Edelweißpiraten
aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
|
|
Dieser Artikel befasst sich mit den als Edelweißpiraten bezeichneten Jugendgruppen zwischen 1939 und 1947; zum gleichnamigen Film siehe Edelweißpiraten (Film). |
Die Namensgebung entstammt einer
Verballhornung durch
Gestapo-Beamte um 1939: Das
Edelweiß war eines unter vielen Kennzeichen der nach 1936 verbotenen
Bündischen Jugend. Der Namensteil
Piraten leitet sich von den
Kittelbachpiraten her, einer offiziell bis 1933 bestehenden rechtsradikalen Gruppe in
Düsseldorf, die größtenteils in die
Hitler-Jugend (HJ) oder die
SA abwanderte. Die Vermengung der Begriffe
Edelweiß und
Piraten war daher anfänglich eine Provokation für Jugendliche mit oppositionellem Verhalten, speziell für solche mit Wurzeln in der
Bündischen Jugend, in der linksgerichteten
Naturfreundejugend oder im kommunistischen
Rotfrontkämpferbund, wurde aber von jungen Gruppierungen gegen Ende des Krieges als Selbstbezeichnung gewählt.
Hintergrund
Die wirtschaftliche und gesellschaftliche Hoffnungslosigkeit der Zeit nach dem
Ersten Weltkrieg
brachte für die Jugend Deutschlands massive Probleme mit sich. Während
für wirtschaftlich schwächere soziale Schichten kaum Aussicht auf
Bildung und Arbeit bestand, wurde von der Oberschicht eine Vision der
„Goldenen Zwanziger“ vorgeführt.
Der Ausweg bestand für viele, sich
formellen Gruppen
anzuschließen, die einerseits ein Programm zur Freizeitstrukturierung
anboten und andererseits durch das Erleben von Gruppenzugehörigkeit die
Entwicklung von Selbstdefinitionen zuließen. Jugendbünde aus der
Tradition der
Wandervögel
der Zeit vor dem Ersten Weltkrieg setzten den Schwerpunkt ihrer
Aktionen in Wanderungen und Fahrten in das Randgebiet der großen
Städte, wo in der Natur am Lagerfeuer mit Wandergitarre und Feldkocher
jugendlicher Unabhängigkeitsdrang zelebriert wurde.
Gegen Ende der
Weimarer Republik
wurde die politische Einflussnahme auf alle Jugendgruppen stärker.
Viele Parteien sahen das Heranbilden einer parteitreuen Jugend als
essentiell an. So vielfältig die Parteienlandschaft der Republik war,
so
facettenreich war das
Kaleidoskop der Jugendgruppen.
Neben den Gruppen, die direkt den Parteien unterstanden, den katholischen Gruppen und der den
Naturfreunden unterstehenden
Naturfreundejugend, gab es den breiten Bogen der
Bündischen Jugend.
Diese etwa 100.000 Jugendlichen, zusammengefasst in 1.200 Gruppen,
spiegelten die ganze Bandbreite revolutionärer bis bürgerlicher Ideale
der zu Ende gehenden Republik wider. Gemeinsam hatten sie
Wanderfahrten, formelle
Hierarchie und elitäres Bewusstsein.
Damit standen die „bündischen“ Merkmale in direkter Konkurrenz zur aufstrebenden
Hitler-Jugend unter der Führung des ehrgeizigen
Baldur von Schirach.
Für eine erfolgreiche Ausdehnung der HJ, die von 108.000 Mitgliedern im
Jahr 1932 auf 2,3 Millionen im nächsten Jahr anwuchs, war aber auch
deutlich, dass die HJ auf die Erfahrungen und die persönliche
Beteiligung von Jugendführern der Bündischen Jugend angewiesen war.
Nachdem 1933 der
Großdeutsche Bund, eine Zusammenfassung von etwa 70.000 Jugendlichen aus verschiedenen Bündischen Gruppen, und 1936
alle
Gruppen der „Bündischen“ verboten waren, setzte die Verfolgung der
ehemaligen Mitglieder ein. Regelmäßige Streifen der HJ waren mit
Verstärkung von SA und Gestapo zum Einschreiten legitimiert, wenn es
einen Verdacht auf so genannte „bündische Umtriebe“ gab. Bis 1938
wurden oft Integrationsangebote von den „Bündischen“ wahrgenommen, da
das Image des „jugendlichen Rebellentums“ (Frank Bajohr, in: „
Piraten, Swings und Junge Garde. Jugendwiderstand im Nationalsozialismus“,
siehe Literatur) der HJ noch anhaftete. Auch waren Freizeitangebote und
Aufstiegsmöglichkeiten in der HJ durchaus attraktiv. Nach dieser
Werbungsphase waren die für Jungvolk, BDM und Hitler-Jugend nicht
begeisterungsfähigen Jugendlichen die Hauptfeindbilder des
HJ-Streifendiensts.
