Grillrauchschwaden zu Mute ist, steht er früh auf, setzt sich in sein altes, sehr lieb gewonnenes Auto und fährt in Richtung Norden. Sein Ziel ist ein kleiner Ort in Mecklenburg-Vorpommern.

Wann er sein Ziel erreicht, ist Herrn Drossel eigentlich egal. Zum Mittag vielleicht oder auch später. Es spielt absolut keine Rolle, denn Edgar nimmt sich fest vor, frühzeitig von der Autobahn abzufahren und sich dank seines guten Orientierungsvermögens, über die vielen kleinen Dörfer zu seinem Ziel, durchzuschlagen. Er will schließlich etwas sehen. Und wenn ihm ein Ort gefällt, würde er anhalten und einen kleinen Spaziergang machen. Oder auch nicht. Ganz wie es sich ergibt.

Die Autobahn liegt nun schon längst hinter ihm. Die schlechten Brandenburger Strassen liegen vor ihm. Nein, jetzt gerade liegen sie spürbar unter ihm. Edgar macht sich für einen Augenblick Sorgen um sein Auto.  Aber er ist recht pragmatisch: Wenn es kaputt geht, dann ist es halt kaputt. Was soll weiter sein… In Berlin geht es schließlich auch ohne.

 

Das Autoradio spielt ihm zu Gefallen gerade recht entspannende Musik, als er von der einen Dorfstrasse anlässlich einer Baustelle, auf eine andere Dorfstrasse umgeleitet wird. Umleitungen sind für einen Berliner nun wirklich kein Problem. Die gibt es in der Stadt in Hülle und Fülle. Sie tauchen in einer Geschwindigkeit auf, dass es nicht einmal mehr sinnvoll ist, dem Verkehrsfunk zu lauschen. Und welche Umfahrung man dann auch immer wählt: Es geht sowieso nicht voran! Aber immerhin, lernt man die Stadt etwas besser kennen. Edgar Drossel kennt sich also damit aus und er ist gerade sehr stolz darauf, als er mutig der ausgewiesenen Umleitung folgt und mit Schwung die schlechte, aber immerhin geteerte Strasse verlässt und mit erschreckend lautem Scheppern über fieses Brandenburger Kopfsteinpflaster holpert. Nun ist es ist zwingend angezeigt, die Geschwindigkeit zu reduzieren und ebenso zwingend geboten auf die Schlaglöcher und Mulden zu achten, die sich zwischen den bisweilen schon überwachsenen Pflastersteinen verstecken und recht unerwartet, vor allem für einen Großstädter recht unerwartet, aufzutauchen pflegen.

Herr Drossel vermindert seine Geschwindigkeit erneut. Für die liebliche Umgebung hat er längst keinen Blick mehr. Und leider auch nicht so recht für den Streifenwagen der Polizei, der ihm gerade entgegenkommt. Edgar nimmt ihn lediglich zur Kenntnis. Er verschwendet auch keinen Gedanken an die armen Polizisten, die sonntags in dieser Einöde arbeiten müssen. Wie sollte er auch? Schließlich ist er gerade damit beschäftigt, die Schlaglöcher auszumachen bevor er sie erreicht, um bei dem dann folgenden Ausweichmanöver, garantiert ein anderes zu erwischen. Eines von den gut getarnten.

 

Sein kleiner Ausflug gestaltet sich an diesem Punkt doch deutlich anstrengender, als er es erwartet hätte. Von lieblicher Landschaft keine Spur.

 

Herr Drossel wünscht sich gerade in den Berliner Tiergarten zurück, als blinkende Blaulichter hinter ihm aufleuchten. Er lässt den Streifenwagen passieren. Der setzt sich nun auch prompt vor Edgars Wagen und blinkt jetzt zusätzlich noch recht unfreundlich mit den Worten „Polizei, bitte folgen!“. Polizei. Na, wer hätte das gedacht!? Nicht genug, dass das in großen Lettern auf dem Wagen steht?  

Edgar Drossel folgt dem Polizeiwagen weisungsgemäß, bis dieser endlich in einer kleinen, namenlosen Ansiedlung zu stehen kommt. Zwei, drei Häuser konnte Edgar gerade noch erkennen und eine Kirche, von der nur die Grundmauern die Zeit überdauert haben. Genau dort kommen die beiden Fahrzeuge zum Stehen, irgendwo im brandenburgischen, gottverlassenen Nichts.

Herr Drossel schaltet den Motor aus. Stille umfängt das Geschehen. Die Sonne scheint herab. Herr Drossel wollte noch Äpfel an den Alleen pflücken…

 

Ein behäbiger Polizeibeamter steigt umständlich aus. Eine ebenso behäbige Kollegin folgt ihm. Der Beamte stellt sich an die im vorauseilenden Gehorsam bereits heruntergelassene Fensterscheibe. Die Hand hat er an der Waffe und seine Kollegin sichert die Situation außerhalb von Drossels Blickfeld ab. Der Polizist steht einfach nur da. Wahrscheinlich soll es ihm mehr Autorität verleihen und Herrn Drossel Zeit geben, über seine Verfehlungen im brandenburgischen Straßenverkehr nachzudenken.

Edgar Drossel ist sich keiner Schuld bewusst! Abgesehen davon, kann der Dorfbeamte ihn überhaupt nicht beeindrucken, denn mit der Staatsmacht kennt er sich aus.

Freundlich wünscht Edgar dem Herren mit der langweiligen Uniform einen schönen Tag. Ohne seinen Gruß zu erwidern, stellt der Beamte sich in bellenden Befehlston vor und verlangt ohne Umschweife die Fahrzeugpapiere. Was zu erwarten war. Herr Drossel nickt sanft und reicht die Papiere mit einem freundlichen Lächeln durch das  geöffnete Fenster. Und weil sich Herr Drossel mit der Staatsmacht auskennt, weiß er ziemlich genau, dass Freundlichkeit zwar  im Ernstfall nicht unbedingt weiterhilft, aber dass Freundlichkeit einen Polizeibeamten mehr ärgern kann, als verbaler oder gar physischer Protest. Der dicke Dorfpolizist blättert in den Papieren, umrundet langsam das Fahrzeug, und nimmt es mit seinem gründlichem Beamtenblick von außen in Augenschein. Während dessen tritt nun die Beamtin von hinten wortlos in Drossels Blickfeld. Mit der Hand an der Waffe und vermutlich mit Rasierklingen unter den Armen, lässt sie Herrn Drossel nicht aus den Augen.

