Gender: Male
Status: In a Relationship
Age: 100
Sign: Libra
City: Berlin
State: Berlin
Country: DE
Signup Date: 2/12/2007
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Monday, December 21, 2009
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Ich sitze in dieser Karaoke Bar in Mannheim. Eigentlich bin ich auf eine Hip Hop Convention eingeladen. Eine Veranstaltung, auf der ich darüber reden sollte, wie man Hip Hop zum Beruf macht. Als ob ich so etwas wüsste. Torch war auch eingeladen, hat aber abgesagt, da er nicht mit mir in einem Raum, geschweige denn auf einer Bühne sitzen sollte. Das finde ich traurig und so sitze ich alleine hier. In dieser Karaoke Bar. Wie ich hierher gekommen bin, weiß ich nicht mehr genau. Irgendwann stand ich in dieser stinkenden Unterführung, die von den Mannheimern nur Borelligrotte genannt wird und genau so sah es auch aus. Spielotheken, abgeranzte Kaschemmen, schmierige Schnellgaststätten. Ich entschied mich für Shoshun oder so ähnlich. Zumindest sah dieses Karaokebar noch einigermaßen nach einer öffentlichen Lokalität aus. In einer anderen Bar hatten Frauen hinter dem Tresen ihr Geld gezählt und mich keines Blickes gewürdigt und wieder eine andere machte gerade Feierabend. Insofern blieb eben nur Shoshun übrig.
Wenn ich einen Film drehen wollte, der Sin City Mannheim hieße - er müsste hier spielen. Hier und nirgendwo anders. So etwas kaputtes gibt es noch nicht einmal in Berlin, dachte ich als ich die Tür öffnete. - Ein Traum in rot. Schummriges Licht. Lametta am Tresen und Spiegel. Drei Frauen drängelten sich um ein Mikrofon – das ist ein Puff. Dachte ich. Ein Puff. Ich setzte mich.
Die Frau, die kam, um die Bestellung aufzunehmen, sah aus, als hätte man ihr zwei mal ins Gesicht geschnitten. Tiefe Furchen gruben sich von ihren Nasenflügeln schräg an ihrem Mund vorbei. Ehrlich gesagt hatte ich noch nie ein ähnlich hartes Gesicht gesehen. Ich bestellte einen Wodka Red Bull. Schräg gegenüber von mir saßen zwei Männer, gelangweilt und mit ausgestreckten Beinen. Sie hatten jeder ein Bier vor sich stehen und sie sprachen nicht. Sie saßen einfach nur da, schauten auf die Frauen am Mikrofon und sagten keinen Ton. Irgendwie sahen sie aus, als müssten sie ihre Zeit abarbeiten und als würden sie sich auf ihren baldigen Feierabend freuen. Ab und zu schaute einer von ihnen auf die Uhr.
Ein schwarzer Mann in einer dicken Skijacke saß in der Sitzecke links von mir. Auch er wartete und beobachtete die drei Frauen, die nun abwechselnd in das Mikrofon sangen. Mein Getränk kam. Es schmeckte nach Mundgeruch. Ich glaube, die Red Bull Dosen im Kühlschrank waren lediglich Attrappe. In Wirklichkeit wurde mir der original thailändische Energydrink verabreicht. Der Drink, den Red Bull einfach geklaut und zu Geld gemacht hat. Tausend mal stärker als Red Bull und ab dem zweiten Drink schon überdosiert. Ich hatte ein bisschen Angst, das Getränk zu trinken. Diese Rache der dritten Welt. Man wusste ja nie, in solchen Läden und irgendwann würde ich am nächsten Morgen neben einer zierlichen Frau aufwachen, nackt und ohne Geld, mit einer balinesischen Klinge am Hals und ich würde meinen Hip Hop Vortrag verpassen und Torch hätte doch kommen können, weil ich ja schließlich gar nicht da war. So würde es enden und ich nahm noch einen Schluck. Es schmeckte besser. Ein bisschen.
Die drei Frauen am Mikrofon standen in der Nähe eines Tisches, an dem drei Jugendliche saßen. Ein deutscher und zwei Ausländer. Die Ausländer hatten so komische, schwule Vokuhila Frisuren und sahen aus wie die letzten Idioten. Der eine von ihnen war ungefähr 20 Zentimeter breit, winkelte aber seine Arme so breit an, das er kaum durch die Tür passte, als er kurz mal aufs Klo ging. Der andere war ein bisschen unauffälliger. Der Deutsche hatte ebenfalls eine sehr dicke Skijacke an und eine Wollmütze auf dem Kopf. Anscheinend wollte er gehen. Das machte er aber schon seit einer halben Stunde und die Damen waren eifrig darum bemüht, dass er bliebe. Offensichtlich wollten sie nicht mit den zwei Hahnenköpfen alleine bleiben und witterten beim Deutschen noch ein Geschäft. Dieser genoss die Situation sichtlich, verabschiedete sich ungefähr zehn mal von derjenigen, die er offensichtlich am heißesten fand. Mit zufälligem "ich leg dir jetzt mal die Hand auf den Arsch“ Berührungen und "ich lass mich gerne auch mal zurückziehen, wenn ich gehen will.“ Leider war es aber eine andere, die ihn gerne klar gemacht hätte und nicht die, auf die er es abgesehen hatte und die etwas rundlichere Frau um die 40, dick geschminkt mit ausladendem Dekolté stand irgendwie dazwischen. Ganz habe ich die Geschäftstaktik der drei Frauen nicht verstanden, denn so richtig schienen sie jetzt auch nicht mehr zu wollen. Zumindest ließen ihre Handlungen etwas an Konsequenz und Zielstrebigkeit vermissen.
Wie mir später glaubhaft versichert wurde besitzt Shoshan, oder wie der Laden auch immer hieß, ein Hinterzimmer, in dem man zur Tat schreiten konnte. Ich stelle mir dieses Hinterzimmer als einen gekachelten Raum mit einer Massageliege drin vor. Die Liege ist mit einem abwaschbaren Material bezogen und an der Decke klebt eine schmutzverkrustete, mit Staubfäden bedeckte Neonröhre. Vielleicht kannten die Jungs das Hinterzimmer schon und waren deshalb nicht gerade erpicht darauf? Vielleicht waren die Damen heut eher ein bisschen romantisch drauf, auf jeden Fall ging das ganze ziemlich lange und ohne Zielführung ziemlich unbestimmt hin und her. Die Frau, an den Plattentellern, feuerte einen thailändischen Hit nach dem anderen ab. In einer Ecke, ganz hinten im Raum standen drei Spielautomaten. Dort saß eine andere Frau und blickte in das harte blaue Licht des Display. Der Bildschirm beleuchtete ihr starres, faltiges Gesicht. Die Augen waren fest auf die rotierenden Scheiben vor ihr gerichtet. Ich konnte nicht erkennen, ob sie gewann oder verlor.
Die Frau war alt und als sie zwischendurch aufstand, um sich am lamettabehängten Tresen Wechselgeld zu holen hinkte sie, in ihrem schwarzen, langen Mantel. Ich stellte mir vor, dass diese Frau vielleicht gar nicht aus Thailand sondern aus Vietnam kommt und wie diese Frau vor 40 Jahren beim Vietkong gekämpft hat. Die Messer, die sie damals amerikanischen Soldaten in den Leib gerammt hat, hat sie immer noch. Den Hass, den sie auf die Besatzer hatte, die ihre Schwester mit Napalm verbrannt und ihre Eltern mit Agent Orange vergifteten, diesen Hass den spürt sie heute noch. Auf irgendeinem Schiff, unter irgendwelchen Umständen kam sie nach Deutschland. Heute arbeitet sie in einem Imbiss und verspielt ihren kargen Lohn in dieser Bar. Jetzt hinkt sie zurück an ihren Platz und so würde sie sitzen bleiben bis fünf Uhr morgens. Tod den Besatzern. Es lebe der Vietkong!
Zwischen den Vokuhilas und den Frauen gab es mittlerweile Streit. Die Frauen sprachen von Tanzen, die jungen Idioten verstanden Ficki Ficki. So ungeschminkt wollten die Frauen aber nun doch nicht darauf angesprochen werden und irgendwie fanden sie das ein wenig scheiße. Aus dem Hintergrund löste sich deshalb mit einem mal ein etwas untersetzter Herr, dem das aufgeknöpfte, weinrote Hemd über seinem Kugelbauch spannte. Am Hals baumelte ein fetter goldener Panther und seine schwarzen, gelockten Haare, waren triefend vor Öl nach hinten gegelt. Der Mann klärte die Situation mit einer Schnelligkeit, wie es nur Männer können, die schon viele, derartige Situationen geklärt haben. Alles nur ein Missverständnis und die schmierigen Jungs hoben beschwichtigend die Arme und die Damen waren noch ein bisschen beleidigt, hatten aber nun auch allen Grund, für den Rest des Abends Feierabend einzuläuten, denn auch der härteste Zuhälter dürfte nun einsehen, dass mit den Jungs hier nichts gehen würde. Der Deutsche streichelte noch ein bisschen weiter. Verabschiedete sich. Kam wieder, um noch mal kurz Tschüss zu sagen. Den Rosenhändler, dem er mittlerweile eine Rose abgekauft hatte und seine Auserwählten schenkte, hatte ich gar nicht kommen und gehen sehen. Offensichtlich aber muss er da gewesen sein, denn plötzlich hatte die eine, diese zellophanverpackte Blume in der Hand und der Mann mit dem Kugelbauch brachte eine Runde Tequila. Die Situation entspannte sich und als die Damen wieder zum Mikrophon griffen, sprang er auf die kleine improvisierte Bühne und tanzte mit ein paar lasziven Hüftbewegungen ein paar Takte zur Musik.
