Status: Single
City: Hannover
State: Niedersachsen
Country: DE
Signup Date: 10/29/2006
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Wednesday, April 22, 2009
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Alle, die Bock haben, eine gute Band mehr auf dem N-JOY Expo Plaza Festival im Juni zu erleben, alle Freunde, alle Netzwerker, Unterstützer und Kiez-Kumpanen, alle, die ich in der letzten Zeit mit meiner Stimme an die Spitze zu katapultieren geholfen habe:
Stimmt für meine Band THE BIG TUNE (gerne auch mehrmals) auf folgender Seite:
http://www.n-joy.de/events/bandbattle110.html
Und bitte Weitersagen! Reinhauen! Vielen Dank an dieser Stelle!
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Monday, March 02, 2009
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Seit einiger Zeit ist das enorm klangschöne und überaus textsichere Album "Soulseeker – auf der Suche nach dem Soul" der 121Crew zu haben. Zieht euch das ruhig mal rein. Dies und weitere Nachrichten auf www.hannover-robust.de !
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Wednesday, January 28, 2009
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Alle Welt hat Disziplin ... ... woher und wie kriegt die das hin?
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Sunday, January 11, 2009
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Zurzeit verketten und verknoten sich die Auftrittswege in meinem Heimat-Bundesland Niedersachsen. Am 8.1. war ich in Braunschweig bei der Lesebühne "Bumdorfer Gerüchteküche zu Gast. Am 9.1. war ich in Göttingen beim Poetry Slam im Theater im OP. Am 15.1. werde ich in Hannover beim MACHT WORTE Slam antreten (und vielleicht mal was Neues ausprobieren) und am 16.1. ist wieder Lesebühne Nachtbarden. Am 17.1. ist in Lehrte wieder Offene Bühne. Am 23.1. bin ich Celle mit der Jazzband Schöneworth bei Kunst&Bühne, und am 24.1. gastiere ich in Oldenburg beim 3. Slamprodukt. Fein! Falls ihr noch etwas wisst, lasst es mich wissen, ich komme dann bestimmt. Lüneburg? Leer? Na?
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Tuesday, January 06, 2009
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Dies ist ein Test. Ich weiß, ich sollte nicht meckern und mir stattdessen lieber n anständige Blogheimat bei einem der vielen Anbieter suchen. Mach ich bestimmt mal. Aber bis dahin beschwere ich mich wie ich will. Myspace ist ein Tanzverein, dessen Datenmanagement einem großen Rätsel gleicht. Das Büro muss ein Haus sein, das Irre macht.
Vorhin habe ich wieder mal einen Eintrag verfasst und veröffentlicht, der seitdem spurlos verschwunden ist. Zum Glück war es kein langer und ich hatte ihn vorher kopiert. Im Gegensatz zu einem ziemlich langen Eintrag vor einigen Wochen. Wer den sieht, darf mit mir in Finderlohnverhandlungen treten. Ich habe myspace eine Mail bezügich dieses Problem geschickt und die lapidare Antwort erhalten, man kümmere sich um dieses Problem.
Als ich den letzten Eintrag bearbeiten wollte, fanden sich zahlreiche Absätze mehr als vorher darin. Und ungewöhnliche Umbrüche. Dazu noch zwei verschiedene Schriftarten und ein Absatz nur aus Punkten bestehend, was ich alles so garantiert nicht eingegeben habe (es sei denn ich bin kurz bewusstlos gewesen und habe schlafgewandelt). Mittlerweile endet der Eintrag nach dem Titel und selbst ich kann ihn nicht mehr bearbeiten. Die Seite endet dort sogar. Ein Kollege klagte letztens, als er einen Eintrag nachbearbeiten wollte, darüber, dass plötzlich, im Bearbeitungsfenster, überall die Leerzeichen im Text fehlten. Das hatte ich auch schon mal, es fehlte ungefähr jedes zweite, scheinbar völlig willkürlich. Ich frag mich: Wie geht sowas? Was für ein Fehlerteufel erzeugt solchen Unfug?
Gut, dass es hier nur um virtuelle Konstruktionen geht. Wäre myspace eine Baufirma, sie hätten beim Hausbau mit dem Aussehen, also den Außenwänden angefangen. Anschließend vielleicht mal ans Dach gedacht, es schräg drauf gesetzt und sich dann erst nach und nach dem Innenleben gewidmet. Zur Stunde werden die Leitungen irgendwie überall verlegt. Zum Schluss würde man merken, dass das Fundament noch fehlt. Und die Eigentümer schon eingezogen sind.