Jugendliche, die sich nach 1936 der Zwangsmitgliedschaft zur HJ
entziehen wollten, wurden kriminalisiert. Darunter fanden sich
ausgetretene oder ausgeschlossene ehemalige HJ-Mitglieder, Jugendbanden
im Stile der „Wilden Cliquen“ der Weimarer Republik, regionale
Jugendbanden, illegal weitergepflegte Kontakte zu verbotenen Jugend-
oder
Naturfreundegruppen und letztendlich auch politisch motivierte Widerstandskämpfer.
Regionale Verbreitung und Wirkungskreis
Spätestens ab 1942 kann
Köln
als Zentrum der Edelweiß-Gruppen, wie die bevorzugte Selbstbezeichnung
lautete, mit über 3.000 in Gestapo-Akten genannten Namen gelten. In
Duisburg,
Düsseldorf,
Essen und
Wuppertal stellte die Gestapo bei Razzien 739 vermeintliche Edelweißpiraten. Der
Dortmunder Brüggemannsplatz wurde spätestens 1943 zum Treffpunkt der lokalen Edelweiß-Gruppe.
Typisch für die Namensgebung scheint zu sein, dass die verfolgten
Gruppen schnell die Etikettierung ihrer Verfolger annahmen. So wurden
angeblich unangepasste Jugendliche in Köln von 1933 bis 1941 von der HJ
mit dem Spitznamen „Navajos“ benannt, der von den Verfolgten übernommen
wurde. So verstand ein Gefolgschaftsführer der Nachrichten-HJ 1936
unter Navajos:
- „... solche Personen, die aus der HJ ausgeschlossen sind ... und solche wegen Vergehens gegen § 175.
Jede jugendliche Person, die ein bunt kariertes Hemd, sehr kurze Hose,
Stiefel mit übergeschlagenen Strümpfen trägt, wird von der HJ als
‚Navajo‘ angesehen.“ (Alfons Kenkmann: „Navajos, Kittelbach- und
Edelweißpiraten, Jugendliche Dissidenten im Dritten Reich“).
Über das gesamte Reichsgebiet kann die Gegnerschaft zur HJ als
verbindendes Element angesehen werden, stärker als die Nachfolgeschaft
einer traditionellen verbotenen Jugendgruppe. Die Verhaltensweisen der Bündischen
wurden zwar oft angenommen, ohne aber deren Ursprung zu kennen und ohne
die typische hierarchische Organisation. Dabei suchten manche Gruppen
nach handgreiflichen Auseinandersetzungen mit den Streifen der HJ,
wobei auch Straßenkämpfe aufgrund territorialer Ansprüche gegen andere
Jugendbanden ausgetragen wurden. Andere Gruppen vermieden jeden Kontakt
mit der HJ, insbesondere mit der assistierenden SA.
Äußere Merkmale der Edelweißpiraten
Das Abhalten von Wanderungen und
Fahrten
ins Umland der großen Städte und selten auch in andere Städte gehörte
traditionell zu den freizeitstrukturierenden Aktivitäten der
Jugendgruppen. Dabei wurden Lieder aus der Bündischen Jugend gesungen,
manche von ihnen dichteten diese oder Lieder der verfeindeten HJ in
ironischer Weise um. Teilweise enthielten diese Texte eine derbe
regimekritische Aussage, ebenso entstanden neue Lieder, zum Teil auch
mit politischem Inhalt.
Von den Einheitsuniformen der Hitler-Jugend hoben sich die als Edelweißpiraten bezeichneten Jugendlichen durch einen
eigenen Stil – oft Skihemden,
Wanderschuhe,
Halstuch und kurze
Lederhosen – ab. Teilweise war ihr Erkennungszeichen ein
Edelweiß unter dem linken Rockaufschlag. Oft trug man auch Fantasiekluften, Totenkopfringe, mit Nägeln beschlagene
Gürtel,
Jungenschaftsjacken und benutzte die
Kohte.
Im Gegensatz zur HJ nahmen sie zum Teil auch Mädchen auf. Die HJ
vermutete in deren Mitgliedschaft eine erotisierende Lockvogelfunktion,
die aber eher der Fantasie einiger HJ-Gruppenführer entsprang.