Auf der Leinwand, die mitten im Raum herabgelassen war und auf der man die Songtexte nachlesen konnte, der Titel, die man karaokesk vortragen wollte, trafen sich zwei unglaublich hübsche Thai Menschen in einem Park. Schöne Thai Mädchen schauten glutätugigen Thaischauspielern aus fahrenden Autos hinterher. Wunderschöne Thai Paare liebten sich im Sonnenuntergang. Junge Studenten, im Glück ihrer ersten Liebe, hüpften in Zeitlupe durch sattgrüne, sonnendurchflutete Thaigärten und Frauen in weißen Handtüchern empfingen in weißen, strahlenden Traumvillen ihren Traumprinzen. Die Frauen in der Bar standen am Mikrofon. Den Blick auf die Leinwand gerichtet. Die Musik war lieblich und süßlich und ihre Füße bewegten sich auf dem schmutzigen Boden der Shoshon Karaoke Bar in Mannheim im Takt. Und sie sangen.
Es war halb drei Uhr morgens. Draußen war es erbärmlich kalt. Ich lehnte mich nach hinten und schaute zur Decke und sah die Lüftungs- und Abwasserrohre. Irgendjemand hatte sie vor sehr, sehr langer Zeit einmal schwarz gestrichen. Ich sah nach oben und zwischen dem Dreck und dem glänzenden, schwarzen Lack, sah ich die Träume und Sehnsüchte der Menschen, die sie hier verloren hatten. Tausende kleiner Geschichten und Wünsche tummelten sich dort oben zwischen den Rohren und Leitungen und ich wusste, dass kein einziger je wieder zu ihrem Besitzer zurück kehren würde. Die Wünsche und Gedichte, die Liebe und die Gefühle, die sie hier verloren hatten würden sie nie wieder zurück bekommen. Und mein Blick landete auf der Leinwand, wo gerade ein junger Mann, eine junge Frau küsste und beide schauten sich lange und verliebt in die Augen. Dazu sang die Frau mit der Brille gerade den letzten Ton und hinter ihr saß, der Junge mit der Mütze und der dicken Jacke, der Junge, der eigentlich schon längst gegangen sein wollte, streichelte sie sanft an der Innenseite ihrer Schenkel und hatte den Kopf an ihren Rücken gelehnt.
Es war Zeit nach draußen zu gehen. In die Kälte von Mannheim. Die Stadt, die aus Quadraten besteht. Das neue Jerusalem. Die Stadt Gottes.
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Sunday, December 13, 2009
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Neulich machte meine Kollegin Lisa von rap.de den Vorschlag, dass wir einfach mal alles aufschreiben, was wir so wissen, also alle Geheimnisse, die uns über die Jahre so zugetragen wurden, das Ganze dann veröffentlichen in einem großen Schwarzbuch der Deutschen Hip Hop Szene und danach setzen wir uns dann ganz gepflegt in Richtung Südamerika ab. Das halte ich prinzipiell für eine erstklassige Idee, doch leider beschäftigen wir uns nicht mit Callgirl-Ringen in die hochrangige Politiker oder Herren aus der Hochfinanz verwickelt sind und so wäre der Aufschrei über unser brisantes Material wahrscheinlich relativ leise in der bundesrepublikanischen Gesellschaft, nicht zuletzt deshalb, weil unser Gegenstand der Betrachtung eben Deutsch-Rap heißt. Da ist man erstens einiges gewohnt und zweitens interessiert das nur noch eine überschaubare Menge an Menschen. Trotz allem sind ja hin und wieder ein paar Überschriften dabei, die man auch in der normalen, sprich bürgerlichen, sprich Nicht-Hip-Hop-Presse findet. So zum Beispiel die Schlagzeile " Kölner Rap-Szene bedroht Bushido“ im Kölner Express vom 03.12.2009. Dort droht ein gewisser Ercan S. genannt Ekko dem Rapper Bushido mit Gewalt, falls dieser zu seinem Konzert am 14.12.2009, also heute, in Köln auftaucht und spricht im Zuge des Artikels auch ein " Stadtverbot“ gegen diesen aus. Hintergrund der Streitigkeiten sollen angeblich Texte gewesen sein, die Bushidos Kollege, Freund und " Ghostwriter“ Kay One, für sogenannte " Kölner Rapper“ geschrieben haben soll. Insgesamt sollen es 55 Stücke gewesen sein und Kay One soll von den besagten Kölner Rappern 34.000 Euro dafür bekommen haben. Leider aber, habe Kay One diese Texte dann wiederum zweitverwertet und diese an andere Berliner Rapper ein weiteres mal verkauft. Daraufhin wollten die Kölner ihr Geld zurück, aber jetzt wollen sie es nicht mehr zurück, jetzt geht es um die Ehre und deshalb wurde Ercan S. eingeschaltet, der sich in einem anderen Artikel des Kölner Express als " Pate der Kölner Unterwelt" bezeichnete und dort schon damit drohte, dass jeder, der ihm im Weg steht, aus dem Weg geräumt werden würde. ( Kölner Express vom 02.09.2009) Die Meldung vom " Stadtverbot“ war dann so heiß, dass sie es in diverse Hip Hop Medien und Blogs geschafft hat und auch rap.de wäre gerne bereit gewesen darüber zu berichten, weil wir Meldungen über " Stadtverbote“ und ähnliche Sachen ja geradezu lieben, aber leider haben wir angefangen darüber nachzudenken und uns ein paar Fragen gestellt. Erstens: Wer sind die ominösen Kölner Rapper? Gerüchtemäßig deutet die Spur im Internet relativ schnell und eindeutig auf die La Honda Boys hin. Nun hat La Honda ja traditionell ein besonders herzliches Verhältnis zu Bushido und würde deshalb mit einiger Wahrscheinlichkeit NICHT unbedingt Kay One als Texteschreiber engagieren. Ist so unsere Meinung dazu, zumal sie ja auch in Eko Fresh den talentierteren Ghostwriter an der Hand hätten. Aber wer sind wir, dass wir so etwas sagen dürfen? Wir können uns natürlich auch täuschen. Zweitens: Welche deutschen Rapper geben 34.000 Euro für Texte aus? La Honda? Warum? Der Verkaufserfolg ihres letzten Albums hielt sich definitiv in Grenzen. Kann sein, dass das ausschließlich an den Texten lag, aber ich glaube, es ist nicht allzu gewagt, wenn ich jetzt behaupte, dass auch Aussehen und Auftreten der Jungs nicht unbedingt TOP 10 tauglich ist. Mag sein, dass ich mich hier ebenfalls täusche, aber ich sag’s jetzt einfach mal so. Drittens: 34.000 Euro? Für Texte von Kay One????? Sind 34.000 Euro für Kay One Texte gerechtfertigt? Ehrlich gesagt haben wir darüber nicht allzu lange nachgedacht, aber irgendwie kann ich mich nicht mehr an die Antwort erinnern. Ich glaube wir kamen zu dem Schluss, dass sie es definitiv wert sind! Auf jeden Fall! Und wenn ich sonst kein Geld hätte, Texte von Kay würde ich auf je-den Fall kaufen! Immer! Auch für 34.000 Euro. Viertens: An welche Berliner Rapper wurden die Texte dann ein zweites mal verkauft? Ähm also... Kein Plan! Fünftens: Warum wollen die " Kölner Rapper“ jetzt ihre Kohle nicht mehr zurück? Schließlich handelt es sich bei diesem Deal nicht um einen Kokaintransfer, bei dem man bei Unregelmäßigkeiten nicht unbedingt einen Anwalt einschalten oder zur Polizei gehen kann und deshalb alles selbst erledigen muss. Nein. Bei diesem Geschäft handelt es sich um eine legale Transaktion und wenn die Lieferung nicht mit den Abmachungen übereinstimmt, na dann legt man Rechtsmittel ein! Da geht! Das funktioniert auch! Glaubt mir! Sechstens: Wie kann sich ein Mensch gegenüber der Presse hinstellen und in Interviews behaupten, er sei der Chef der Kölner Unterwelt, ohne dass er sofort das gesamte Kölner LKA auf dem Hals hat? Kurzes Zwischenspiel. Damit wir die Proportionen nicht aus den Augen verlieren! Ich war neulich in Stuttgart, habe eine Freundin von mir auf dem Land besucht und zwei sehr schöne Tage verbracht. Dann bin ich mit der S-Bahn über Ludwigsburg nach Kornwestheim gefahren und irgendwann, stand ich an einer Straßenkreuzung, habe auf die Lichter hinter den Fenstern geschaut und mir gedacht: Hier wohnen ganz normale Menschen. Menschen, die mit Hip Hop und " Stadtverboten“ nichts zu tun haben. Menschen, die keine Menschen kennen, die mit Messern in der Tasche rumlaufen und mit 35 noch jeden boxen, der ihr Piece gecrosst hat. Menschen, die von Beefs und Disses nichts wissen. Menschen, die nicht ihr illegal generiertes Geld in Spielotheken verprassen, sondern, die ganz normal arbeiten gehen und Feierabend-Bier trinken. Ich will natürlich nicht wissen, was hinter der Fassade der heilen Welt so abgeht? Ich will auch nicht wissen, wie viel Frustration da drin steckt und wie viel Angst, weil morgen bei Daimler oder der Allianz oder sika-Chemie wieder ein paar Stellen gestrichen werden? Ich will auch nicht wissen, wie viel versteckte Aggression und Gewalt in solchen Familien herrscht, besser gesagt, das weiß ich nur zu gut. Trotz allem, beschäftigen sich diese Leute nicht mit solch absonderlichen Geschichten wie " Der Pate