Myspace. Du Haufen Scheiße. Wir leben in dir wie die Maden im Speck.
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Saturday, December 13, 2008
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...ist vielleicht etwas inflationär, weil überall in den Medien gen Jahresende immer zurück geguckt wird, was der Monitor hält. Man könnte es ja auch mal antizyklisch machen, mal so mitten im Sommer, oder zu Ostern, aber irgendwie schneit doch mit dem kalten Dezember das passendste Gefühl dazu ins Haus: Zum Weglaufen ist es draußen zu kalt.
Eine gewisse Endzeitstimmung entsteht. Noch vor den großen Bratvögeln hört man das Nestkollern in den Straßen, hinter deren Fassaden mit sich selbst überforderte Familien aufeinander hocken, ohne sich außer Streit auf Talkshowniveau etwas zu sagen zu haben. Und zur familiären Endlösung in dieser Frage geht halt der Fernseher an.
Dort bricht der optische Prolocaust aus, weil bei den Privatsendern Dutzende Dahergelaufene Billigpromis eingeblendeterweise das zurück liegende Zeitgeschehen in den tausend dümmsten Chartshows der Welt kommentieren dürfen. Begleitend regnet es mühselig ergoogelte und zu aberwitzig schlechten Animations-Effekten zusammengeschusterte Grafikschnipsel und Comicgeräusche aus einer Keyboardkonsole, die man dem Dampfplauderer des Radiosenders UDBVH ("und das beste von heute") entwendet hat.
Oder es werden amtliche Dramenshows zusammengestellt, bei der man per TED die "SUPER-Katastrophe 2008" voten kann. Oder man lässt die Außenaufnahmen gar ganz weg und bastelt sich eine feine Comedyshow zusammen, deren teuerster Gast der kitschig geschmückte Weihnachtsbaum im Hintergrund ist. Der, wenn er könnte, in den Wald zurücklaufen würde. Weil die Gags derart billig sind, dass sie "Made in Taiwan" sind oder komplett unterirdisch hergestellt werden, von Grottenolmen, die unter der Erdkruste leben, einem gänzlich grausigen Ort, übrigens demselben, dem auch die Comedians entspringen.
Diese flippen ab des Erblickens von Lichtquellen über 900 LUX völlig aus und lachen sich selbst über alles kaputt, was sie seit ihrer Existenz auf der Erdoberfläche erlebt haben. Wenn ich zum Beispiel Hennes Bender sehe, dann frage ich ich, was der vor seinen Auftritten nimmt und wieviel davon. Ich warte immer darauf, dass die heiße Luft, die er mit seinen aufgeregten Halbsätzen hinaus stößt, sich über den Hinterausgang entlädt und er sich mit einem Riesenfurz durch die Studiodecke katapultiert. Oder dieser hirnamputierte Ausbilder Schmidt. Wenn der einen rumschreienden Drill-Seargant wenigstens GUT parodieren könnte... von dem Geld, was man im Fernehen kriegt, hätte ich mir erstmal einen etwas stattlicher wirkenden Parka geholt, statt auszusehen wie ein halbes Hemd von hinterm Bahnhof. Aber anscheinend hat er gerade mal soviel Honorar gekriegt, dass er sich eine einzige Zigarre kaufen konnte - die er NICHT raucht, weil er ja lange dafür sparen musste.
Atze Schröder ist ja manchmal tatsächlich witzig, aber er disqualifiziert sich leider selbst durch seinen erbärmlichen RTL-Sitcomversuch, den ich aus wissenschaftlichen Gründen mal 5 Minuten lang ausgehalten habe.
Nicht mehr so oft, aber leider gelegentlich immer noch, taucht seine Schwester im Geiste, weil ebenfalls mit einer gallertartig-dumpfen Sitcom hässlich am Niveaupegel Null gescheitert, im Fernsehen auf, zum Glück nur bei allem, was mit Köln zu tun hat: Gaby Köster. Ihr einziges Talent ist ihr überkandidelter, die-Fußnägel-sich-hochrollen-lassender Kölsch-Dialekt, wobei man sagen muss, dass der den Kölnern angeboren ist (wobei im Falle Köster dieser vielleicht durch die Emmisisionen eines ihr allzu nahe stehenden Atomkraftwerks multipliziert-mutiert wurde). Was noch als Talent zählen könnte? Nun, die Eigenschaft, sich Plastik-Sonnenblumen ins Haar zu flechten. An ihr finde ich nur witzig, mir vorzustellen, es wären echte Sonnenblumen ausgewachsener Größe, das würde nämlich hervorragend zu ihrer ballonartigen Riesenomme passen. Ich bin mir sicher, sie kann einen Schrupper quer schlucken. Wenn er ihr nicht eh schon quersteckt, damit sie das Wort KÖLN extraschlimm aussprechen kann.