Edgar lehnt sich zurück und genießt es, dass nicht er, sondern die da arbeiten müssen. Das mag auch der Grund gewesen sein für diese Fahrzeugkontrolle. Denn wer hier als Polizeibeamter sonntags durch die kopfsteingepflasterte Einöde zuckeln muss, kann einfach keine gute Laune verbreiten. Er lächelt in sich hinein. Man stelle sich vor, die beiden scheppern mit ihrem Polizeiwagen von Dorf zu Dorf und es gibt absolut nichts zu tun. Die kennen ja schließlich jeden Stein, jeden Baum, jeden Menschen…, einfach alles. Und dann musste halt mal eben der mit dem auswärtigen Kennzeichen dran glauben. Wer kann es ihnen verübeln?

Nach dem der Dicke in das Funkgerät gesprochen hat und das Funkgerät zurück gesprochen hat, dreht er sich zu Drossel um und sagt: „Steigen Sie bitte aus dem Fahrzeug!“ Seine Kollegin tritt einen Schritt zurück, um den Sicherheitsabstand zum gefährlichen Berliner Subjekt zu wahren. Drossel öffnet langsam die Wagentür und steigt aus. Er wartet. Der Beamte wartet. Die Beamtin sichert.

Plötzlich scheint die Phantasie Edgar Drossel einen Streich zu spielen. Und was tut er? Da er  gerade sowieso nichts Besseres zu tun hat, lässt sich jetzt einfach mal darauf ein:

 

Der Beamte setzt seine Sonnenbrille wieder auf und schiebt sich plötzlich seinen amerikanischen Cowboyhut ein klein wenig mehr in den Nacken. Er wirkt jetzt noch dicker. Sein Colt hängt schief an seiner Hüfte und der Sheriffstern funkelt drohend in der Sonne. Der Sheriff mustert ihn langsam, mit versteinert finsterer Mine und wippt wissend langsam mit dem Kopf.

Edgar muss hier den vermeintlichen Bösewicht geben, das ist ihm klar. Auch er setzt eine rebellische, finstere Mine auf, um dem Blick des Sheriffs begegnen können. Mit der rechten Hand greift er nach seiner Hutkrempe und zieht sich seinen Cowboyhut tiefer in die Stirn. In der weiten Ferne hört man einige Pferde. Der Hilfssheriff verfolgt das Geschehen gelangweilt aus sicherer Distanz. Für einen kurzen Augenblick nur scheint der Ausbruch von Gewalt unvermeidlich! Das ist dann auch  genau der Augenblick, in dem die Mundharmonikamusik tragend einzusetzen hat.

Der Sheriff schaut seinem Gegenüber fest in die Augen, Schweiß rinnt über seine Stirn und er sagt in einem Ton der, keinesfalls Widerspruch duldet: „ Fremder, verschwinde bis Sonnenuntergang aus meiner Stadt!“ Dann spuckt der Sheriff auf den staubigen Boden.

 

Edgar nimmt den Rat an. Er hatte wirklich nicht vor länger hier zu verweilen, verstaut die zurück erhaltenen Fahrzeugpapiere in seiner Brusttasche und holpert weiter über das brandenburgische Kopfsteinpflaster der Sonne entgegen. Er lächelt in sich hinein und sucht sich einen Radiosender, der Countrymusik spielt.   

 

 

 

 

April 29, 2009 - Wednesday 

Solidarische Grüße an die Nachbarschaft

 

Heute habe ich meinen alten Nachbarn Müller getroffen. Der kennt mich noch als kleinen, vorlauten Dreikäsehoch. Als ich hier damals mit meiner Familie einzog, waren Müllers bereits legendär. Was Müller sagte, war Gesetz! Der war früher mal Helfer der Volkspolizei, danach war er was anderes oder auch gar nichts, aber eines war er: ständig am Fenster Ausschau haltend, um uns Kindern das Leben so richtig schwer zu machen.

„Das Fahrradfahren auf dem Hof ist verboten!“ Ja klar, so stand es unübersehbar groß auf dem Schild geschrieben. Allerdings, es machte uns viel mehr Spaß, den ollen Müller zu ärgern, als mit dem Fahrrad zum nächsten Spielplatz zu fahren. Das Lärmen war sowieso verboten! Und überhaupt: Wenn etwas, was wir Kinder taten, verboten war oder sich einfach nur nicht gehörte, war es der Müller, der uns die Leviten las. Meistens hielten wir uns auch daran. Wenigstens für einige Minuten. Dann war es auch schon wieder vergessen und wir drehten mit unseren tollen Rädern weiter unsere Runden auf dem Hof. Denn wir hatten sehr schnell begriffen, war Frau Müller daheim, würde sie sich schon für uns Kinder einsetzen. Was sie dann auch meistens tat, wenn ihr Mann, weit aus dem Fenster gebeugt, in seinem weißen Unterhemd versucht uns lauthals Zucht und Ordnung beizubiegen. Spätestens aber, wenn auch Frau Müller damit begann, uns zurechtzuweisen, dann wussten wir, wir hatten es jetzt wirklich übertrieben.

 

Frau Müller ist schon vor einigen Jahren verstorben, meine Familie ist längst ausgezogen, nur ich bin geblieben und Nachbar Müller hat längst nicht mehr das Sagen. Das Regime haben nun andere übernommen. Es sind die Mütter mit ihren Kindern, von denen man bisweilen den Eindruck hat, dass ihnen alles, aber auch wirklich alles erlaubt ist. Nur das weiße Unterhemd, das der Müller heute noch trägt, hat die Zeit überdauert.

 

Vor einiger Zeit hat sich der alte Müller mal wieder getraut, sich über die Balkonbrüstung zu lehnen und doch um Nachsicht für einen alten Mann zu bitten, da ja nun eigentlich Mittagszeit sei und er gerne ein klein wenig ruhen wolle. Er brüllte nicht. Seine Bitte schallte eher sehr resigniert über den Hof. Von seiner alten Stimmgewalt war längst nichts mehr geblieben.

Ich hatte selbst schon überlegt, um Ruhe ersuchen, denn ein Kindergeburtstag mit vielen kleinen Kindern und einem Picknick auf dem Hof kann durchaus etwas störend sein. Ich fand seine Bitte daher angemessen. Und als er noch meinte, die Kinder können ja gerne ab 15.00 Uhr weiterspielen, war mir endgültig klar: Müller war längst nicht mehr Müller wie ich ihn einst kannte, sondern nur noch ein alter gebrechlicher Mann, der ein klein wenig Rücksicht erwartet.

„Wenn Dich das stört, dann kannst Du ja woanders hinziehen!“, ätzt eine der Frauen unten vom Hof zurück. Allein das „Du“ fand ich gerade sehr unangemessen, aber weiter konnte ich mir keine Gedanken machen, weil eine zweite Frau mit buntem Wickelrock einfiel: „Kinder machen nun mal Krach! Daran musst Du Dich wohl gewöhnen! Aber was will man von einem alten Blockwart aus dem Osten auch anderes erwarten.“

Sie dreht sich weg und stellt den CD-Player mit den gellenden Kinderliedern demonstrativ lauter.