Verfolgung
Je mehr die Gestapo durch Anzeigen seitens der HJ miteinbezogen wurde, desto härter wurde die Verfolgung mit den Mitteln einer
Diktatur.
Verhaftungen, Verhöre, Folter und Einkerkerungen seitens der Gestapo
waren die Folge. Von der Gestapo selbst wurde nahegelegt, dass der
Streifendienst der HJ an sich zu einer Verschärfung der Situation
geführt hatte. Am 1. Juni 1938 wurden neue Richtlinien für den
HJ-Streifendienst erlassen, welche die HJ zum „Einschreiten“ auf
„offener Straße“ und in „geschlossenen Räumen“ ermächtigte.
Unmittelbar nach dem Verbot der Bündischen Jugend wurde der § 175
als Tatbestand missbraucht, um eine gerichtliche Verurteilung zu
erwirken. Dies rührte aus der historischen Rivalität zwischen HJ und
der Bündischen Jugend, deren Mitgliedern pauschal Homosexualität
unterstellt wurde.
Bald wurde von der NS-Gerichtsbarkeit der Tatbestand der „Bündischen
Umtriebe“ geschaffen, der auf breiterer Basis eine Verurteilung von
Verdächtigen ermöglichte. Dennoch war auch die Definition der
„Bündischen Umtriebe“ vage und die Entscheidung lag bei den zuständigen
Gerichten. Bis Kriegsbeginn führten verhältnismäßig wenige Anzeigen zu
einer Verurteilung.
Mit Beginn des
Zweiten Weltkriegs wurden speziell ab 1941 radikalere Verfolgungsmethoden angewandt.
Razzien, Belauschung, Verleumdung, Aufforderung zum Verrat, Nötigung,
Folter
und Gefängnishaft wurden eingesetzt, um regimekritischen Gruppen zu
begegnen. Im Dezember 1942 kam es im Raum Köln zu einer
Verhaftungswelle durch die Gestapo, allem Anschein nach motiviert durch
die im Sommer 1942 angelaufenen Flugblattaktionen einzelner Gruppen.
Der Tatbestand der
Wehrkraftzersetzung, des
Defätismus, der Schwächung der deutschen Volksgemeinschaft, des Widerstands gegen die Gestapo oder des Landes- und
Hochverrates hatten drakonische Strafen von Inhaftierung in
Konzentrationslagern bis zur
Todesstrafe
zur Folge. Die Versetzung zu einem Strafbataillon des Heeres oder der
Kriegsmarine waren für unangepasste junge Männer ein vom NS-Regime
bevorzugtes Mittel zur Ausübung seiner totalitären Macht. Die Einsätze
eines solchen Kommandos kamen einer Hinrichtung nahe.
Bruno Bachler, einer der überlebenden Edelweißpiraten, erzählt, wie
er nach Verbüßung einer Haft im Konzentrationslager einer Strafkompanie
an der
Ostfront zugeteilt wurde, die zum Räumen von
Minenfeldern
benutzt wurde. Das geschah so, dass die Sträflinge Hand in Hand über
ein Minenfeld marschieren mussten, wobei einige von ihnen das Leben
verloren.
Die Anzahl der ermordeten Edelweißpiraten ist unbekannt. Die
Dokumentation über Mitgliedschaft, Aktionen, Verhöre und Hinrichtungen
liegt fast ausschließlich bei den Tätern des NS-Regimes. Die
Jugendlichen führten auch aus Angst vor Verfolgung nicht Buch über ihre
Aktivitäten. Viele der Gruppenmitglieder kannten sich nur mit dem
Spitz- oder dem Vornamen, was wieder ein Schutz bei Folter-Verhören
war. Die vielfältigen Methoden zur Ermordung von Regimegegnern
erschwert ebenfalls die lückenlose Erfassung der Opfer. Es ist
anzunehmen, dass nur eine Minderheit den Zweiten Weltkrieg überlebte.
Aktionen des Widerstandes
Die Ablehnung der Pflichtmitgliedschaft bei der Hitler-Jugend ist
durch den gelebten Widerstand gegen das herrschende Regime bereits eine
Form des Jugendwiderstandes. Die Pflege von illegalen Kontakten und
Aufrechterhaltung von Beziehungsnetzen, dadurch die Beanspruchung eines
eigenen sozialen Raumes kann als Dissidenz und Nonkonformität gesehen
werden. Angriffe auf Repräsentanten des Regimes, wozu auch
HJ-Funktionäre gehören, stellen bereits eine Widerstandshandlung im
engeren Sinn dar (nach Detlev Peukert).