Oder, jetzt wird es in Sachen Wuchtbrumme nochmal so schlimm: was hat eigentlich diese Cindy aus Marzahn im Fernsehen zu suchen? Nicht nur, dass Menschen mit durchschnittlichen Sehgewohnheiten (jene, die nicht so oft die ALDI-Grabbeltischprodukte durchwühlen müssen, weil sie auch mal im SPAR einkaufen können) schon die Augäpfel vor lauter Optik-Krebsbefall aus den Höhlen quellen müssten, sondern dass ihr bester Spruch, der mit der Alzheimer-Bulime, schon lange Jahre vor ihrer Geburt als rosa Riesenbaby kursierte. Irgendwie ist sie das Gegenteil von Bill Kaulitz: Groß, hässlich, dafür stämmig - könnte ein ER sein. Wer absolut gar nichts kann, ist Oliver Pocher. Manche behaupten ja, er wäre ein großes Improvisationstalent. Für diese so etwas behauptenden Stimmen muss meine 1998 gestorbene Katze ja eine Gottheit darstellen. Meine Katze konnte, wenn sie etwas ihr augescheinlich Peinliches angestellt hatte (etwa beim Spielen vom Sessel fallen) sofort eine prima Übersprungshandlung einbauen, wodurch ihr Verhalten unfreiwillig noch lustiger wurde. Oliver Pochers Repertoire besteht leider nicht aus Übersprungshandlungen, er lenkt von seinen unter die Gürtellinie gehenden Sprüchen einfach mit noch tiefer gehenden Schlägen ab. Bis er beim Schienbeintreten angekommen ist. Wäre er eine Katze, würde er, nachdem er vom Sessel fiel, einfach kurzerhand vom Balkon springen.
Aber was will man von einem Humor-Zwerg wie ihm auch erwarten. Wenn er nicht derjenige war, der auf dem Schulhof immer Gruppenkloppe gekriegt hat, dann war er bestimmt derjenige, der den Anführer der gegnerischen Bande mit seiner großen Klappe immer am schärfsten beleidigt hat, um sich anschließend schnell hinter dem stärksten Freund zu verstecken. Schade, dass sich mittlerweile Harald Schmidt zu dieser Rolle hat hinabwürdigen lassen.
Wenn ich ein wenig Mitleid hätte, dann würde ich sie alle nicht durch Erschießen von ihrem Leid erlösen, sondern sie vor ein wackelndes Papp-Publikum setzen, mit Scheinwerferlicht und Dosenlachern füttern und die Halle abschließen. Und darauf hoffen, dass sich das Problem mit der Zeit erledigt.
Leider habe ich nicht soviel Mitleid. Mitleid habe ich nur manchmal mit Dieter Nuhr, wenn er mit gequälter Miene neben seinen affigen Kollegen nervös auf dem Studiosofa herumrutscht. Aber warum macht er das auch. Das ist keine Frage. Der Mann muss Masochist sein. Aber mal ehrlich: Sind wir nicht alle ein wenig masochistisch, dass wir, statt mal miteinander zu lachen, die Flimmerkiste einschalten? Okay, ich gebe zu, für mein Niveau ist diese Art Schlusspointe wirklich zu trivial. Ich frage mich lieber, wieso Fernsehen und Humor hierzulande eigentlich so berechenbar, so leidenschaftslos sind?
Aber das ist vielleicht eine andere Geschichte...
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Thursday, September 25, 2008
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Wie schön ist es, wenn man nach einem harten Tag mit viel Kuddelmuddel nach Hause kommt und weiß: Jetzt haste erstmal Zeit. Ich hatte die letzten Tage einen Graffiti-Workshop an einer Hauptschule. Ist schon etwas anstrengend. Wenn der Lehrer, der dem Workshopleiter im Rahmen der Projektwoche zur Seite gestellt werden soll, um mitzuhelfen, eine Gruppe wie einen Sack Flöhe zu hüten (mit besonders sprungfreudigen Flöhen dabei), sich einfach die ganze Woche krank meldet – obwohl er am Tag zuvor noch kerngesund, aber hochgelangweilt am Start war. Gute Besserung von dieser Seite, wenn sie überhaupt krank sind, sie Drückeberger! Ich habe das trotzdem hingekriegt. Zwar wurde hinter meinem Rücken allerhand Schabernack getrieben (auf den Boden gesprüht, Wespen mit Spraydosen getötet, Klamotten angesprayt – der Spraywut fiel auch mein Apfel [der Essbare, nicht der Rechner!] zum Opfer) und nicht immer alles gleich erledigt, weil es schwierig ist, den Kids zu verklickern, dass neben dem Vergnügen bei sowas auch Arbeit anfällt, aber die Bilder wurden gut.