 

Ich muss zugeben, es fiel mir wirklich nicht leicht, mich auf Müllers Seite zu schlagen, aber jetzt wurde es auch mir zu bunt. Ich trat ans Fenster und meinte in meiner beschwichtigenden Art, dass ich es auch sehr nett fände, wenn man wenigstens für ein Weilchen auf die Musik verzichten könnte, oder vielleicht, das sollte ein Vorschlag zur Güte werden, man doch auf den Spielplatz ausweichen könnte? Der befindet sich keine zwei Minuten entfernt. Und ich hatte wirklich gehofft, durch meine unaufgeregte Art, meine höflich-freundliche Stimmlage und dem Umstand, dass die angesprochenen Mütter und ich eine Alterklasse darstellen, einen gewissen Erfolg zu erzielen. „Dann kannste ja gleich mit ausziehen, wenn..s Dir nicht gefällt!“ Ich war etwas sprachlos.

 

Schließlich verließ ich das Haus und überließ Müller das Schlachtfeld. Aber der hatte bereits kapituliert. Aus seiner Wohnung drang leises Fernsehgeplapper. Er hatte sich längst damit abgefunden, dass sein Wort nichts mehr galt in diesem Haus. Und ich ärgerte mich über die maßlose Rücksichtslosigkeit der Frauen.

 

Einige Stunden später kehrte ich zurück. Die Kinder waren noch immer erwartungsgemäß laute Kinder und die Mütter immer noch laute Mütter. Die müssen doch glatt noch alle ihre Freundinnen angerufen haben, denke ich so bei mir, denn auf dem Weg zu meinem Hausaufgang, war kein ein Durchkommen mehr. Als ich mit einem rennenden Kind zusammenstieß, blaffte mich die vermeintliche Mutter an, ich möchte doch gefälligst besser aufpassen. Sämtliche Hauswände waren mit bunten Kinderkritzeleien verziert. Irgendwer musste Wachsmalstifte in rauen Mengen verteilt haben. Der Hof war übersät von Einweggeschirr. Aber Hauptsache, das ist ökologisch abbaubar. Aus den Kellern trug man gerade viel unnützes Gerümpel heran, um für die lieben Kleinen schnell eine Holzburg zu errichten. Ein Herr schleppte kistenweise Bionade heran, es gab selbst gemachte Bowle, Kuchen vom Biobäcker nebenan, Grünen Tee ohne Zucker und Tofuwürstchen vom Grill.  Ein gerade eben gegründetes Kinderorchester spielte schreckliche Kinderlieder schrecklich falsch und schrecklich laut. Die Eltern standen ergriffen davor und lauschten mit stolz geschwellter Brust ihren genialen Kinderlein und lobten lautstark die hervorragende Ausbildung in der nahe gelegenen privaten Musikschule. Von der ist nun wirklich nichts zu merken, dachte ich bei mir, als ich begleitetet vom Dschingderassabumm die  Treppen hinauf stieg.

Was ich mir jetzt ehrlich wünschte, wäre eine Einladung mitzufeiern. Denn wer mitfeiert, den stört der Lärm bekanntlich nicht so. Aber die, die dort unten feiern, sind die, die was mit Medien machen. Und um dort dazu zu gehören, habe ich mich schließlich gerade erst, vor wenigen Stunden, diskreditiert.

 

 

Zwei Tage später: Die Wachsgemälde prangen noch immer an den Wänden, das biologisch abbaubare Einweggeschirr baut sich ,eilig in einer Ecke zusammengefegt, immer noch biologisch ab und die Holzburg dient jetzt auch weit entfernten Nachbarn als Abladestelle für ausgediente Möbel.

Zwei Tage später also treffe ich den alten Müller auf dem Treppenflur. Ich grüße höflich. Nicht zu grüßen, wäre das größte Verbrechen in Müllers Augen überhaupt. Ich wende mich gerade zum Weitergehen, als der mich der alte Mann am Arm erwischt und sich mit brüchiger Stimme bei mir bedankt, für den Einsatz gegenüber den Müttern.

Dann zeigt er mir einen Brief von der Hausverwaltung, worin man sich über ihn beschwert. Nicht nur, dass der alte Müller sich erdreistet, mit einem modisch völlig überholten weißen Unterhemd auf seinem Balkon zu sitzen. Sondern: Und das wäre schlichtweg der Gipfel der Unmöglichkeit in einer zivilisierten Hausgemeinschaft, dass der Herr Müller es wagt, seine Altherrenunterwäsche, sowie andere Kleidungsstücke zum Trocknen auf seinen Balkon zu hängen. Dies sei für die Kinder ein unzumutbarer Anblick, und dafür müsse die Hausverwaltung sorgen, dies mit  sofortiger Wirkung zu unterbinden, sonst würde man mit diversen Rechtsmitteln eine Strafbewehrte Unerlassung erwirken.

 

Auch ich war einigermaßen erstaunt. Der alte Müller einfach nur noch ratlos. Er trottete resigniert die Treppen aufwärts. „Ich werde sowieso bald ausziehen“, murmelte der Alte. „Zu meinen Kindern, die haben ein Haus in Brandenburg…“

 

Aber bis das geschieht, beschloss ich sehr solidarisch in diesem Augenblick, bis das geschieht liebe Freunde, hänge ich meine Wäsche ebenfalls zum Trocknen auf den Balkon!

April 29, 2009 - Wednesday 

Herr Drossel geht mal auf ein Bier

 

Edgar Drossel hat gerade seinen langen Arbeitstag hinter sich gebracht. Sein erster Gedanke war, dass er es sich nach dem Abendbrot in seinem Fernsehsessel gemütlich machen würde. Ein Blick in das aktuelle Fernsehprogramm nötigte ihn jedoch, ernsthaft eine Alternative in Betracht zu ziehen. Da man Entscheidungen keinesfalls übers Knie brechen durfte, stellte sich Edgar erstmal auf seinen Balkon, zündete sich genüsslich eine Zigarette an, nahm einen tiefen Zug und hatte damit seine Vorbereitungen abgeschlossen, um sich jetzt in aller Ruhe dem Entscheiden zu widmen. Sein Blick ging quer über den Hinterhof, der wurde einst saniert, war hell und grün und wenn die Kinder nicht wären, von denen es jetzt immer mehr im Prenzlauer Berg zu geben scheint, dann wäre das hier ein sehr schöner ruhiger Ort. Aber ein einfach schöner ruhiger Ort reichte ihm auch. Mit den Kindern konnte Edgar Drossel gut leben. Allerdings fragte er sich, während er von oben herab auf die spielende Kinderschar blickte, zu wem diese Kinder dort unten eigentlich gehören? Gerade wurde ihm bewusst, dass er kaum noch die Leute kannte, die hier in immer kürzeren Abständen ein- und meist bald wieder ausziehen.