von Köln gibt Bushido Stadtverbot“. Ich glaube wenn ich diesen Leuten von so einer Stadtverbotgeschichte erzählen würde, dann würden sie mich anschauen und sie würden sogar versuchen zu lächeln. Sie wären bestimmt höflich und sie würden so tun als ob sie es verstehen würden. Aber ich könnte in ihren Augen sehen, dass sie denken, dass ich sie verarschen will. Sie würden es einfach nicht glauben. Zu recht! Andere Geschichte. Ich war heute Nachmittag beim Adventsnachmittag der katholischen Kirchengemeinde Herz Jesu in Berlin Prenzlauer Berg. Wenn man Kinder hat, kommt man in die absurdesten Situationen. Aber ok. Es war nett. Die Menschen waren freundlich. Es gab Kartoffelsalat und Würstchen und Kaffee und Kuchen und Plätzchen und Stollen und ein paar Kinder haben Musikstücke aufgeführt. Dann gab es ein kleines Theaterstück und man hat gemeinsam Adventslieder gesungen. Paare waren da, mit ihren Kindern und man sah, dass die zusammen bleiben wollen, ihr ganzes Leben lang und natürlich sahen alle ein bisschen scheiße aus und so richtig stylisch war das nicht. Nein. Aber hey! Keiner wollte den anderen abstechen. Keiner hat den andern Hurensohn genannt. Keiner wollte irgendjemanden schlagen, weil der Spast nicht in den Gemeindesaal kommen darf. Als mich einer anrempelte und meinen Kaffee verschüttete, hat er sich tausend mal entschuldigt. Ich meine, der Kaffee war umsonst. Es war nichts passiert. Alles war gut, aber alle waren darum bemüht, dass sich die anderen wohlfühlten. Warum nicht? Versteht ihr, was ich meine? Das ist nix Schlechtes, auch wenn die Menschen dort vorwiegend beige und braune Klamotten anhaben. Na und! Deshalb kann ich dann auch die Reaktion eines anderen Kölner Rappers, verstehen, der zu mir am Telefon meinte, dass er keinen Bock mehr auf dieses ganze Gang Zeug hat und ähnlich wie Savas, nach Schwaben ziehen will, um nur noch Musik machen zu können. Auf die Frage, was er denn vom " Paten von Köln“ halte und vom "Stadtverbot“, hat er nur gemeint, dass nicht jeder, der mal eine Oma überfallen hat, gleich ein Pate ist und dass es sowieso nur einen Boss in Köln geben würde: " Der größte Pate von Köln ist die Polizei!“ In diesem Fall haben wir den Paten von Köln denn auch angeschrieben und ihm vier Fragen gestellt. Der Pate war sehr wohlwollend und hat alle Fragen beantwortet, wenn auch hin und wieder ein bisschen ausweichend. Aber so sind sie, die Paten, immer ein bisschen geheimnisvoll. Wir wollten wissen: 1. wie schätzt die kölner polizei die gefahrenlage bei der veranstaltung am 14.12.2009 ein?
2. erwägt die kölner polizei, die veranstaltung abzusagen? unter welchen umständen würde dieser schritt unternommen?
3. wird gegen ercan s. strafrechtlich ermittelt? schließlich handelt es sich bei den getätigten äußerungen ja um bedrohung und nötigung.
4. welche maßnahmen werden am veranstaltungstag ergriffen?
5. welche rolle spielt ercan s. tatsächlich in der kölner unterwelt?
Und das sind die Antworten vom Leitungsstab – Pressestelle, Polizeipräsidium Köln Zu 1 und 4. Die Veranstaltung ist hier bekannt. Die zuständige Polizeiinspektion ist zur Veranstaltung präsent. Sie verstehen, dass wir zu konkreten polizeilichen Maßnahmen keine Auskünfte geben.
Zu 2. Da es sich um eine private Veranstaltung in der Live-Music-Hall handelt, liegen die Sicherheitsvorkehrungen beim Veranstalter.
Zu 3. Bei dem Verdacht auf strafrechtliche Relevanz ist die Polizei nach dem Legalitätsprinzip verpflichtet, eine Strafanzeige zu fertigen. Zu möglichen laufenden Strafverfahren gegen Personen können wir keine Angaben machen. Wenden Sie sich mit dieser Frage bitte an die zuständige Staatsanwaltschaft in Köln.
Zu 5. Der von Ihnen gewählte Begriff "Unterwelt" ist interpretationsfähig. Wenn Sie den Artikel über den angeblichen "Paten von Köln" in der Tageszeitung "Express" meinen, der Inhalt entbehrt jeder Grundlage.
Feundinnen und Freunde. Merkt ihr was? Es mag in diesem Land Vereinigungen geben, die mit dem Rechtsstaat nicht konform sind. Es mag in diesem Land auch Menschen geben, die gewollt oder ungewollt kriminell geworden sind und in Milieus arbeiten, die außerhalb von rechtsstaatlichen Regeln arbeiten. Aber: WAS HAT DAS MIT RAP ZU TUN und warum mischen da jetzt irgendwelche Paten mit, die laut Aussagen der Polizei gar keine sind? Und warum bekommt das Schlagzeilen und warum in Hip Hop Blogs? Im Gegensatz zu Fler, der in einem Interview mit rap.de behauptet hat, dass ein Großteil, wenn nicht sogar die Bevölkerungsmehrheit in Deutschland von illegalen Geschäften lebt, behaupte ich, dass es nicht so ist. Ich glaube, dass die Bevölkerungsmehrheit in diesem Land immer noch auf legalem Weg ihr Geld verdient und schlicht und ergreifend arbeiten geht. Alles andere ist eine Illusion und nur, weil wir ständig davon lesen, ist das nicht die Realität! Genauso wenig darf es zur Realität werden, wenn Bushido’s Freunde den Moderator Patrice mit Schlägen drohen, weil dieser anscheinend zu frech geworden ist, was ja auch in Bushido’s Buch beschrieben wurde. Das geht nicht! Die Realität existiert und sie ist weit weniger spektakulär als Stadtverbote zu erteilen oder Moderatoren zu ohrfeigen. Die Realität existiert und sie ist vielleicht weniger spannend, dafür aber auch weniger geistesgestört. Wenn man mal kurz innehält, verschnauft und darüber nachdenkt, dann kommt man da auch von selbst drauf. Bis dahin, staiger
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Tuesday, December 01, 2009
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Seit einer Woche schlage ich mich mit dem Gedanken herum, etwas zum Thema Leidenschaft zu schreiben. Das liegt daran, dass ich vor genau einer Woche Besuch hatte, mit dem ich leidenschaftlich in eine tiefes Wodkaglas gefallen bin und wir uns um halbein Uhr nachts mit ausgestreckten Fingern, über dem Tisch liegend, gegenseitig in die glasigen Augen blickten und uns mit ernster Stimme ermahnten, dass wir nur deshalb so coole Typen geworden sind, weil wir eine Leidenschaft entwickelt haben. Weil wir so leidenschaftlich geile Hip Hopper geworden sind und deshalb dieses großartige Leben führen, das wir führen. Das war schön und gewissermaßen eine Sternstunde des persönlichen Daseins, weil man in diesem Moment gar nichts mehr dafür tun musste und genau wusste, dass trotzdem alles seine Richtigkeit hat. Irgendwann beschlossen wir vollkommen leidenschaftlich im nächsten Jahr, eine Dolomitenwanderung zu machen, aber das ist dann glaube ich eine andere Geschichte. Bleiben wir also noch einmal kurz beim Thema Leidenschaft hängen und wie gewisse Leidenschaften unser Leben verändern.
Was passiert mit Menschen, die leidenschaftlich gerne Modelleisenbahnen sammeln? Was passiert mit Leuten, die leidenschaftlich gerne foltern? Sind alle Mensche, die leidenschaftlich gerne Hip Hop hören gleich und meine Freunde?
Mein Besucher meinte, dass es ihm egal sei, welcher Leidenschaft ein Mensch frönt (übrigens ein Wort, das ich, glaube ich noch nie geschrieben habe) Hauptsache er hat überhaupt eine. Diese Aussagen mag aber wiederum an der Situation meines Besuchers liegen, da er Menschen kennt, die leidenschaftlich gerne auf der Couch liegen, was so viel bedeutet, dass dieser Menschen offensichtlich KEINE Leidenschaft besitzt. Mein Besucher meinte dann, im fortgeschrittenen Zustand der Alkoholisierung, dass es ihm gleichgültig sei, wenn jemand samstags in den A-Block seiner Lieblingsfußballmanschaft geht, wenn er also nur für diese Samstage lebt, Hauptsache er lebt.
Nun gut. Heute morgen habe ich meinen Sohn zur Schule gebracht und aus dem Augenwinkel sehe ich auf dem Rückweg, dass da einer der Arbeiter des städtischen Bauhofs (oder was auch immer), die im Schulhof ihre Pausenhütte haben, dass dieser Mitarbeiter also ein Landser Sewatshirt trägt. Ich gehe weiter. Dann denke ich mir: Falsch. Das kann man nicht so stehen lassen. Ich drehe mich also um, tippe dem Mann mit Übergewicht und schlechter Haut auf die Schulter und erkläre ihm, dass ich nicht die Schulleitung informieren werde, dass ich dies aber tun werde, wenn ich noch einmal sehe, dass er das T-Shirt einer verfassungsfeindlichen Band, einer Naziband trägt. das tat ich mit viel Leidenschaft in der Stimme. Zumindest war viel Adrenalin dabei. Ich zitterte vor Wut.