Karl Valentin sagte mal: 'Kunst ist schön, macht aber viel Arbeit'. Manchmal liegt in den einfachsten Sätzen soviel Wahrheit. 'Chaos' müsste man noch hinzufügen. So hatten wir statt der von mir bestellten Abdeckfolie am Arbeitsbeginn so dicke Zelt-Planen da liegen – die natürlich nicht ausreichten (deswegen wurde auch der Boden in Mitleidenschaft gezogen). Die Wand, an der gesprüht werden solte, war seit dem letzten Jahr gut zugewuchert und nach einer halben Stunde Warten hatten wir nur eine kleine Blumenschere zur Verfügung. Auch zum Vorstreichen der Platten gab es einen Farbeimer und exakt zwei Rollen, eine davon ohne Griff, also nur eine verwendbare Farbrolle. Statt 10 waren es 15 Teilnehmer, von denen zwei sich wiederum krank meldeten. Und die Platten zum Besprühen waren keine Holzplatten, sondern aus so nem mehligen Kunststoff, der einem schon bei Beührung die Klamotten gut zustaubte. Hinterher sah ich aus wie sonstewas. Weiße Farbflecken, bunte Sprühlackflecken, Dreck, Grünzeug, Plastiktüten voller Krempel schleppend... Aber wie gut tut es, nach einem langen Tag alle dreckigen Klamotten abzustreifen, duschen und dann die Füße hochlegen zu können, wissend, dass für den Rest der Woche nur noch repräsentative Aufgaben und Bühnenarbeit folgen. So hockte ich mich erstmal komplett mit Klamotten in die leere Badewanne, um die Flecken vorarbeitsmässig von den Sachen zu schrubben. Denn so die richtigen Arbeitsklamotten waren diesmal kurz vor Workshopbeginn nicht auffindbar. Und danach konnte ich erstmal chillen. So bin ich morgen vormittag in Stadthagen und moderiere einen Schüler Poetry Slam an der lokalen IGS. Am Nachmittag geht es dann quer durch den Landkreis, um in Burgdorf die Ergebnisse des Workshops zu präsentieren. Abends in Hannover dann Lesung beim Kulturkiosk – Tobi mal wieder mit Soloprogramm. Eine Mischung aus 'Best Of' und 'bisher ungehört' wird es sein. Ich freu mich drauf.
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Friday, September 19, 2008
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Ich liebe das Zugfahren. Nicht nur der Landschaft wegen, die sauschnell vorbei wischt, wenn man nicht gerade auf graue Schallschutzwände starrt. Ich liebe das Rausgucken von einem für andere reservierten Fensterplatz, den ich ergattern konnte, weil die Bahn mal wieder die Waggonnummerierung durcheinander gewürfelt hat. Ich liebe den Anblick schwitzender, panischer Renterinnen, die vollgepackt durch den Zug hetzen, und diese Augen haben, von Kühen, die getrieben werden, so mit ganz viel weiß drin, da werde ich ganz schadenfroh und kuschele mich unter Schütteln in meinen Bahnsitz, weil es mir kalt den Rücken runterrieselt. Ich reserviere grundsätzlich nicht. "Wenn das alle machen würden ... !" Ja, machen aber nicht alle. Die Welt lebt von denen, die sie ordnen wollen, und denen, die die Ordnenden beschäftigen. Wobei das bei der Bahn nicht zutrifft. Die, die im Zug für die Unruhe sorgen, sind eben genau diese Reservierungs-Fanatiker. Die steigen immer am anderen Ende des Zuges ein, um dann ihr Reisegepäck durch sämtliche Waggons zu wuchten. Und so ziehen sie Karawanen gleich im Gedränge durch die Enge der Gänge, motzen über die Ihnen Entgegenkommenden und denken ja nicht ans Zurückweichen. Alle anderen sitzen ruhig auf ihren Plätzen oder setzen sich erst Mal auf vakante Sitzplätze, warten das Treiben ab und freuen sich, dass, wenn es bei der Evolution um Zugsitzplätze gegangen wäre, sie jetzt die Platzhirsche wären. Bök, Bök!