Früher war nicht alles besser, das wollte er damit auf keinen Fall sagen, aber einiges schon! Das war eine seiner Standardredewendungen, wenn er auf die alten Zeiten zu sprechen kam. Wen kannte er denn noch in seinem Aufgang? Da ist im Erdgeschoß die arabische Terror-WG, von denen man fast nie etwas hört oder sieht, aber immerhin riecht, wenn sie kochen. Gegenüber wohnen die beiden Schwulen. Sind junge Leute…und halt schwul. Sei es drum! Tun.. ja keinem was. Aber was weiß er schon, hat ja noch nie ein Wort mit denen gewechselt. Darüber, in der ersten Etage, wohnt eine Familie, die nie grüßt, mit einem Kind, das nie schreit und dann noch die Frau, die irgendwas mit Medien machen soll. Die wohnt noch nicht lange hier. Und vorgestellt hat sie sich auch keinem. Die muss Geld haben, denn ihre ganze Wohnung hat sie sich selbst edel herrichten lassen. Zumindest wusste das der Hausmeister zu berichten. Und der muss es schließlich wissen.

In der zweiten Etage wohnt die Mutter mit dem Kind und dem Cello. Das Cello stört bisweilen. Aber wenigstens grüßen die Beiden. Früher, nein die alte Zeit will er wirklich nicht heraufbeschwören, aber früher waren die Menschen, die in einer Hausgemeinschaft zusammenlebten, höflicher zueinander, stellte Drossel gedankenverloren fest. Der Mutter gegenüber wohnt der alte Müller, der schon immer hier gewohnt hat. Ein scharfer Hund war der früher. Hat immer für Ordnung gesorgt. War ja nicht das schlechteste, aber heute ist der Müller nur noch ein alter Mann. Seine Frau ist vor einiger Zeit verstorben. Und wenn Müller nicht so ein verbitterter Kerl wäre, dann würde Edgar ihn auch öfter besuchen. Aber jetzt, wo keiner mehr, kein Kind, keine Mutter, kein Hausmeister, kein Postbote, ja nicht einmal mehr der entflohene Hamster von dem Cello- Gör gegenüber auf ihn hört, ist der Müller nur noch unerträglich.

Gegenüber von Edgar Drossel wohnt der Fotograf. Der ist wenigstens höflich und wohl erzogen. Der grüßt immer. Den kennt Drossel seit seiner Kindheit. Ist halt so ein Künstlertyp geworden. Aber nicht einer von jenen, die nur so tun als ob, sondern ein echter, mit allen Ticks und Macken. Wenigstens auf dem Teppich ist er geblieben. Und das ist wirklich schon viel wert hier im Prenzlauer Berg, wo alle was mit Computern oder Medien machen. Der faselt immer was über Ideen und Projekte, mit denen er, Edgar Drossel, der immer nur hart mit seinen Händen gearbeitet hat, bestimmt nichts anzufangen weiß.

Früher traf man hier noch viele Handwerker in dreckigen Sachen, wie sie morgens zur Arbeit gingen oder nachmittags von der Arbeit kamen. Heute sieht man hier nur noch die jungen Leute, die irgendwas mit Medien machen. Was soll das eigentlich bedeuten: was mit Medien machen? Edgar Drossel versteht davon sowieso nichts. Edgar ist noch ein echter Handwerker. Vielleicht der letzte seiner Art, hier in Prenzlauer Berg.

 

Über ihm wohnen zwei Männer. So reiche Schnösel. Sind gerade erst eingezogen und parkten mit ihrem schicken Auto direkt auf der Einfahrt, so dass kein Mensch mehr daran vorbei kam. Dem Kennzeichen ließ sich entnehmen, dass die beiden aus Stuttgart kommen. Die sind bestimmt auch schwul. Was soll..s, Schwule gab es schon immer viele im Prenzlauer Berg. Jedoch, das ist es nicht, was Drossel an den beiden Herren so überaus störend findet. Nicht nur, dass sie nicht grüßen, oder sich gar bei ihren neuen Nachbarn vorgestellt hätten, sie meinen hier absolut alleine zu wohnen. Neulich wurde Drossel von den beiden in ihren teuren Anzügen angeschnauzt, weil er nach 20.00 Uhr noch Musik gehört hatte. In was für einem Ton. Was denken die beiden eigentlich, wer sie sind?! Edgar bekämpft die erneut aufsteigende Wut mit der nächsten Zigarette. Kein bitte, kein höfliches Wort. Mit der Polizei haben die sogar gedroht. Dabei wäre Edgar der Letzte, der nicht mit sich reden lassen würde. Aber so nicht! Die sollen mal Hilfe vom alten Handwerker Drossel brauchen. Ha, da können die aber lange warten! Jetzt straft Edgar sie mit schlichter, kalter Missachtung. Und sollten die, mit ihrer teuren Karre noch mal auf der Einfahrt parken, würde sich Drossel auch nicht zu fein sein, und die Polizei über diese Ordnungswidrigkeit informieren. Mit keinem hier im Haus würde er so etwas tun! Aber die beiden Schnösel aus der vierten Etage hätten es verdient! Auch das Cello-Kind und deren Mutter, sind mit den Lackaffen bereits aneinander geraten. Jetzt hieße es für alle eigentlich: zusammenhalten! Früher wäre das… aber früher ist leider längst vergangen.

 

Und gegenüber von diesen beiden reichen Schwulen wohnt, na wie sollte es auch anders sein, noch ein schwules Paar. Das sind nette Leute, haben sich sogar allen Mietern vorgesellt, als sie vor knapp einem halben Jahr eingezogen sind. Sind beides bodenständige Männer. Aus Bayern wie es scheint, und sie machen glücklicherweise nichts mit Medien. So viel steht fest. Aber was genau die beiden tun, das hat Edgar noch nicht herausgefunden. Man müsste die einfach mal fragen?

 

 

Er wirft noch einen Blick auf die Kinder, von denen nun langsam eines nach dem anderen nach Hause geht. Ein warmer Sommerabend legt sich sanft über Edgars geliebten Berliner Hinterhof. Er nimmt ein Buch zu Hand, setzt sich in seinen Gartenstuhl und macht es sich gemütlich. Es ist weitestgehend Ruhe eingekehrt. Edgar wird erst einmal ein bisschen lesen. Vorerst ist das seine Alternative zum geplanten Fernsehabend, und später dann, so hat er sich gerade entschlossen, wird er in diese Szenekneipe an der Ecke gehen. Die hat ja einen guten Ruf.