Politisch motivierter Widerstand war insbesondere das Verstecken und
Versorgen von geflohenen Kriegsgefangenen und Juden. Die Edelweißgruppe
Steinbrück und die Edelweißgruppe um Gertrud Köhlem berichten von
Flugblattaktionen. Der Inhalt der Flugblätter war im Vergleich zu den
Schriften der
Weißen Rose
eher einsilbig und sehr kurz. Das lag einerseits in mangelnder
theoretischer Kompetenz, andererseits in praktischen Überlegungen.
Sollte ein Passant ein Flugblatt auf den Stufen des Kölner Domes oder
im Hauptbahnhof aufheben, würde er sich aus Angst vor Entdeckung kaum
die Zeit nehmen, einen längeren Text zu lesen. Ein Text der
Edelweiß-Gruppe um Gertrud Kühlem lautete zu Beginn ihrer
Flugblattaktionen im Sommer 1942 etwa:
- Macht endlich Schluss mit der braunen Horde!
- Wir kommen um in diesem Elend. Diese Welt ist nicht mehr unsere
Welt. Wir müssen kämpfen für eine andere Welt, wir kommen um in diesem
Elend.
Als „Scheißflugblatt“ wurden solche Texte bekannt und stellten eine besondere Provokation für die Gestapo dar:
- So braun wie Scheiße, so braun ist Köln. Wacht endlich auf!
Mit Schulkreide wurden
Parolen
an Eisenbahnwaggons und Hauswände geschrieben. Dabei wurden Parolen der
Wehrmacht umgedeutet. Eine solche Parole findet sich in die Mauer
eingraviert in einer Gefängniszelle des Kölner
EL-DE-Hauses, in dem Mitglieder von Edelweiß-Gruppen inhaftiert, verhört und gefoltert wurden:
- Kinder müssen kommen in den Krieg
- Räder müssen rollen für den Sieg
- Köpfe müssen rollen nach dem Krieg
und direkt darunter:
- Ihr könnt mich nicht, wenn ich nicht will!
Fortsetzung der Kriminalisierung und das Vergessen der Edelweißpiraten nach 1945
Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde der Begriff Edelweißpiraten von
einigen nationalsozialistisch geprägten Jugendlichen weiter verwendet,
die in der
sowjetischen Besatzungszone
teilweise gewaltsamen und bewaffneten Widerstand gegen die Besatzer
leisteten. Die Edelweißpiraten an Rhein und Ruhr existierten noch bis
etwa 1947.
Nach der Befreiung ging für viele Edelweißpiraten, vor allem für die
aus den Arbeiterkreisen, der Überlebenskampf weiter. Als Gruppen waren
und blieben sie aufgelöst, einige behielten soweit wie möglich ihre
Vorlieben bei, beispielsweise als
Tramps
zu reisen. Kaum geändert hatte sich allerdings die personelle
Zusammensetzung der Ermittlungsbehörden, in denen oft ehemalige
Gestapo-Beamte ihren Dienst versahen, und der Gerichte. Das Verhalten
der Edelweißpiraten wurde auch von den amerikanischen
Besatzungsbehörden nicht akzeptiert und führte in zahlreichen Fällen zu
erneuten Verurteilungen und Haftstrafen.
Betroffene, die eine Entschädigung anstrengten, wurden von der
Wiedergutmachungsbehörde mancherorts eingeschüchtert. Jean Jülich
berichtet von solchen Versuchen seitens des damaligen Dezernenten des
zuständigen Amtes. Dieser habe ihm angeblich offen zu verstehen
gegeben, dass Edelweißpiraten für ihn „Krahde“, also Dreck und Pöbel
seien, dessen Züchtigungen durch die Hitler-Jugend er für sinnvoll
gehalten habe.
Seit den 1980er Jahren veröffentlichten einige Edelweißpiraten
biografische Texte, die die Ermittlungsprotokolle der Gestapo und der
Nachkriegszeit um einen für die historische Forschung wichtigen
Blickwinkel ergänzten.
Späte Ehrungen und Rehabilitierung
Gedenktafel für Opfer des NS-Regimes
In Köln-Ehrenfeld erinnert seit dem 9. November 2003 eine
Gedenktafel an die hingerichteten Edelweißpiraten. Die Tafel ist an den
Bögen der Bahnunterführung in der Schönsteinstraße, Nähe Venloer
Straße, angebracht – in der Nähe, in der heutigen
Bartholomäus-Schink-Straße, hat die Hinrichtung stattgefunden. Die Tafel war schon Jahre vorher fertiggestellt worden, aber auf Druck der
CDU
wieder abgenommen worden. Die CDU hat seit Kriegsende die Anerkennung
der Edelweißpiraten als Widerstandskämpfer zu verhindern versucht,
teilweise mit Argumenten, die direkt aus Gestapo-Verhörprotokollen
zitiert wurden.