Und weil es so schön ungeordnet ist, ist Zugfahren so aufregend. Abenteuerlich, geradezu, allein der Mitreisenden wegen. Ich liebe schon die Pulkbildung am Einstieg. Als ob die Leute um ihre Plätze buhlen müssen, scharen sie sich schon Stunden vor Eintreffen des begehrten Zuges an der Bahnsteigkante zusammen, nur um sich von der Pole Position auf die Verladeluken stürzen zu können. Schon während der Zug noch einfährt, wackeln diese Menschentrauben dann den Zugtüren hinterher wie ein Haufen Augsburger Puppenkisten-Figuren, deren Fäden in der Tür eingeklemmt sind. Mit besorgten Mienen fuchteln sie noch bei zwanzig km/h Fahrtgeschwindigkeit nach den Knöpfen und Griffen, um die Türen aufzubekommen und sich bei der erstbesten Lücke, die sich anschließend zwischen den Aussteigenden bietet, in den Zug zu schwingen. Zugvieh, nenne ich die. Oder besser noch: Zug-Gnus. Ich habe mal im Fernsehen eine Doku über eine Gnuwanderung gesehen. Die Tiere mussten einen gefährlichen Fluss kreuzen. Im Fluss sind Krokodile und reissende Strömungen, doch die Gnus mussten unbedingt hindurch. Und zwar massenweise, um die Überlebens-Chance zu maximieren. Sie bildeten quasi eine Körper-Brücke, einen Strom lebenden Fleisches. Dennoch wurden viele Gnus abgetrieben oder von Krokodilen gefressen. Der sielmannsch-lapidare Kommentar angesichts der Unvernunft dieser Gnus lautete: "Doch der Drang zu folgen ist übermächtig." So muss es auch den Leuten beim Einsteigen gehen. Diese Leute sind sehr oft älteren Semesters. Das bedeutet, das sind auch die, die reserviert haben. Die kommen aus der "Generation Ordnung". Obwohl sie eigentlich völlig gelassen in den Zug schweben könnten, beweisen sie auf irrationale Weise das Gegenteil. Auf sie mit Gebrüll, ihre Ellbogen wie Kampfsäbel gezückt, stürmen sie in die Waggons als wäre es die Reise nach Jerusalem, und bei Ende der Zugdurchsage müssten alle sofort sitzen. Diese Zuggnu-Rudel denken auch nie an eine Gasse für die Aussteigenden. Das kommt gar nicht in Frage, da mal Platz zu lassen. Nein, alle pfropfen sich ins Gewusel und blockieren sich gegenseitig, indem sie versuchen, sich zu dritt in die Zugtür zu stopfen. Warum ist denn die Kriegsgeneration so scharf darauf, sofort in die Züge zu kommen? Eigentlich müsste das doch eher unangenehme Assoziationen wecken. Andererseits, wahrscheinlich waren nach dem Krieg alle Züge nach Westen auch völlig überbordet, was so sehr geprägt hat... Die Bahn sollte jedenfalls Schlange stehen einführen. Wie an Englands Bushaltestellen. Selbst die Chinesen haben das ja gerade gelernt. Aber die blöden individualisierten Rentner mit ihrer "I don't give a fuck"-Einstellung ... nee, nee. Da hört's bei mir auf.
Ich stehe am Rand einer solchen Traube und brülle einfach mal: "Achtung! Der Führer kommt!" Und plötzlich treten alle wie durch ein Wunder beiseite. "Der Zugführer, meine ich!", und da erscheint er auch schon. Er wundert sich, dass man ihm so viel Platz lässt, das kennt der gar nicht. Anschließend schreite ich grinsend durch das Spalier. Selbst die, die Aussteigen wollten – als Erstes stehen an den Türen ja auch immer die Rentner, die sich in ihrem Übereifer schon dreihundert Kilometer vor ihrem Ziel an den Zugtüren aufgestellt haben – halten erschrocken inne. Ich steige ein, hinter mir rückt die mit Gepäck beladene Menschentraube in den Zug. Plötzlich entdeckt mich ein Mann in der Schlange der Aussteigenden. Barsch bölkt er herum: "Heda! Hier wird noch nicht eingestiegen!" Ich bin, so offensichtlich ich auch war, offensichtlich ertappt worden. Und habe allen Grund, ganze Bäche Angstschweiß auszustoßen. Mein Verhalten ist ein Vergehen erster Klasse – das heißt, das dürfen nur die, die ein Ticket erster Klasse haben.