Ich könnte mir allerdings auch vorstellen, dass dieser Mensch leidenschaftlich gerne Nazi ist, leidenschaftlich gerne Ausländer hasst, leidenschaftlich gerne raucht, zu viel Bier trinkt, scheiße denkt und zu fette Sachen frisst. Alles Leidenschaften, die komplett für den Arsch sind und ihn noch nicht mal einigermaßen gut aussehen lassen. Zum Glück sind Nazis meistens hässlich und dumm, was ja zumindest einigermaßen gerecht ist.
Dann musste ich natürlich auch, im Anschluss an meinen letzten Blog hier, daran denken, dass so einige Leidenschaften im finanziellen Ruin endeten und andere Leidenschaften wiederum im geschäftlichen Erfolg, wobei dann wiederum die Leidenschaft auf der Strecke blieb und am Ende ein ekelhafter, klebriger Zwist unter Geschäftspartnern übrig bleibt, wie aktuell bei den Überresten von AGGRO Berlin zu beobachten ist. Das ist doch schade.
Gut. Aber dennoch. Natürlich hat die Leidenschaft für Rap und Hip Hop meinen Besucher dazu gebracht, seine kleine Welt, die aus einer abgeschlossenen Großhandeslehre bestand, zu verlassen, ein Studium zu beginnen und diverse Praktika anzufangen, die ihn in die große weite Welt der Musikindustrie geführt haben. Dort wollte er zwar nicht bleiben, aber immerhin. Er hat es gesehen.
Wie viele Menschen bleiben tatsächlich stecken, im Beruf, der ihnen von ihren Eltern ausgesucht wurde oder den sie angefangen haben, einfach weil ihnen nichts besseres eingefallen ist? Wie viele Menschen bleiben stecken in einem Leben, dass ihnen eigentlich gar nicht gefällt, aber hey, man kennt ja schließlich nichts anderes und ein bisschen gemütlich ist es ja auch. Ok. Es ist scheiße, aber schließlich und endlich kennt man sich darin aus und es ist besser, sich in der Scheiße auszukennen anstatt dahin zu gehen, wo es besser sein könnte, aber man sich eben nicht auskennt. - Angst?!
Aus Recherchezwecken lese ich gerade das Buch von 50Cent, das er zusammen mit dem Wirtschaftswissenschaftler und Neo-Machiavellisten Robert Greene geschrieben hat und da geht es um nichts anderes. "Geld, Macht, Freiheit – 10 Gesetze für den täglichen Businesskampf“ heißt das Machwerk und eigentlich geht es ausschließlich darum, dass man diese Angst überwinden muss, um endlich das Leben zu leben, dass man schon immer führen wollte. Dabei werden dann Beispiele angeführt, wie 50Cent einem verfeindeten Dealer die linke Wange aufgeschlitzt hat, mit einer Rasierklinge.
Das Ganze nennt sich dann "der furchtlose Ansatz“ und ich habe mir daraufhin eine Packung Rasierklingen gekauft, weil ich noch ein, zwei Dinge zu erledigen habe in meinem Leben.
Vielleicht ist nun aber gar nicht so sehr der furchtlose Ansatz, der Schlüssel zum Problem der Angst. Vielleicht ist es ja tatsächlich die Leidenschaft von der mein Besucher sprach, die uns beflügelt und motiviert, die uns antreibt und uns morgens aufstehen lässt. Die Leidenschaft für was auch immer, dass wir unserem Boss halt’s Maul ins Gesicht sagen können, weil wir wissen, dass wir Samstag Nachmittag auf dem Fußballplatz stehen. Gut. So ganz geht das Ding nicht unbedingt auf, aber je länger ich darüber nachdenke, desto mehr gefällt mir der "leidenschaftliche Ansatz“ und jemand sollte mal ein Buch darüber schreiben.
Seid also leidenschaftlich! Lebt leidenschaftlich! Entwickelt eure Leidenschaften und vor allem pflegt Eure Leidenschaften! Vielleicht seid ihr irgendwann an einem Punkt, wo die Leidenschaft nicht mehr jene Bedeutung hat, die sie früher gehabt haben mag, aber dann denkt daran, wo ihr heute seid und wie weit ihr gekommen seid, dank dieser Leidenschaft. Deshalb ehrt eure Leidenschaften! Die alten und die jungen. Vergesst sie nicht und redet sie nicht klein! Sagt nicht: Früher mochte ich mal Rap, aber das sagt mir heute gar nichts mehr. Jetzt stehe ich mehr auf Elektro. Sagt so etwas nie! Dieser Satz klingt generell beschissen und ihr zeigt euren alten Leidenschaften gegenüber keinen Respekt. Respektiert die Leidenschaften und denkt immer daran, dass das Wort Leidenschaft ein deutsches Kunstwort ist, dass um das 17. Jahrhundert eingebürgert wurde, um das französische Wort Passion zu übersetzen, für das es keine passende Vokabel gab! Lernt das asuwendig!
Doch vor allem denkt daran, was die Dichter und Philosophen Schiller und Gellert über die Leidenschaft geschrieben haben.
So schreibt Schiller im Fiesko: "Die wenige Gewalt, die sie über ihre leicht entzündbaren Leidenschaften haben, veranlaszt alle Augenblicke Streit und Gewaltthätigkeiten unter ihnen.“
Und Gellert warnt: "So bald wir uns blosz der Selbstliebe, dem Eigennutze und der Sinnlichkeit überlassen: so folgen stürmische Leidenschaften und Verfinsterungen der Vernunft.“
Und ich habe einen Bildungsauftrag, den ich leidenschaftlich gern verfolge. Geil, wa?
Bis dahin,
staiger
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Tuesday, November 10, 2009
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Das Ende von Bozz Music „Die Konsolidierung der deutschen Hip Hop Labellandschaft schreitet voran“ schrieb das Branchenblatt musikwoche.de, als vor ein paar Monaten Samy Deluxe das Aus von Deluxe Records verkündete. Nun trifft es also ein weiteres Urgestein der deutschen hip Hop Szene und von Konsolidierung kann eigentlich keine Rede mehr sein, eher von Kahlschlag. (Die Backspin gibt es offensichtlich auch nicht mehr, hat das eigentlich schon jemand so richtig bemerkt? Zumindest kann man nicht mehr wirklich von einer Pause sprechen, eher von einem heimlichen, stillen Tod.) Gescheitert allesamt also, an der harten wirtschaftlichen Realität? Nicht unbedingt. Wenn sich Majorlabels hauptsächlich vom Portfolio ernähren, das sie in grauer Vorzeit unter Vertrag genommen haben, damals, als man noch richtig Platten verkauft hat mit Udo Jürgens und so, dann ist es eben kein Wunder, dass Labels aufgeben müssen, die dieses Polster nicht ihr eigen nennen können. Wenn Banken, mit ausgebildeten Managern im großangelegten Stil den Karren an die Wand fahren, wer will es dann einem Do It Yourself Plattenfirmenboss verübeln, dass er seine Zahlen nicht richtig im Griff hat? Vor allem dann nicht, wenn ein Großteil der Einnahmen dazu gedient hat, seine Freunde mit durchs Business zu schleifen und ihnen eine Veröffentlichungsplattform zu liefern, wo im Gegensatz dazu, die Pleite der Banken ausschließlich auf deren Gier nach noch mehr Reichtum, Dividende und Rendite begründet liegt. Was ist falsch daran, an dem Traum, den wir Hip Hopper geträumt haben, uns selbst und unseren Homies eine würdevolle Arbeitsumwelt anzubieten. Wahrscheinlich nichts. Alles gut gemeint, aber das Gegenteil von gut ist eben gut gemeint. Natürlich hätten wir alle gerne unsere Jungs aus dem Knast beschäftigt und auch all jene mit erweitertem Hauptschulabschluss oder noch weniger. Wer sonst außer uns stellt diese Leute denn noch ein? Wer sonst kümmert sich darum? Und das ist das eigentlich Tragische am Ende von Bozz Music und all der anderen Unternehmungen. Natürlich wirkte es lächerlich, wenn die Bosse von mäßig erfolgreichen Labels im geliehenen Benz durch ihre Videos gurkten, aber während Bankmanager, die nach der Pleite ebenfalls nur als arme Würstchen entzaubert sind, Milliarden an Staatshilfen einstreichen können, um ihre popelige Inszenierung weitertreiben zu können, bleiben Azad und Co. im Regen stehen. Und nicht wenige sind wahrscheinlich froh, dass die Kanaken wieder ihren Platz dort einnehmen müssen, wo man sie sich am liebsten wünscht: Ganz unten. Das ist schade und auch ein Stück weit ungerecht und die eigentliche Tragödie an dieser Geschichte, denn was kommt jetzt? Sido meinte im Interview auf rap.de, er habe nichts anderes gelernt. Nun Azad wird es nicht viel anders gehen. Genauso wenig wie Savas, Samy, Curse, Jan Delay, Dennis Lisk, Olli Banjo und wie sie alle heißen. Manchen von ihnen geht es besser. Anderen schlechter. Manche können von dieser Art von Ausbildung leben und man klopft ihnen auf die Schulter und sagt: „Hey. Alles richtig gemacht. Cool. Man muss auch mal was riskieren und auch bereit sein Opfer zu bringen für die Karriere.“ Bei anderen schaut man schnell verschämt weg und denkt sich „Au Mann. Jetzt hat der 10 bis 15 Jahre in diese Scheiße investiert und jetzt guck ihn dir an. Was hat er davon? Nichts. Hätte er mal lieber eine ordentliche Ausbildung gemacht.