 

Nachdem Edgar schließlich genug in seinem Buch gelesen hat, setzt er sein Vorhaben in die Tat um und schlendert in die besagte Kneipe an der Ecke. Szenekneipen sind eher nicht so sein Ding, aber was sollte er tun? Seine Stammkneipe hat schon vor Jahren geschlossen. Heute befindet sich dort eine Pizzeria. Und da es fast nur noch Szenekneipen oder viel zu teuere Restaurants, Schwulenkneipen, Darkrooms, Suhi-Bars und Pizzaläden und hier gibt, muss sich Herr Drossel halt anpassen. So lange es nicht zu geleckt aussieht und nicht zu viele Öko-Weltverbesserer dort herumsitzen, würde es ihm schon gefallen.

 

Edgar Drossel betritt den Gastraum und sucht sich einen von den Holztischen aus, nimmt Platz und bestellt sich sein Bier. Es ist ziemlich leer im Gastraum. Ein Paar, einander zugetan, hat es sich in der Ecke auf einem Sofa gemütlich gemacht, zwei Mädchen kichern irgendwo und an der Bar, sitzen die Gäste, die hier bestimmt ein jeder kennt, weil sie immer an der Bar sitzen. Er hätte auch draußen Platz nehmen können, auf dem Freisitz, aber da war kaum noch ein Platz frei, es ist laut dort, nur junge Leute, eng gedrängt, nein, danach stand ihm wirklich nicht der Sinn. Er genießt lieber die Ruhe und sein Bier. Und was passt besser zu einem Bier, als eine Zigarette. Aber seit kurzem muss man sich ja, wenn man diesem Laster frönen will, fast jede Kneipe verlassen und sich vor die Tür begeben. Ein bisschen diskriminierend ist das schon, findet Edgar, aber halt nicht zu ändern. Über Sinn und Unsinn von diversen Gesetzen und Verordnungen macht sich Drossel schon seit langem keine Gedanken mehr. Wäre ja nur reine Zeitverschwendung!

 

Er tritt vor Tür hinaus in die laue Berliner Sommernacht und macht eine merkwürdige Beobachtung: Da es sich um eine Eckkneipe handelt, gibt es folgerichtig auch zwei Eckkanten, entlang derer die Tische für die Gäste aufgestellt wurden. Die linke Seite ist die, wo sich die Menschen drängen, die rechte Seite ist vollkommen leer. Das verwundert auf den ersten Blick. Und da Edgar immer noch nicht der Sinn nach lauter Gesellschaft steht, entschließt er sich, auf der vollkommen leeren Seite, an einem der Tische Platz zu nehmen, und dort in aller Gemütlichkeit zu rauchen. Kaum glimmt das Feuerzeug auf, steht auch schon der Kellner oder Inhaber neben Edgar Drossel und bittet ihn, doch den Tisch zu verlassen und sich zu den Gästen auf der anderen Seite zu setzen. Edgar schaut den jungen Mann ungläubig an. „Nein, mir is heut.. nich nach Jesellschaft zu Mute und ick würde doch gern hier meene Zigarette rochen. Aber“, Edgar wurde gerade seine eigene Verwunderung über diese Aufforderung bewusst, „warum soll ick det überhaupt tun? Hier is doch nu wirklich jenuch Platz?“ Er schaut dem Kellner ins Gesicht. Der seinerseits entzündet auch gerade seine Zigarette und erzählt, bestimmt schon um x-ten Mal einem Gast, der sich wie Edgar Drossel einen ruhigen Platz, an einem der leeren Tische auf der rechten Seite gesucht hatte, dass dies auf Grund von Lärmschutzbestimmungen nicht gestattet sei! Edgar schaut weiter ungläubig. „Als ob ick hier alleene Lärm machen würde?! Wer kommt denn uff sone dummen Idee?“. Mit einer gewissen Verzweifelung in seiner Bewegung deutet der Mann auf das Haus auf der gegenüberliegenden Straßenseite „Da wohnt ne Frau im zweiten Stock, die ruft sofort die Bullen, wenn hier nach 23.00 Uhr noch jemand sitzt!“ Edgar folgt mit den Augen dem Finger. Ist doch sein Haus, wer sollte das denn sein, fragt er sich insgeheim? „Die is gerade hier einjezogn“, fährt der Kellner fort, „und hat uns gleich am ersten Tag die Bullen uff..n Hals jehetzt.“ Edgar schüttelt ungläubig den Kopf „ Die soll sich mal nich so haben! Schließlich roche ick alleene und dit nur schweigend!“

„Seien Se doch bitte so nett und jehn Se einfach rüber“, erneuerte der Barmann seine Aufforderung, mit einer hörbar verzweifelten Stimmlage. Bestimmt hat er solche Diskussionen auch schon mindestens einhundert Mal heute hinter sich.

„Nee, sagt Edgar, „da rüber will ick nich. Is mir zu laut. Dann roche ick lieber keene. Wissen Se, früher hätt..s sowat nich jejeben. Früher, da war vielet schlechter, aber eben nich allet, verstehn Se, da hätte man nich gleich die Bullen jerufen, da hätte man erstmal miteinander jeredet und wenn et dann nich jeht, na dann. Aber heute…? Wat wolln sone Leute hier? Im schicken Prenzlauer Berg wohnen, bei die Szene und die Künstlers, und die, die wat mit Medien machen und so…, aber wenn..s mal lauter wird fang se an zu heulen!“

Edgar war jetzt richtig sauer. Jetzt versaut ihm auch noch so eine reiche Tussi seinen schönen Abend. Bestimmt eine Zugezogene.

„Wissen Se, ick wohn in dem Haus da. Wissen se denn jenau, wer det is? Dann könnt ick ja mal mit die reden. Weil, reden hilft ja immer?“

Der Kellner zieht an seiner Zigarette und bläst den Rauch verächtlich in Richtung der anderen Straßenseite.

„Det ham wa doch jemacht. Die Dame kommt aus..m Rheinland und macht hier wat janz wichtjet beim Radio oder so. Und globen Se mir, mit die kann man nich reden! Und leider is se och noch im Recht.“

„Quatsch! Im Recht“, unterbricht ihn Edgar, „die is mit nen Klammerbeutel jepudert, da leben wolln wo  richtich wat los is, aber bloß nich in meine Umjebung. Son Qatsch! Det macht doch allet kaputt hier! Dann soll se sich doch ne andere Bude suchen. Is ja nun nich so, das det keener sieht, das hier ne Kneipe is, mit Freisitz und so. Hat ja schließlich jeden Tach uff der Laden von früh um zehne. Komme ja hier immer vorbei, wenn ick von Schicht komme. Also ick lebe länger hier! Und mir jefällt det mit die vielen Kneipen. Soll se doch nach..n Grundewald ziehn!“

Edgar war gerade so schön in Rage und der Herr Kellner erfreute sich gerade daran, einen Alteingesessenen getroffen zu haben, was schon selten genug ist, den es ausnahmsweise mal nicht stört, wenn eine Kneipe einen Freisitz betreibt.