Nebenbei, an den Fahrkarten-Verkaufsschaltern, also da wo einen das Fahrkarten-Auslaufmodell "Mensch" bedient, da müssen sie mal drauf achten, gibt es tatsächlich auch Erste-Klasse-Schalter. Da liegt tatsächlich ein roter Teppich vor, die Beleuchtung ist heller und – Tatsache – die hinter dem Schalter befindlichen Schränke sind nicht grau, sondern Silber lackiert. Und tragen eine große, aufgeklebte 1. Das ist die Wahrheit. Nirgendwo ist das Zwei-Klassen-System noch so plakativ und gleichzeitig so lächerlich wie bei der Bahn. Da hilft auch das Imitieren von Flughafenschaltern nichts. Nach eins kommt null, da bin ich mir sicher.
Zurück zu mir, der ich zum Innehalten gezwungen bin. Lauter bitterbös dreinschauende Augenpaare und einzelne Augen, abgesehen von zwei oder drei Glasaugen, fixieren mich. Dritte Zähne werden gemahlen, Knöchel knacken bedrohlich morsch. Ich weiche zurück. "Hehe, das ist ein Missverständnis, hähä, ich dachte, hier wäre die erste Klasse...." Der Mann brüllt: "Nu mach ma Platz, Bürschchen!" und schon drängt mich die Horde Aussteigender zurück. Ich stolpere auf den Bahnsteig, strauchele, und werde ein Rehkitz in einem Strom Gnus. Man reißt mich mit. Rollkoffer fahren mir über die Füße, Taschen stoßen mir in die Hüften, dicke Körper zerreiben mich zwischen sich wie Zeigefinger und Daumen ein Insekt. Mir gelingt es gerade noch, mich kurz vor den abwärts führenden Treppen an einem Fahrplan-Pfosten festzuhalten, um nicht weiter abgedrängt und von der Masse verschlungen zu werden. Die Masse prügelt sich die Treppenstufen hinab. Eine unten stehende junge Familie, die gerade hoch zum Zug wollte, hat keine Chance mehr. Ich habe sie nie wieder gesehen.
Dann legt sich der Bahnsteigstaub. Fetzen von Taschen und Kleidungsstücken liegen verstreut, dazwischen einzelne menschliche Körper. Sie haben es wohl nicht geschafft. Ich schaffe es, trotz mehrerer paarweise gebrochener Rippen wieder zu atmen und aufzustehen. Um augenblicklich aufs Neue mitgerissen zu werden. Nach der Flut kommt die Ebbe, soll heißen, die Bahnsteigtrauben sind nun an der Reihe, einzusteigen. Bis kurz vor die Türen werde ich erneut mitgespült, doch dann herrschen andere Strömungen. Hier werde ich wieder zurück gedrängt. Erneut fahren mir Ellbogen in weichere Teile meines Körpers und stoßen mich dicke Koffer beiseite. In dieser Hierarchie stehe ich ganz unten. Wo ich doch am liebsten am Rand sein wollte...
Und schon gibt der Zugführer das Signal zur Abfahrt. Nun völlig außer Rand und Band drängeln sich die Zuggnus in die Waggons, als würde mit dem Verbleib auf dem Bahnsteig auch Gevatter Tod neben einem warten. Da der Zug verspätet ist, hat sein Personal es natürlich eilig. Ich humpele auf die Türen zu. Die fangen an, ihr Schließ-Warnsignal zu piepsen. Mit letzter Kraft werfe ich mich hinein – und bleibe stecken. Die Tür scheint kaputt, sie geht weder vor noch zurück. Meine letzten heilen Rippen knacken. Zum Glück haben sie durch das jahrelange Training schon Sollbruchstellen. Der Zugführer bemerkt das Unheil, kommt, guckt böse und steckt seinen Vierkant-Schlüssel in eine Klappe und dreht. Die Tür geht wieder auf, ich kann in den Zug klettern und unter Schmerzen aufatmen. Um mich stehen die Zugreisenden, die gerade dabei sind, von einem Ende des Zuges zum anderen zu wandern, um zu ihren Plätzen zu gelangen. "Ts, ts, ts", zischelt es. "Also sowas" murrt jemand. "Und dabei hat der Zug schon Verspätung", murmelt eine Dame. "Immer diese Jugend!", höre ich eine andere Stimme, "auf den letzten Drücker müssen se in den Zug springen! Können sich nicht mal ordentlich anstellen!"