“ Ach. Der Grat zwischen Erfolg und Misserfolg ist so schmal und die Grenze zwischen „alles richtig gemacht“ und „alles falsch“ verläuft so ungenau, dass man letzten Endes doch nur von Glück und Pech sprechen kann. Alles richtig? Alles falsch? Egal. Auf jeden Fall haben diese Leute immer alles gegeben. Ob es die richtigen Sachen waren, die sie geben wollten und ob es die richtigen Sachen, die sie haben wollten, das steht auf einem anderen Papier, trotz allem war es immer „all in“ und mit dem Aussterben dieser Einstellung, stirbt nun auch irgendwie eine Generation von Hip Hop Heads, die wirklich alles eingesetzt hat, die das Ding so quasi gelebt hat. Ich denke dabei auch an die Breaker, die ihre Knochen kaputt getanzt haben. An die Writer, die rausgegangen sind, und alles aufs Spiel gesetzt haben, nur um ihre Züge fahren zu sehen und an die DJs, die Nächtelang ihre Platten kaputt gekratzt haben. Schule? Ach scheiß auf Schule. Wir machen Hip Hop. Natürlich gibt es das heute noch – vereinzelt und natürlich haben es nur wenige von den Leuten ins Rampenlicht geschafft, aber zu einer gewissen Zeit waren das ein paar tausend, die sich auf diese kranke und verschrobene Weise der Hip Hop Kultur verschrieben haben, mit dem Glauben an die eigene Stärke und so weiter. Schade natürlich, dass zu einem gewissen Zeitpunkt dieses Vertrauen an die eigene Kraft doch wieder über Bord geworfen wurde und man sich dann doch mit den großen Firmen und dem großen Geld eingelassen hat, fest in die Illusion vernarrt, es endlich geschafft zu haben und nichts mehr selbst machen zu müssen. Auch das könnte ein Fehler gewesen sein - neben der Vernachlässigung des Künstlerischen. Zu irgendeinem Zeitpunkt hat sich die irrige Meinung durchgesetzt, dass man sein Geld deshalb bekommt, weil man lange genug dabei ist und nicht dafür, dass man freshe Alben released. All die nun geschlossenen Labels waren zu irgendeinem Zeitpunkt aufs engste mit einem Major verbandelt. Vielleicht ist es die Gewöhnung daran, dass man sich beliebig oft einen Mietwagen holen kann, dass einem die Interviewtermine koordiniert werden und wenn man mal gerade wieder ein bisschen klamm ist, dann ruft man durch und verlangt noch eine kleine extra Finanzspritze hier und da. Aber irgendwann ist genug. Der Gigant möchte Profite sehen und wenn nicht, dann tschüss. Von diesem Lifestyle allerdings wieder runterzukommen ist wie ein Downgrade von PS3 auf PS1 und schwer umsetzbar und so geht es halt weiter, bis es nicht mehr weiter geht und jetzt stehen wir hier. Deshalb: Vergesst das mit den Plattenfirmen. Geht auf Majorlabel Partys so lange es sie noch gibt und trinkt dort so viel Alkohol, wie ihr könnt. Macht gute Musik und habt spaß daran. Lernt was ordentliches, vor allem, wie man eine Excell Tabelle bedient und dass man die Mehrwertsteuer immer sofort ans Finanzamt abführen muss. Das ist überhaupt das wichtigste. Ansonsten all in! Gründet ein Indie Label und wenn ihr einen Vorschuss angeboten bekommt, dann müsst ihr den nehmen und abhauen. Keine Angst. Die Controller finden schon irgendwelche Wege, dass sie den Verlust irgendwie umbuchen und verschwinden lassen. Vertraut mir. Ich weiß das. Alles gute Bozz Music! Ansonsten zeigt uns Fifty in diesen Wochen, wie man unerbittlich auf seinen Gegnern herumtrampelt. Unter der Überschrift „50Cent Freund DJ Whoo Kid hängt mit Fat Joe (50Cent Feind) ab und 50 ist nicht erfreut darüber“ gibt es folgendes Video zu sehen. Das sind noch Zeiten. Mit Beef und Battle und so:
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Tuesday, October 27, 2009
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Manchmal geht man ein paar Monate lang nicht mehr zum Training, weil andere Sachen in dieser Zeit wichtiger sind. Schuldgefühle wechseln sich ab mit den Gedanken: Ich sollte mal wieder und irgendwann kommt es einem dann schon fast komisch vor, dass man früher 3 mal in der Woche in die Trainingshalle getapert ist und jetzt kommt man kaum noch von der Couch hoch. Irgendwann aber geht man doch wieder los. Die ersten Schritte tun weh. Man stellt fest, dass ausnahmslos alle, wirklich alle in der Zwischenzeit besser geworden sind und man selbst keucht, ächzt und stöhnt, die Bewegungsabläufe sind fremd. Alles fühlt sich scheiße an und trotzdem ist man froh, endlich wieder dabei zu sein und man stellt sich schon vor, wie man wieder so richtig zulangt, trainingsmäßig und dann… und dann… und dann… werde ich es allen zeigen.
Ein bisschen so fühle ich mich heute Nacht, wenn ich an diesem Blog sitze und mir den Kopf zerbreche, über was ich schreiben will, denn in der Hip Hop Welt passiert zwar manches, aber recht wenig spannendes. Das Thema hatten wir aber schon und deshalb schreibe ich heute über einen alternden Radio DJ, der am Wochenende bei einer Sendung im Deutschlandfunk war, wo er Musik mitbringen durfte, die ihm wichtig war und er dabei auch noch zwei Stunden lang interviewt wurde. Alan Bangs ist ein englischer Radiomoderator, der beim britischen Militärradio BFBS in Deutschland angefangen hat, eine Musiksendung zu machen und später dann zum WDR gegangen ist. Er war relativ bekannt und hat in den 80er Jahren durch die Fernsehsendung Rockpalast geführt. Als WDR1 später in 1Live umbenannt wurde, musste Bangs gehen, weil es im neuen Sendeformat keinen Platz für ihn gab. – Schade. Alan Bangs eröffnete die Sendung am Sonntag mit diesem Song:
Ich habe ehrlich gesagt nur so beiläufig hingehört aber als ich diesen Song hörte, wusste ich wieder, warum ich Musik mag. Was wichtig ist an Musik. Vielleicht geht’s Euch ja ähnlich. Und als ich Alan Bangs über Musik habe reden hören, ist mir aufgefallen, dass wir bei den ganzen Diskussionen über Verkaufszahlen, Images und Single-Doppel.Premium-Editionen ein paar Sachen manchmal vergessen. Diese jetzt zu erklären und tot zu analysieren nimmt dem Ganzen natürlich wiederum ein bisschen den Zauber und vor allem: Vielleicht finde ich hier Sachen cool und stelle Sachen vor, die ihr total schrottig und beschissen findet und überhaupt nicht nachvollziehen könnt. Das kann sein. Ich lehn mich mal trotzdem aus dem Fenster formuliere ewige Wahrheiten über das Musik machen und rekonstruiere nebenbei auch noch ein bisschen die Radiosendung vom Sonntag. 1. Musik kann ganz einfach sein. Nichts gegen technische Raffinesse und ausgefeilte Perfektion, aber manchmal reicht ein Beat und eine Stimme. Ist so. 2. Es gibt Momente, da ist alles gesagt und die Musik übernimmt. Das ist eine Kategorie, die im Hip Hop ein bisschen unterbelichtet ist, trotzdem ist es so. Bangs bemühte dafür ein Neil Young Zitat: „where the pavement meets the sand“ und meinte damit, den Moment, wo die Zivilisation auf die Natur trifft, das Nachdenken auf das Gefühl oder eben die Worte aufhören und nur noch Musik übrig bleibt. Wie bei dem Stück “Naked As The Day You Were Born” von The Weather Prophets, das es im gesamten Netz nicht zu finden gibt, zumindest nicht in der 5 Minuten Version und auf die kommt es ja an, weil da ab der Hälfte die Gitarre einsetzt und oben beschriebener Effekt einsetzt. Tja, da müsste man sich echt die Single Version kaufen. Auf Vinyl. Als 12 Inch. Wahnsinn. Dafür habe ich ein anderes Stück herausgesucht, das ich zum ersten mal gehört habe als ich in Dänemark in einem Hochregallager gearbeitet habe und nach zehn Stunden auf der Baustelle nach Hause gekommen bin. Eigentlich ist das die perfekte Musik für eine Schlussszene bei „Krieg der Sterne“. Darth Vader ist besiegt. Die Helden marschieren ein und alle, alle, wirklich alle freuen sich. Lachende Gesichter. Konfetti. Umarmungen. Ach ist das schön und ich alleine in Dänemark. Im Winter. Auf Montage. Und es funktioniert ganz ohne Worte: 3. Musik muss unberechenbar sein. Ohne Taktieren. Ohne Kalkulation. Ohne Image oder Hintergedanken. Fließen lassen, oder so ähnlich. Die Perfektion gibt es nicht. Die Suche danach aber schon. (Und jetzt dimmt ihr ein bisschen das Licht und ich raune Euch ins Ohr): Und das ist das Geheimnis des Lebens. Bangs legte Bob Dylan auf, weil Bob Dylan für so etwas immer gut ist und immer aufgelegt werden kann, wenn einem sonst nichts einfällt. Trotz allem ist Blind Willie Mc Tell ein beachtlicher Song. Dylan ließ ihn zwölf Jahre in der Schublade liegen, weil er einfach genug andere Sachen hatte, die er auf seine Platten packen konnte. Und irgendwann hat es dann gepasst. Einfach so. Gut. 4. Energie. Der Künstler muss es wollen. Es muss eine gewisse Dringlichkeit vorhanden sein. Dafür steht dieser Song. Barra Barra von Rachid Taha. Ich finde den Song nicht mal besonders gut, aber ich finde es interessant, dass es solche Musik überhaupt gibt und deshalb spiele ich es so quasi auch. So und um das Ganze nun auch noch Rapmäßig abzuschließen folgendes: Ich habe mich heute mit sido unterhalten und wir sind im Gespräch auf Nate57 aus Hamburg gekommen. Und auch wenn ich mich jetzt hier noch ein bisschen weiter aus dem Fenster lehne. Das hat viel von den Punkten, die ich gerade aufgeführt habe. Und das hat nichts mit Straßenrap tot oder nicht zu tun. Rap ist Rap, obwohl es trotzdem ganz geil ist, dass das Video mal nicht im düsteren schwarz-weiß ist. Die Message ist es umso mehr. Peace!