Die Inschrift der Gedenktafel in der Schönsteinstraße lautet:
- Hier wurden am 25.10.1944 elf vom NS-Regime zur Zwangsarbeit
nach Deutschland verschleppte Bürger Polens und der UdSSR und am
10.11.1944 dreizehn Deutsche – unter ihnen jugendliche Edelweißpiraten
aus Ehrenfeld sowie andere Kämpfer gegen Krieg und Terror – ohne
Gerichtsurteil öffentlich durch Gestapo und SS gehenkt.
2005 wurden die Kölner Edelweißpiraten von offizieller Seite rehabilitiert:
„Die Verwaltungsbehörden behandelten uns zwar als Opfer eines
Unrechtregimes, aber nicht als Angehörige des politischen Widerstandes.
Auch die Bezirksregierung Köln, die damals für das
Bundesentschädigungsgesetz zuständig war, stufte die
Edelweiß-Mitglieder nicht als politisch Verfolgte ein. Erst am 16. Juni
2005 wurden wir im Plenarsaal des Kölner Regierungspräsidiums im Rahmen
eines Festaktes als Widerstandskämpfer anerkannt.“ (Gertrud Koch, geborene Kühlem)
Die Aktionen der Edelweißpiraten wurden mittlerweile Gegenstand eines Theaterstückes und des Kinofilms
Edelweißpiraten aus dem Jahr 2005. Seit Juni 2005 findet im Kölner Friedenspark ein jährliches
Edelweißpiratenfestival statt.
Vier ehemalige Mitglieder dieser Gruppe wurden 2008 mit der
Heine-Büste der Stadt Düsseldorf ausgezeichnet. Die vom Düsseldorfer
Freundeskreis Heinrich Heine verliehene Auszeichnung ehrt Gertrud Koch,
Jean Jülich, Wolfgang Schwarz und Fritz Theilen für außerordentliche
Aktivitäten im Sinne des kritischen und widerständigen Geistes des
Dichters
Heinrich Heine.
Siehe auch
Literatur
Wilfried Breyvogel (Hrsg.):
Piraten, Swings und Junge Garde. Jugendwiderstand im Nationalsozialismus. Dietz, Bonn 1991,
ISBN 3-8012-3039-2Alexander Goeb:
Er war sechzehn, als man ihn hängte. Das kurze Leben des Widerstandskämpfers Bartholomäus Schink. Rowohlt, Reinbek 2001,
ISBN 3-499-23026-7Matthias von Hellfeld:
Edelweißpiraten in Köln. Jugendrebellion gegen das 3. Reich. Pahl-Rugenstein, Köln 1983,
ISBN 3-760-90787-3Jean Jülich:
Kohldampf, Knast un Kamelle. Ein Edelweißpirat erzählt sein Leben. KiWi, Köln 2003,
ISBN 3-462035-40-1Alfons Kenkmann:
Wilde Jugend. Lebenswelt großstädtischer Jugendlicher zwischen Weltwirtschaftskrise, Nationalsozialismus und Währungsreform. Klartext-Verlag, Essen 2002,
ISBN 3-89861-086-1Arno Klönne:
Jugendliche Opposition im „Dritten Reich“. Landeszentrale für politische Bildung Thüringen 1996
[1]Gertrud Koch:
Edelweiß. Meine Jugend als Widerstandskämpferin. Rowohlt, Reinbek 2006,
ISBN 3-499-62093-6Detlev J. Peukert:
Die Edelweißpiraten. Protestbewegung jugendlicher Arbeiter im „Dritten Reich“; eine Dokumentation. Bund-Verlag, Köln 1988,
ISBN 3-7663-3106-XKurt Piehl:
Geschichte eines Edelweißpiraten. Brandes & Apsel, Frankfurt/M. 1988
Kurt Piehl:
Schieber, Tramps, Normalverbraucher. Unterwegs im Nachkriegsdeutschland. Brandes & Apsel, Frankfurt/M. 1989,
ISBN 3-925798-89-7Christian Schott, Sven Steinacker:
Wilde Gesellen am Wupperstrand, verfolgt von Schirachs Banditen. Jugendopposition und -widerstand in Wuppertal 1933–1945. Edition Wahler,
ISBN 3-9808498-8-0
Weblinks
Wikipedia-Link: http://de.wikipedia.org/wiki/Edelwei%C3%9Fpiraten