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Thursday, September 11, 2008
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Zur Abfahrt des Zuges habe ich noch ungefähr minus sechzehn Sekunden Zeit, plus der nun auf der Anzeigetafel wie üblich Dauer-eingeblendeten 5-Minuten-Verspätung. Diese muss jedoch nicht immer zutreffend sein. Wie man die Bahn kennt, gibt sie in uneindeutigen, also fast allen Fällen, nämlich solchen mit nicht genau bestimmbarer Verspätung, nur die Mindestmenge möglicher Minuten an. Früher waren es immer Fünf, heute beherbergen die Flattertafeln auch ein Schildchen mit der Angabe "wenige Minuten später". Das soll beruhigend wirken. Leider verkehrt sich diese Wirkung häufig ins Gegenteil, wenn im Laufe der sich ausdehnenden Verspätung die Minutenanzahl stets schrittweise zur nächsthöheren Zahl aufgerundet wird – meistens aber jeweils nachträglich, wenn sie schon überschritten wurde. Das macht die Sache spannend und reibt die Nerven auf. Man sieht dann wichtige Menschen, also Geschäftsleute und Familienangehörige, ihr Handy heraus holen und ihrem Gesprächspartner jede neue Minutenangabe mitteilen: "Du, Lore, jetzt kommt der Zug circa zehn Minuten später. Tu ma den Langkornreis erst in ner halben Stunde, Okeh? Ja. Alles klar. Bis nachher! Freue mich! Ich dich auch!" ... "Hi, ja, ich nochmal: Der Zug kommt jetzt fünfzehn Minuten zu spät. Ich glaub das dauert noch. Kannst du den Langkornreis erst in ... vierzig Minuten...? Ja, in Ordnung. Bussi!" ... "Hi, ... äh ... ja. dreißig Minuten. Wie, hast du den Langkornreis schon? ... Ja, was soll denn das! Der Scheißreis kann doch noch warten! Ich kann doch nichts dafür, dass ich hier fest hänge ... " Und so weiter. Ich vermute auch hier einen durchaus lukrativen Vertrag der Bahn mit den Mobilfunkanbietern. Wer weiß, vielleicht steht auf den Anzeigetafeln bald: "Diese Zugverspätung wird Ihnen präsentiert von Vodafone!" Man munkelt auch, dass die Anzeigetafeln nach dem Schildchen "ca. zwei Stunden später" ihr Ende finden. So manche Beziehung sicherlich auch, egal ob Geschäfts- oder Privat. Zurück zu mir. Ich beschließe, die unbestimmte Zeit hochflexibel zu nutzen und möchte ich mich am leckeren und modernen Inhalt der zuverlässigen Automaten auf dem Bahnsteig laben. Also schlendere ich eine Weile über den Bahnsteig, hin zu den Bereichen abseits des Hauptstrom-Geschehens. Den Bahnsteigabschnitten D, E und F zum Beispiel, den weit von den Treppen entlegenen, denen der zweiten Klasse, den Zwielichtigen. Hier schlafen übernächtige Diskobesucher, halten sich Menschen auf, die etwas zu verbergen haben, und nicht zuletzt stehen hier die hierhin verbannten Raucher. Und die Süßigkeitenautomaten. Wenn man das Wort rhythmisch spricht, kann man es umso verführerischer klingen lassen: Süßigkeitenautomaten, Süßigkeitenautomaten, Süßigkeitenautomaten, Süßigkeitenautomaten ... Ich erspähe eine leicht vergilbte, dennoch viel versprechende Warenauswahl. Als ich an die Warenverkaufsmaschine heran trete, bemerke ich, dass eine Ware nicht korrekt ausgekoppelt wurde. Am letzten Spinks der Spirale, die durch Eigenrotation die Waren nach vorne befördert, hängt gerade noch so eine Caprisonne. Auf Halbmast am Abgrund. Die will ich ergattern und hoffe auf zwei Stück zum Preis von einer, da durch die Rotation der Spirale die vordere Capri Sonne sofort und anschließend eine weitere Capri-Sonne hinunter fallen müsste. Also schmeiße ich der Maschine fünfzig Cent in den Geld-Schlund und drücke die erforderliche Tastenkombination. Scheiße, falsche Tastenkombination. Eine Packung ominöser Drops, die ich noch nie zuvor gesehen habe, schiebt sich langsam nach vorne, kippt gegen das Sichtglas