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Saturday, September 26, 2009
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So. Morgen wird also gewählt und es gibt da sehr unterschiedliche Haltungen im deutschen Rap Biz und es gab auch sehr schöne Aktionen innerhalb der Hip Hop Welt. So besuchten unsere Kollegen von 16bars.de zusammen mit dem Rapper Massiv den Grünen Vorsitzenden Cem Özdemir und hip hop.de fragte deutsche Rapper, ob sie zu Wahl gehen würden.
Genau diese Frage stelle ich mir jeden Morgen selbst und ab und zu tue ich auch so, als ob mich ein Fernsehteam begleitet aber anders als sido, finde ich keine eindeutige Aktion. Der Maskenmann ist sich seiner Sache ja sicher und wenn ich richtig informiert bin, dann kommt genau heute Abend, am 26. September auf Pro7, die TV Dokumentation „Ick jeh wähln – sido auf dem Weg zu seinem ersten Mal“.
Nun mein erstes Mal liegt ein paar Jahre zurück und vielleicht liegt es ja auch genau daran, dass ich nun enttäuscht und desillusioniert in meinen morgendlichen Kaffee starre.
Fangen wir mal an.
FDP? Ganz ehrlich. Ich würde Guido Westerwelle nicht als Geschäftsführer eines Mittelständischen Unternehmens bestellen, vor allem nicht, wenn es meines wäre. Ich würde ihn auch nicht als Kommunikationsberater einer einigermaßen coolen Werbeagentur einstellen und ich würde mich auch äußerst ungern von ihm in Bankangelegenheiten oder Versicherungsfragen beraten lassen. Selbst als Wohnungsmakler wäre er mir unangenehm und wahrscheinlich könnte ich das vielleicht noch verkraften, weil ich weiß, dass man einen Wohnungsmakler nur ein einziges Mal in seinem Leben ertragen muss. Danach würde ich aber die Tür zuschmeißen, das Fenster aufreißen, das ekelhafte Rasierwasser/Eau de Toilette versuchen, wegzuwedeln, Räucherstäbchen anzünden, um die schlechte Aura zu vertreiben und den Mann vergessen. Aktiv vergessen mit einer halben Flasche Wodka. Froh, dass ich die Wohnung trotzdem habe. Und so einen soll ich wählen? Das einzig Witzige an einer schwarz-gelben Regierung wäre die Kombination Frau als Regierungschefin und ein schwuler Außenminister. Dieses Team auf Staatsbesuch in Jamaika oder Iran. Das wäre der Hammer. Die Gesichter würde ich gerne sehen.
Die Grünen? Wenn ich an die Grünen denke, dann werde ich richtig sauer. Das liegt daran, dass ich sie wirklich mal mochte. So richtig. Das war machbar. Das war wählbar. Da fühlte man sich gut, wenn man aus der Wahlkabine trat. Das ist im Endeffekt praktische Politik, mit dem größten integrativen Charakter. Da habe ich noch am ehesten das Gefühl, dass man alte ideologische Muster über den Haufen wirft, um praktische Antworten auf existenzielle Fragen zu finden und trotzdem den einzelnen Menschen im Auge behält. Das fand ich gut. Aber was um alles in der Welt, was hat die Grünen geritten, als Regierungspartei den Kampfeinsätzen der Bundeswehr in Serbien zuzustimmen? Warum sind die ersten Kriegshandlungen von Deutschen Soldaten nach 1945 von einer rot-grünen Regierung beschlossen worden? Das frage ich und darunter leide ich. Richtig. Die Grünen sind Opfers.
Die Linke? Hör mir uff. Die Linke hat einen selbstgerechten, populistischen Vorsitzenden, der sich nicht scheut gegen Fremdarbeiter zu hetzen, wenn es gerade ins Konzept passt. Die Linke wirbt mit "Reichtum für Alle“, regiert seit Jahren mit, hier in Berlin und streicht auch hier munter weiter die sozialen Ausgaben. Warum sollte man die Linke wählen? Wegen Gregor Gysi? Ein Argument. Zehn dagegen.
Die CDU/CSU? Eine Partei die aalglatte Arschlöcher… Roland Koch, Jürgen Rüttgers, Peter Ramsauer, Christian Wulff, Friedrich Merz sind führende Köpfe in dieser Partei. Unwählbar. Eine Partei, die uns einen Wirtschaftsminister präsentiert, als großen Hoffnungsträger, dessen einzoge Qualifikation darin besteht, dass er ab "1994 in die Leitung der familieneigenen Münchener Beteiligungsgesellschaft Guttenberg GmbH eingebunden [war], deren Aufgabe die Verwaltung des EIGENEN Vermögens war.“ (Quelle: Wikipedia) Freunde. Ich habe auch schon ein eigenes Sparbuch verwaltet und BWL studiert. Darf ich auch Bundeswirtschaftsminister werden? Das ist doch ein Witz? Und wo wir bei Witzen sind. Piratenpartei? Das ist doch ebenfalls einer, oder? Wenn ich die selbst gesprühten Wahlplakate anschaue, dann denke ich mir, dass mir das alles zu sehr nach Patschuli und Dreadlocks aussieht. Ich weiß, ich bin ein oberflächlicher Mensch. Das tut mir leid. Trotzdem nicht.
Die Partei? Beste! Würde ich wählen. Nicht zugelassen. Deshalb Wahlbeobachter der OSZE im Land. Hervorragend. Ich bin für die Stationierung von Blauhelmsoldaten in Deutschland. Wählen müsste gefährlicher werden, dann würde vielleicht tatsächlich der Effekt einsetzen: „Na wenn’s gefährlich ist, dann bringt es vielleicht doch was, da machen wir doch wieder mit.“ Vielleicht sogar ich auch.
Zu guter Letzt die SPD? Ach die SPD. Manchmal denke ich mir, dass man schon rein aus Mitleid für die SPD stimmen könnte. Was ist aus der einst so stolzen Arbeiterpartei geworden? Ich würde gerne in dieser Erinnerung schwelgen mit Bildern von Männern, mit starken Unterarmen, die einen Hammer in der Hand halten und stolz darauf sind, Arbeiter zu sein. Working Class Stolz eben. Aber dann schaue ich auf Franky. Und dann sehe ich ihn, wie er auf dem Wahlplakat in Schlips und Hemd, einem Arbeiter beruhigend an die graue Arbeiterjacke fast und im Hintergrund glüht ein Hochofen und dann… dann überkommt mich Traurigkeit, weil das alles nicht mehr real ist. Weil Herr Steinmeier auf dem Plakat so fehl am Platz aussieht, weil die Parteien immer noch davon träumen, dass sie diese Art von Arbeit zurück nach Deutschland holen können und die Leute immer noch so rückwärts gewandt sind, dass sie den Politikern glauben schenken, die ihnen die meisten Arbeitsplätze in der Produktion versprechen.
Das wird aber nicht mehr passieren. Das ist alles Quatsch. Es gibt KEINE Arbeit mehr, wie wir sie kennen und die Partei, die das als erstes eingesteht (plus der Erkenntnis, dass wir ein Einwanderungsland sind, plus dem Bekenntnis zum Pazifismus) die würde ich auch wieder wählen.
In Berlin gibt es ab nächstem Jahr in den weiterführenden Schulen nur noch zwei Schulformen. Gymnasium und die integrierte Sekundarstufe, auf der dann all jene zur Schule gehen, die früher auf Real oder Hauptschule gegangen wären. Das Angebot dieser Schule liest sich super. Kleiner Klassenstärken. Individuelle Betreuung von 2 Lehrern pro Klasse. Die Möglichkeit nach der zehnten Klasse weiter und nach 13 Jahren das reguläre Abitur zu machen, was bedeutet, dass man auch noch später die Chance auf einen höheren Bildungsabschluss hat, auch wenn man erst einmal nicht fürs Gymnasium empfohlen wurde, und so weiter und so fort. Das klingt klasse. Auf die konkrete Nachfrage, ob konsequent zwei Lehrer pro Klasse eingesetzt werden, geriet der Herr vom Schulamt leicht ins Stottern und gab zu, dass er sich das aus Kostengründen nicht vorstellen könne. Daraufhin konnte ich mir aber vorstellen, dass es in Klassen von 25 und mehr Jugendlichen mit sehr unterschiedlichen Leistungsniveaus zu relativ großen Schwierigkeiten kommen wird. Um wen soll sich die einzelne Lehrkraft denn kümmern. Um die Schnellen? Dann randalieren die Langsamen. Um die Langsamen? Dann langweilen sich die Schnellen und bauen Scheiße.