„Wenn det allet mit dem Krach im Rahmen bleibt, weeßte, und man mit..nander reden kann, is doch allet jut! Aber sone Leute kann ick leiden!“, grummelt Edgar vor sich hin.

 

Keiner von den beiden bemerkt den Streifenwagen, der hinter ihnen zum Stehen kommt. Erst als die beiden Beamten näher treten, wird dem Wirt bewusst, dass die kleine Plauderei schon ausgereicht hatte, um die Staatsmacht zu bemühen.

„Na klasse“, sagt Edgar.

„Hätten se bloß mal ausm Fenster kieken müssen und wat jesacht, dann wärn wa och rin jejang..n, bellt er laut über die Strasse den Fenstern gegenüber entgegen. Einer der Polizisten, legt ihm sachte die Hand auf die Schulter. „Nu mal janz ruhig!“ Er seufzt und die Unlust, an dieser Stelle seiner Tätigkeit nachkommen zu müssen, ist dem Polizeiobermeister deutlich anzusehen. Er holt tief Luft und sagt das, was er immer sagt in solchen Fällen: Das sei ein unerlaubter Lärm und es täte ihm sehr leid, weil er ja keinen Lärm vernehmen kann, aber er müsse ja, weil es einen Anruf gab, nur seinen Job machen. Und er bitte doch um Ruhe. Denn, sollte es noch eine Beschwerde geben, müsse der Freisitz gänzlich geräumt werden. Ausatmen. Seufzen. Der Beamte hat seinen Spruch aufgesagt und man merkt ihm schon an, dass ihm das ein klein wenig unangenehm ist. Wenn es doch wenigstens richtig laut wäre, dann hätte er auch was Richtiges zu tun gehabt. Oder einen Räuber schnappen, aber so… An jedem Wochenende unzählige Lärme beilegen, weil gleich nach der Polizei geschrieen wird, ohne auch nur auf die Idee zu kommen, den Nachbarn einfach mal nett um Ruhe zu bitten…

 

Edgar drückt dem Wirt schnell das Geld für das Bier in die Hand, die Lust auf einen gemütlichen Abend ist ihm gründlich vergangen. Er schüttelt noch immer verständnislos den Kopf.

„Mensch Kinders, sowat hätt..s früher wirklich nich jejeben! Als ob die Bullen nüscht Besseres zu tun hätten.“

Die beiden Beamten nicken und schauen ihm nach. Der Wirt verzieht sich an die Bar und Edgar Drossel muss nun wirklich feststellen, wie wenig er die Menschen, die um ihn herum leben noch kennt.

April 26, 2009 - Sunday 
Es ist ein sonniger und klarer, kalter Tag. Ein Tag voller Termine. Fast im Stundentakt folgt ein dokumentationswürdiges Ereignis auf das andere. Und immer stehen berühmte Persönlichkeiten der Presse Rede und Antwort - oder wie in meinem Fall - sie lassen sich fotografieren. Weil ich im Grund ein recht fauler Mensch bin, ist es sehr erfreulich, dass alle diese Termine in einem recht kleinen, gut zu Fuß erreichbaren Radius um ein großes Hotel stattfinden. Zwischendurch bleibt dann immer noch gerade genug Zeit, mal eine Zigarette zu rauchen oder mit Kollegen zu schwatzen. Manchmal bleibt sogar Zeit für eine Tasse belebenden Kaffee in einem der viel zu teuren Restaurants, Bars oder Lounges. Einer Perlenkette gleich, reiht sich Lokalität an Lokalität, den ganzen langen Straßenzug hinunter.

Am Hintereingang der erwähnten noblen Herberge, wo die Stars in großen schwarzen Limousinen vorfahren, stehen nun die Fans mit Stift, Zetteln und Kameras bewaffnet, allzeit bereit für den Ernstfall. Nähert sich nun ein schwarzes Fahrzeug, kommt Bewegung in die dicht gedrängte Menge. Hält es sogar innerhalb der Absperrung, bricht die Menge in vorhersehbarer Regelmäßigkeit in ein verzücktes Geschrei aus, noch bevor der Wagen richtig zum Stehen gekommen ist. Geradezu hysterisch wird das Geschrei, wenn der Verschlag der Edelkarosse durch dienstbeflissen herbeigeeiltes Personal aufgetan wird.

 

Ich beobachte gerade dieses Treiben aus einiger und recht sicherer Entfernung, lasse mir die Sonne ins Gesicht scheinen und ziehe genüsslich an meiner Zigarette. Über der rechten Schulter hängt ein Fotoapparat, groß und schwarz, bestückt mit der „langen Linse“. Über der linken Schulter hängt noch ein Fotoapparat, der mit der „kurzen Linse“. Weil das die leichte Knipskiste ist, hängt ebenfalls über der linken Schulter meine kleine Notebooktasche. Um den etwas zu auslandenden Bauch hängen an einem Koppel noch einige Taschen mit weiteren Objektiven und all den anderen notwendigen Kleinigkeiten. Eine dicke Jacke schließlich schützt mich vor der Kälte. Ähnlichkeiten mit dem Michelin-Männchen wären reiner Zufall.

 

Just ist die Zigarette unter meinem Schuh verstorben. Ich nehme die Kamera mit der „langen Linse“ von der Schulter, hänge mir den Schultergurt direkt um den Hals, so kann das teure Gerät nicht herunterfallen und hebe schließlich den schwarzen Kasten vor die Augen, blicke hindurch und schaue in aller Ruhe den Autogrammjägern zu. Ich schwenke nach rechts, nach links, korrigiere die Schärfe, verändere mit dem Zoom den Bildausschnitt und warte, bis mein Kopf mir sagt: Das ist jetzt das Bild. Lösen Sie bitte genau jetzt aus. Klick. Ein Gedanke lässt mich kurz schmunzeln: Bei ganz tollen, modernen Kameras wird diese Aufgabe bestimmt von Mini-Japanern übernommen. Die hat man höchstwahrscheinlich in die kleinen Kameras gezwängt und die sagen dem Fotografierenden: Bitte dlücken Sie jetzt! Angenommen nun, der kleine kamerainterne Japaner ist männlich. Und es kommt eine schöne, eine wunderschöne, Frau des Weges: dlücken, dlücken, dlücken!!!! Schnellel dlücken! Noch schnellel dlücken! Mein Lächeln verfliegt…

 

Doch heute halte ich mich zurück mit dem Auslösen. Wenn ich will, kann ich auch im Dauerfeuer. Gar keine Frage! Und wenn ich faul bin, dann mache ich das auch …einfach drauf halten, nonstop bis die Speicherkarte qualmt! Irgendwas wird schon dabei sein, das den Redakteur befriedigt.