und – fällt nicht. Vom letzten Spinks der Warenspirale gehalten. Na Toll. Ich stampfe erst auf, dann denke ich "Das kann doch nicht wahr sein!", und denke das ziemlich laut. Jetzt hätte ich gerne eine Automatenguide. Niemand erscheint. Aber ich habe vom letzten Poetry Slam, bei dem es üblich war, dass der Publikums-Pöbel dem bemitleidenswerten Slamgewinner eine almosenartige Spendensammlung zukommen lässt, noch reichlich Wechselgeld. Ich schiebe 50 Cent in den Schlitz und gebe diesmal, die Tasten tief wie ein konzentrierter Grobmotoriker tippend, die Zunge im Mundwinkel, die richtige Tastenkombination ein. Die Capri-Sonne-Reihe bewegt sich. Die Vorderste fällt sofort runter, doch leider wird die Zweite dahinter erneut vom Spiralenspinks aufgehalten. "Das gibt es nicht", denke ich wieder laut. Na gut. Wir können ewig so weiter machen. Ich schmeiße Geld in die Maschine und tippe. Doch das Resultat wiederholt sich. Nach acht Capri-Sonnes habe ich die Schnauze voll, naja, nicht ganz, ich hole neues Wechselgeld. Dazu muss man tief in den Bahnhofsbauch eintauchen. Wo früher einst die Katakomben waren, mit ominösen Lieferwegen, Gepäck-Gängen und Personalbunkern, prangen, seit die Bahn ihre Bahnhöfe neu entdeckt hat, die buntesten, wildesten Fressbuden. Hatte man früher bei Wörtern wie "Smoothies", "LeCroBag", "Mr. Phung" und "Eat Fresh" nur Fragezeichen-Siedlungen verursacht, so kann man sich heute mit den Produkten dieser Marken tot schmeißen lassen. Wenn man das nötige Kleingeld hat. Eine Nische im Bahnhofsbauch ist arschteuer, und aufgrund der Mieten kann man auch beispielsweise den Croissant-Preisen beim Großwerden zusehen. Wie an einer Tankstelle werden sie scheinbar stündlich erhöht. Jaja, am Ende sind die Energiepreise schuld. Ob die ganzen Fressbuden mit ihren Croissant-Öfen und Fruchtshake-Mixern den Lokomotiven wohl den Strom wegnehmen? Jedenfalls ist es sehr schwierig, einen der Händler um Wechselgeld zu bitten. Man muss schon etwas kaufen. Doch genau aus dem Grund halte ich es lieber mit den Automaten. Dort gibt es die Apfelschorle noch für lächerliche ein Euro Fünfzig, während bei den Fressbuden locker das Doppelte verlangt wird. Nachdem ich endlich eine Fressbude gefunden habe, an der man meinen fünfzig-Euro-Schein etwas kleiner macht, betrete ich wieder den Bahnsteig. Und entdecke an dem Automaten ein kleines Mädchen. Es rennt zu seiner Mutter und ruft: "Guck mal, Mama, ich habe zwei Capri-Sonne bekommen!" Ich schreie: "Das heißt Capri-Sonnen! Und das sind meine!" und versuche, der Kleinen die Capri-Sonnen zu entreißen. Ihre Mutter lässt ihre Tasche fallen und gibt mir einen kräftigen Karatetritt vor den Brustkorb, der mir vorübergehend die Luftzufuhr abschneidet und mich mit voller Wucht gegen den Automaten schleudert. Pling, macht es im Automaten. Die Drops-Packung ist runter gefallen. Als ich meinen Atem wiederfinde, keuche ich der Frau ein lapidares "Nichts für Ungut" zu, denke an Langkornreis und hole die Drops-Packung aus dem Automaten. Sie ist grün mit rosa Streifen. Es sind irgendwelche dänischen Malz-oder so-Bonbons und das Verfallsdatum war 1989. Sie schmecken nach altem Bier. In Dänemark heisst Altbier übrigens "Gammelöl". Das trifft den Geschmack noch eher. Ich lutsche die Drops und vernehme schließlich die Ankündigung, dass der Zug, siebenundzwanzig Minuten nach seiner ursprünglichen Abfahrtszeit, nun endlich bereit gestellt wird, nehme meine acht Capri-Sonnen und bewege mich Richtung Mittelbahnsteig.
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Monday, September 08, 2008
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... Hagen ist abgehakt.
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