Seit Jahren ist der soziale und der Bildungssektor unterfinanziert und unterbesetzt. Die Menschen, die dort arbeiten kriegen viel zu wenig Geld, sie kriegen viel zu wenig Respekt und die meisten sind nach ein paar Jahren so aufgebraucht, abgegessen und überfordert, dass selbst der Motivierteste irgendwann einfach nicht mehr kann.
Fangt an, in diesen Bereich zu investieren und redet nicht nur. Gebt zu, dass es keine klassische Arbeit, wie wir sie uns träumen, mehr gibt. Sorgt dafür, dass all jene, die aus den unteren Einkommensschichten kommen, wirklich und zwar wirklich die Chance haben, sich an dieser Gesellschaft aktiv zu beteiligen.
Falls nicht, fliegt uns das Problem in zehn, 15 oder 20 Jahren um die Ohren. Und das wird dann nicht mehr Gangster- oder Battlerap heißen, sondern Gewalt, Raubüberfälle, Überwachungsstaat und Stadtteile in die wir nicht mehr gehen können oder aus denen wir nicht mehr herauskommen.
Und so lange das nicht bei irgendeiner Partei im Wahlprogramm steht und so lange das nicht von irgendeiner Partei auch mal konsequent umgesetzt wird… so lange hätte ich die Autonome Pogo Partei Deutschlands gewählt. Aber auch die sind nicht mehr dabei. Schade.
Spricht alles dafür, es wieder mal selber zu machen. Dürfte man halt nicht vergessen. Übermorgen. Wenn alles wieder vorbei ist.
Yo!
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Wednesday, September 16, 2009
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Markus Sch. posierte da nicht nur mit finsterem Blick und dem tätowierten Schriftzug „Hip Hop“ auf einem Arm. Er gab in einer Art Selbstauskunft auch preis, „wen will ich mal treffen“: Rap-Helden wie Snoop Dogg, Dr. Dre, Tupac, Eminem und Azad. Azad droht in einem Lied: „Ich hämmer dir die Zähne aus deiner verfickten Fresse“. Und: „Du kleiner Pisser, ich bin Killer und radier dich aus“. Der Tagesspeiegel, Berlin, 14.09.2009 „sowas ist dir eine nachricht wert staiger? berichte doch lieber über deine kinder die in der ubahn menschen tot schlagen. ganz nach DEINEM motto probleme mit gewalt zu lösen“Kommentar zu einer News bei rap.de am 14.09.2009„Er ist tätowiert, auf seinem Unterarm steht in große Buchstaben „Hip Hop“ geschrieben.“BILD.de am 14.09.2009 um 16:15 UHR „Ich sitze hier. Ich lese meine Zeitung. Irgendetwas ist komisch da vorne im Abteil. Das gefällt mir nicht. Die zwei Typen… und wie sie mit den anderen reden. Es ist laut. Hektisch. Ich spüre diese Stimmung. Das ist nicht normal und ich sehe auf von meiner Zeitung. Ich beobachte. Ich merke meine Anspannung. Das ganze Abteil ist angespannt. Ich täusche mich nicht. Die zwei Typen machen die Kinder an. Jetzt ohrfeigt der eine den Kleinen. Ich stehe auf. Das ist normal. Jeder würde so handeln und ich rufe die Polizei an. Mit klarer Stimme gebe ich dem Polizisten genaue angaben, was da gerade passiert und bitte, dass sie einen Streifenwagen zur nächsten Station schicken lassen. Ich mache mir gar keine Gedanken. Ich muss einschreiten das ist normal. Dann stehe ich auf und gehe nach vorne. Ich schreie: „Lassen Sie sofort die Kinder in Ruhe! Was soll das? Gehen Sie zurück“ Es ist ganz normal und natürlich. Ich muss mich nicht überwinden. Das sind 17 jährige Typen und ich habe keine Angst. Ein bisschen bullig vielleicht, aber ich bin ein erwachsener Mann. Meine Stimme ist klar und fest. Ich sieze sie, damit sie merken, dass ich das nicht für einen Scherz halte. Ich verschaffe mir Respekt und ich stelle mich vor die Kinder. Es funktioniert. Die Typen weichen zurück und ich frage die Kinder, ob alles in Ordnung ist und dass wir an der nächsten Station aussteigen müssen. Dankbar schauen sie mich an und ich fixiere die beiden Jungs. Sie starren mich an. Laut sage ich, dass am nächsten Bahnhof die Polizei da sein wird. Ich fühle mich sicher. Aber ich bin gewarnt. Die beiden sind dumm und dumme Menschen sind gefährlich. Außerdem sind sie dicht. Ich sehe wie der eine dem anderen etwas zuflüstert. Das muss ich jetzt aushalten. Diese Spannung muss ich aushalten und ich sehe, wie die anderen Fahrgäste sich winden. Sie sind erleichtert, dass sich jemand um die Situation kümmert. Ab jetzt haben sie nichts mehr damit zu tun. Scheiße. Keiner da, den ich um Hilfe bitten könnte. Egal. Die Polizei ist verständigt. Ich habe keine Angst. Ich habe keine Angst. Wir fahren in den Bahnhof ein. Mit meinen Blicken suche ich die Polizei. Noch nicht da. Nun gut. Wir werden warten. Ich hoffe sie kommen gleich. Da sin keine Bullen. Der lügt der Hässlige. Der hat nich die Bullen angerufen. Voll der Opfertyp. Ich sage zu Hannes was. Ich sage, dass der gar nich die Bullen angerufen hat und dass er dafür ein paar Schellen kassiert. Voll Opfer der Typ, aber der soll sein Maul nich so weit aufreißen. Bullen. Ich scheiß auf die Bullen. Opfer. Der Typ kriegt Schläge. Einfach so. Ein, zwei Schellen und dann so richtig Bombe. Ich zieh meinen Schlüssel aus der Tasche. Schade, dass ich kein Messer hab. Dann würd ich ihn stechen, aber Messer kann ich mir nich leisten. Zu gefährlich. Bewährung und so. S-bahn hält. Voll der Typ steigt aus mit den anderen Opfern. Da sin keine Bullen. Ich seh nix. Keine Bullen da. Haha. Wir gehen auch raus. Der Typ guckt und ich schlag ihm die Erste auf den Kopf. Die Tür geht zu von der S-Bahn und fährt weiter. Der Typ dreht sich um. Klatsch, die erste in die Fresse. Wenn du das erste mal machst, dann ist das komisch. Geht voll leicht, und ist so ein komisches Geräusch. Ich finds voll geil und Hannes drückt ihm eine in den Bauch. Klappt voll zusammen der Typ. Hahahaha. Kenn ich. Is jetzt ein bisschen wie Sparring. Kannst du voll ausprobieren und ich mach so ein Drehkick mit mein Bein. So richtig Jean Claude Van Damme mäßig und ich treff voll seine Brust. Hannes kloppt noch ein bisschen auf ihn ein und der Typ fällt so. Er fällt mit sein Kopf nach vorne und landet auf dem Bahnsteig. Voll das Opfer. „Was jetz du Opfer! Was große Klappe und die Bullen sin da? Was mischt Du dich überhaupt ein du Spast? Hier sin keine Bullen du Opfer“ Hier! Sind! Keine! Bullen!“ Und jedes Mal tret ich mit meinem Fuss auf ihn ein. Idiot! Voll der Spinner. Was denkt er, wer er is? Supermann oder so. warum mischt sich der Idiot überhaupt ein. So ein Krüppel. Blaulicht! Polizei. Sirene. Scheiße. Der Typ hat wirklich die Bullen gerufen. So ein Idiot. Wir müssen weg. Die anderen schauen uns an. Voll die Idioten. Die haben nix mehr gemacht. Jetzt seh ich sie zum ersten mal wieder. Sind auch noch andere Leute auf dem Bahnsteig. Haben alle nix gemacht. Wir müssen weg. Scheiße. Die haben uns alle gesehen. Egal. Wir sind eh nicht von hier. Die kennen uns nich, aber wir müssen weg. Scheiße. Der Bahnhof hat nur ein Ausgang. Egal. Wir rennen über die Gleise. Da drüben ist eine Straße. Da müssen wir hin. Komm Hannes, aber Hannes rennt in die falsche Richtung. „Hannes!“, brülle ich. „Du Idiot. Komm hier!“ aber bis er kommt seh ich schon den ersten Bullen auf der Treppe. Scheiße. Der Typ liegt immer noch auf dem Boden. Scheiße. Er bewegt sich nich. Ach komm. So hart habe ich gar nich geschlagen. Spast. Steh auf. Wir müssen weg. Schnell. Hannes komm. Über die Gleise. Schnell. So ein Idiot. Der is viel zu fett und zu langsam. Schneller. Da über den Zaun. Schneller. Die sind hinter uns her. Schuhe auf den Steinen. Eigentlich find ich das Geräusch voll geil, wenn man so über die Schienen rennt. War so beim Sprühen, ein bisschen. Hat immer voll Spaß gemacht, aber die sind schnell. Das sind keine Ziften von der Bahn, das sind Bullen. Warum sind die so schnell. Komm Hannes mach los, Geh rüber über den scheiß Zaun. Ich falle. Nach vorne. Das Arschloch hat mir ins Kreuz getreten. Voll der Wichser. Aber ok. Is halt so. Is ja auch nich zum ersten mal so. Ich falle in den Zaun un der Typ is genau hinter mir. Hannes zerren sie vom Zaun. Voll der Idiot. Der war doch schon fast drüben. Opfer! Mir drehen sie den Arm auf den Rücken. Aua. Is doch ok. Hey nich so brutal. Is doch gut. Ich gebs ja zu. Ich wehr mich doch gar nich. War doch alles nur ein bisschen Spaß. Hey. Ich hab doch gar nix gemacht. Und es is so wie jedes Mal. Kenn ich ja alles. Verhaften. Fotografieren. Daten aufnehmen und dann wieder dieselbe Scheiße. Alles schon mal dagewesen. Alles so wie immer.