 

Ich habe gerade ein letztes Bild gemacht, als eine ältere Dame auf mich zukommt, sich mit sicheren Schritten in mein Sucherbild drängt, für einen Augenblick scharf erscheint und sogleich in die Unschärfe gleitet und schließlich vor mir steht. Aus dem Augenwinkel heraus hatte ich sie schon bemerkt, wie sie gerade noch ein klein wenig verloren mitten auf dem Gehweg stand und mit sichtlichem Interesse abwechselnd die wartenden Fans und mich beobachtete.

 

Nun stellt sie sich dicht, viel zu dicht, ja geradezu aufdringlich dicht neben mich und fragt mich, ich mit der Kamera immer noch vor dem Auge, den Riemen noch nicht vom Hals:

„Wen haben Sie denn da gerade fotografiert?“

Ich antworte einsilbig und Abstand heischend: „Na, die Leute. Wie sie da warten.“

„Auf wen warten die denn?“ Sie deutet mit dem Kopf in Richtung der Menschentraube.

„Auf einen der Stars.“

„Ach die kommen wohl hier an? Wer kommt denn da?“

„Ich habe keine Ahnung.“, entgegne ich und trete erneut einen Schritt zurück.

„Ach die wohnen wohl alle hier im Hotel?“ Und sie tritt wiederum einen Schritt an mich heran.

„Nein, die gehen lediglich zur Pressekonferenz.“ Mein Oberkörper biegt sich langsam nach hinten.

„Na die können sich das ja auch leisten hier zu wohnen. Und sie wissen nicht wer da jetzt kommt?“

Das Ausweichen gebe ich vorerst auf, schaue höflicher Weise auf einen Zettel, welche Pressekonferenz gleich beginnen wird und werfe den Namen Martin Scorsese auf den belebten Bürgersteig und flüchte sogleich wieder mit einem mutigen Rückwärtsschritt.

Sie nimmt die Verfolgung auf. „Wer ist denn das? Ein Schauspieler, nicht?“

„Nein. Ein Regisseur!“

Sie, weiterhin in einer Vorwärtsbewegung: „Den kenn.. ich nicht. Aber kommen denn hier auch Schauspieler?“

Ich, resigniert: „Ja, es kommen auch Schauspieler?“ Jetzt werden irgendwie Erinnerungen an einen missglückten Tango-Tanz-Versuch wach. Wollte damals eine Frau beeindrucken. Ich mache einen Schritt rückwärts. Sie natürlich einen vorwärts.  

Die Dame mit dem Kunstpelzkragen ist plötzlich wach und munter: „Und man kann sich da einfach hinstellen und auf die warten?“

„Ja, das kann man.“

“Und, auf wen warten Sie jetzt gerade?“

„Ich? Ich warte auf niemanden.“

„Sind sie Papparazzi? Mit so einer großen Kamera? Sie warten doch auf jemanden?“

„Ich warte doch aber auf niemanden!“

„Aber sie haben doch eben fotografiert? Ist denn da gerade ein Star gekommen?“

Es ist ein hilfloser, verzweifelter Versuch meinerseits einer Rechtfertigung meiner Anwesenheit: „Nein, ich habe doch nur die Fans fotografiert.“

„Aber die sind doch nicht interessant?“

Gereizt und im wiederholten Krebsgang: „Für mich schon!“

„Aber da ist doch jetzt kein Berühmter dabei, oder?“

„Nein, nur die Autogrammjäger.“

„Und von wem haben Sie sich denn schon alles Autogramme geben lassen?“

„Von niemanden!“

Sie nun mit einem süffisantem Lächeln und, das versteht sich ganz von selbst, natürlich im Vorwärtsgang: „Na, die brauchen sie ja auch nicht. Sie machen ja immer heimlich die Fotos. Und wen haben Sie heute schon alles getroffen?“

„Niemanden!“

„Na gut. Wen haben Sie denn alles heut schon fotografiert?“

Ich denke kurz nach: „Natalie Portman.“

„Wer ist das?“

„Eine Schauspielerin!“

„Wo spielt die denn mit?“

„Keine Ahnung.“

Sie, mit so einer leichten Arroganz in ihrer Stimme: „Also die kenne ich nicht. Und wen noch?“

Ich bin mittlerweile in eine gewisse gleichmütige Gleichgültigkeit verfallen: „Tilda Swinton.“

„Wer ist denn das nun schon wieder?“

„Auch eine Schauspielerin.“

„Ist die berühmt?“

Ich entgegne ihr jetzt deutlich verzweifelt mit möglichst ausdrucksloser Mine: „Ja, schon.“

„Die kenne ich auch nicht. Und wen noch?“

„Marie Louise Marjan!“, sage ich gereizt, in der Hoffnung auf einen Treffer als letzten Ausweg. „Die war bei der Eröffnung dabei!“

„Ja die kenne ich!“ Sie strahlt. Und sie wirkt erleichtert. „Die ist berühmt! Und die kommt jetzt hier raus?“

„Nein. Das war heute früh.“ Alle meine Hoffnung wird von den vielen vorbeieilenden Menschen einfach mitgenommen.

„Aber die wohnt doch dann auch hier im Hotel?“

Meine Miene verfinstert merklich und ich möchte irgendwie aggressiv klingen: „Nein, die geben hier nur ihre Pressekonferenzen“ (Auch wenn Marie Louise das nicht noch nie tat.)

 

Plötzlich! Ein schwarzes Auto fährt vor. Das entzückte Geschrei nach einem Autogramm setzt erwartungsgemäß ein und verebbt sogleich wieder. Aus dem Auto steigt Neil Young und tritt schnellen Schrittes, ohne die Fans auch nur eines Blickes zu würdigen, ins Hotel.

Die Frau mir gegenüber schaut dem Geschehen einen Moment lang zu: „Und warum haben Sie den jetzt nicht fotografiert?“

„Weil ich keine Lust habe!“

„Ja, aber Sie warten auf die großen Stars.“

„Nein, ich mache Pause! Ich habe nur eine geraucht und wollte nur einen Kaffee trinken gehen! Einen schönen Tag noch!“, sage ich jetzt sehr bestimmt und trete mutig ich die Flucht an.

 

Ich gehe einen Schritt. Ich gehe einen zweiten Schritt und dann, höre ich wieder ihre Stimme: „Entschuldigen Sie. Entschuldigen Sie bitte. Für welchen Fernsehsender arbeiten Sie eigentlich?“

April 26, 2009 - Sunday 

Es gibt ja auf Musikfestivals "Diese" und "Jene". Und dann gibt es noch die Gesprenkelten - das sind die Schlimmsten - und es gibt natürlich die Gäste, im Allgemeinen lediglich Besucher genannt oder Konsumenten. Dann gibt es noch die Wichtigen und die g2anz Wichtigen,“ die mit den Pässen um den Hals. Diverse Aufdrucke darauf sagen aus, wer man ist und was, wenn man nun schon wer ist,  was man denn darf. Wie nennt man dieses Plastikkärtchen eigentlich? Die Experten sind sich in dieser Frage nicht so recht einig. Also früher hießen die Dinger mal schlicht und ergreifend Pässe. Im englischen Badge, sprich: Bädsch, was sich aus dem Munde eines Berliner Sicherheitsbeamten auch schon mal so anhören kann: "Zeijense mal iha bädtsche?"

Nun aber fix zurück zu unseren Musikfestivals. Neu und gerade absolut, hyper und obermega im Trend ist der, dem angelsächsischen entlehnte Begriff Laminate, sprich Lemminät. Wie das Ding auch nun immer heißt - egal- jedenfalls gilt das nur und ausschließlich in Verbindung mit einem farbigen Bändchen,  welches entweder zu weit oder zu viel zu eng um das Handgelenk geschlungen wird. Trauen tut diesem Armschmuck eh keiner. Das Ding wird nie und nimmer die erste Nacht, geschweige denn die morgendliche Dusche überstehen.

 

Komisch,  sie tun es aber doch. Ich bin dann immer völlig erstaunt, wie die Klebestreifen, denn nie gelingt es mir diese blöden Teile passgenau übereinander zu heften, mit meiner Körperbehaarung ein inniges Verhältnis eingehen. Das alles ist völlig Nebensächlich, wichtig ist die Farbgebung dieser Bändchen. ...und warum zum Geier, gibt es dafür keine trendige Bezeichnung?  Egal!

Der junge Mann, seltener jedoch die junge Frau, von der Security kann nun, an Hand der möglichen Farbkombination aus baumelnden Plasikkärtchen und der Farbe des Bändchen erkennen, zu welchen Bereichen der  jeweilige Träger Zugang hat. Kompliziert? In der Tat. Und selbst den allerbesten Sicherheitsmenschen unterläuft dabei hier und da schon mal ein Fehler.

Am Eingang: erst einmal nestelt man unter seiner Jacke das Laminate hervor, erwürgt sich dabei mal eben ein bisschen selbst, hält es dem Schrank mit dem bösen Blick hinter der dunklen Sonnenbrille vor die Nase und macht ein Schritt in Richtung Durchgang. Das war ein fataler Fehler. Der  Schrank weicht nicht. Und ehe man sich versieht bremst eine Hand vor Brust das Fortkommen. Stimmt ja. Er hat ja noch nicht das Handgelenk gesehen. Die Hand schnell der angenehmen Wärme der Hosentasche entrissen, den Arm mutig nach vorn gestreckt, der Schrank gibt den Weg frei. Doch was ist das? Der letzte 10-Markschein segelt zur Erde. Verflixt, die Kohle gehört in die andere Tasche. Will der auch mein Fußgelenk  sehen? Ihr wisst schon, die dunkle Sonnenbrille. Diese Frage hat man sich nur zu denken.

 

 

Es gibt aber noch ein weiteres sehr wichtiges Statussymbol. Die Bänder, (Welchen englischen Fachausdruck gibt es dafür eigentlich?) die um den Hals baumeln, an denen die Pässe, Laminates oder Badges befestigt werden. Wichtig sind hierbei folgende Fragen: Von welcher Firma ist es? Ist es ein gekauftes aus dem Trendladen nebenan? Etwa ein schnödes Stück Strippe an dem das Plastekärtchen baumelt? Oder ist es ein seltenes Exemplar, das nur eventgebunden ausgehändigt wird oder wurde? Alles Fragen, die die Welt bewegen.

 

Auch die Träger dieser Dinge könnte grob in unterschiedliche Gruppen, mit folgenden Verhaltensmustern einteilen: Fotografen nun tragen ihre Pässe gut sichtbar. Sie wollen ja wichtig sein. Je mehr Pässe vor dem Bauch hängen - der Passwahnsinn schindet nämlich Eindruck - desto wichtiger ist der Kollege. Als ob bis zu drei Kameras um den Hals nicht ausreichen würden. (Ich kann euch sagen, dass gibt auf Dauer ganz schöne Nackenschmerzen.)

 

Die schreibende Zunft dagegen, versteckt die Pässe recht gern. In der Gesäßtasche oder so..., denn sie arbeiten im Untergrund, am Puls der Zeit, mitten drin eben, und wollen augenscheinlich auf dem gleichen Niveau sein, wie die Gäste, Besucher oder Konsumenten genannt. Wenigstens für kurze Zeit bis es wieder in das VIP-Zelt geht, an die dortige Bar oder für den Fall das Wasser vom Himmel fällt, wenigstens ins Trockene. Solch ein Dingelchen um den Hals hat wahrlich seine Vorteile. Und sie machen sich gut an der Wand - Sammelwut.

 

Für die Jungs auf der Bühne sind die Pässe eher etwas lästiges, einfach nur notwenig, eher hinderlich bei dem heranschleppen von Bühnenequipment. Nicht selten bleibt der, die oder das Badge auch auf der einen oder anderen Box liegen, dem Monitormischpult oder wo auch immer. Dann ist das Geschrei groß. Die Stagehands sind verzweifelt, die Securitys genervt, wenn sie die Jungs mal wieder nicht an ihren Arbeitsplatz lassen wollen und dürfen.

Künstler dagegen befestigen die Pässe gerne an den Gürtellaschen, so dass sie tief hängen, fast auf dem Boden schleifen. Einige haben schon eine wahre Kunst daraus gemacht bei jeden Schritt, den sie im Backstagebereich zurücklegen, die Pässe mit den Knien zu jonglieren. Stehen sie auf der Bühne, sind die Pässe, Badges oder Laminates plötzlich verschwunden. Achja, die Musiker mit deutlich schwarzer, soll meinen gruftiger Herkunft haben die Angewohnheit, die Teile um das Handgelenk zu wickeln. Schön kurz angebunden, gerade recht, zum verstecken in den Ärmeln langer schwarzer Ledermäntel.

 

Weitere Anwedungsgebiete der Pässe: sie eignen sich zum reinigen der Fingernägel, McGyver würde damit Bomben bauen oder wenigstens außer Gefecht setzen, sie machen sich gut als Lesezeichen oder lassen sich ansatzweise als Eiskratzer einsetzen...

 

Mein Nachbar Müller meint dazu:

Ich hab auch einen Pass. Den muss ich aber bald verlängern lassen. Es ist Sommer und ich will nach Mallorca.

 

 

 

ts