“Ich weiß nicht, ob Rap dafür verantwortlich ist. Ich weiß nicht, ob Snoop Dogg, Tupac oder Azad hier irgendetwas tun hätten können, um das zu verhindern. Ich weiß nicht, ob der Typ einen Gangsterrap Text im Kopf hatte und sich wie Scarface fühlte, als er versucht hat, 13-jährige abzuziehen. Das einzige, was ich weiß ist, dass es Rap sehr oft nicht schafft, diese Situationen so dazustellen, dass man das fühlen kann. Dass Menschen andere Menschen zusammen schlagen und Gewalt ausgeübt wird, konnten weder die Beatles noch Bob Dylan noch Blumentopf verhindern und ein Land, das Bomben auf 50 Zivilisten wirft, kann das auch nicht. Auf jedem westfälischen Dorffest werden Leute verprügelt. Hinter jeder dritten Wohnungstür werden Frauen und Kinder malträtiert und jugendliche Täter überfallen unbeteiligte Passanten sogenannte Opfer. Anscheinend heute weniger als vor 20 Jahren, so zumindest die offiziellen Statistiken. (siehe Tagesspiegel vom März 2009) Aber das hilft alles nichts. Ein Mensch ist tot und keiner kann ihn zurückbringen. Dieses Leid. Dieser Verlust und dieser Schmerz werden auch die Täter treffen, die ihr ganzes Leben damit versaut haben. Dieses Leid, diesen Schmerz, die Trauer und die Wut, das müsste man darstellen, wenn man Rap macht. Wenn man Kunst macht. Wenn man Kunst machen will und wenn man das notwendige Talent dafür hat. Und das ist das einzige, was ich Hip Hop manches mal vorzuwerfen habe. Da ist kein Talent. Da ist kein Mitfühlen. Kein Wille zur Kunst. Da ist nur oberflächliches Phrasengedresche, das man sich überstreift, wie eine schlecht sitzende Jacke. Das der Mensch voller Abgründe ist, ist nicht das Problem der Kunst und keine Kunst wird dies jemals verhindern können. Dass man diese Abgründe aber zu einem gewissen Teil nachvollziehen und dadurch miterleben und lernen kann, das könnte Kunst leisten. Diese Abgründe allerdings als pure Oberflächenbelustigung zu präsentieren ist dumm. Ebenso dumm ist es aber auch wenn nun die CSU betont, dass man den Fall in den Wahlkampf hinein nehmen möchte und wenn nun wieder alle nach dem starken Staat, mehr Polizei und härtere Strafen schreien. Wenn die CDU/CSU betont „hier habe die SPD schwere Schuld auf sich geladen“ und dass man dem Opfer gegenüber eine Diskussion über härtere Strafen schuldig sei. Das ist eine Frechheit und eine Verhöhnung des Toten! Wie man einen solchen Text nun beendet, weiß ich ebenfall nicht genau. Vielleicht Beten, wenn man ein Gebet kennt. staiger
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Tuesday, September 08, 2009
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Eins Vorweg. Ich mag Bushido. Bushido hat sich immer korrekt verhalten und selbst zu Zeiten, in denen Royalbunker mit Gesamt AGGRO richtig Streit hatte, war er der einzige, der zu uns rüber kam auf dem Splash und ganz normal mit uns geredet hat und das waren wirklich verhärtete Zeiten. Bushido ist auch einer der wenigen, die direkt auf dich zukommen, wenn sie ein Problem mit dir haben. Dabei ist er manchmal ein bisschen schizophren und schießt übers Ziel hinaus, aber im Endeffekt finde ich das immer noch besser, als anlächeln und hintenrum das Messer reindrehen. Es ist auch nicht immer angenehm, wenn man auf einer Party ist und plötzlich schreit einen jemand an, aber gut, damit muss man leben. Wer austeilt muss auch einstecken können und wenn sich jemand ärgert, dann darf er auch rumschreien, obwohl ich nie schreie. Staiger aka The Lamb. Ich mag auch Fler. Ich habe Respekt vor Fler. Ich mag Fler als Privatperson und sehe, wie sich ein Typ, der es wirklich nicht leicht hatte und dem es an vielen Stellen im Leben nicht leicht gemacht wurde, wie dieser Typ einfach alle seine Kraft zusammen genommen hat und es geschafft hat. Auf irgendeine Art doch geschafft und es allen gezeigt hat. Ich kenne Leute, die immer über Fler gelacht haben. " Hahahaha Fler. Fler hat dies. Fler hat das. Wir haben mit Fler das und das gemacht.“ Fler ist zu irgendeinem Zeitpunkt seiner Karriere einfach an ihnen vorbei gefahren. Hat aus dem fahrenden Auto gewunken und konnte einfach sagen: " Tschau ihr Penner.“ Und die Penner schauten ihm hinterher und träumten davon, dass das doch der Typ war, den sie früher immer verarscht haben: " Hä. Was ist denn jetzt los? Verkehrte Welt oder was?“ " Eigentlich“, dachten sie, " eigentlich müssten doch wir in diesem Auto sitzen“, saßen sie aber nicht und Fler lachte. Ich mag auch Kaisa und sido und B-Tight und all die anderen aus der Berliner Hip Hop Szene, die etwas machen und etwas schaffen. Jeder auf seinem Niveau und wenn ich mir das neue Video von Imbiss Bronko anschaue, dann finde ich das in seiner Einfachheit einfach genial. So etwas kann eigentlich nur entstehen, wenn man in seinem Kopf eine fast Zen-buddhistische Ruhe zustande bringt und man den Gedanken freien Lauf lässt. Großartig. Ich mag auch viele andere aus der deutschen Hip Hop Szene. Vielleicht mag ich die Schwierigen mehr als die Glatten. Manche mag ich überhaupt nicht. Meistens mag ich die nicht, von denen ich denke, dass sie sich nicht richtig einschätzen können, dass sie nicht wissen, was sie da sagen und ungerechtfertigter weise arrogant sind. Wenn jemand nicht über sich bescheid weiß, obwohl er es von seiner Position und seiner Bildung her könnte, dann finde ich das dumm. Dann ist das dumm und mit dummen Menschen habe ich ein Problem. Allerdings hat jeder Mensch auch seine Gründe und jeder hat ein Motiv und deshalb sind meine Urteile auch nie definitiv sondern immer flexibel und ich bin auch immer gerne bereit zuzugeben, wenn mich jemand überrascht hat und er in Wirklichkeit doch ganz anders ist, als ich gedacht hätte. Das tut nur niemand. Das passiert nur nie. Worauf ich aber eigentlich hinaus wollte und das hat mit Mögen oder nicht Mögen, Sympathie oder Antipathie recht wenig zu tun, das ist das Verhältnis von Rappern zum Thema Meinungsfreiheit. Ich meine das Problem ist nicht neu. In den 90er Jahren verprügelten MCs des ehrenwerten Wu Tang Clans einen Journalisten, weil sie mit seiner Berichterstattung nicht einverstanden waren und ihn respektlos fanden. Dr. Dre schlug eine Frau, weil er sich respektlos behandelt fühlte. Respekt. Ein seltsamer, undefinierbarer Begriff, so ähnlich wie Ehre. Was ist Respekt? Ich denke, respektvoller Umgang ist, wenn ich mich für jemanden interessiere und mich mit ihm auseinandersetze. Dabei muss ich ihm nicht in den Arsch kriechen. Eben nicht. Indem ich mich kritisch mit seinem Schaffen und Wesen auseinandersetze, zeige ich dem anderen doch, dass ich ihn ernst nehme. Respektlos ist, wenn ich mich nicht mit ihm auseinandersetze. Wenn ich mich nicht für ihn interessiere. Wenn jemand langweilig ist, bekommt er von mir keine Aufmerksamkeit. Wenn ich jemanden beleidige, dann kann er sich zumindest sicher sein, dass er einen Triggerpunkt in mir berührt hat, der diese Reaktion hervorgerufen hat und das ich seine Arbeit wenigstens ansatzweise registriere. Das ist Respekt. (Das stimmt natürlich nicht ganz, aber ansatzweise ein bisschen). Aber das müssen Deutschlands Hip Hopper lernen und zwar durch die Bank. So viele gekränkte Egos. So viele geknickte Künstler. So viele gebrochene Herzen. Und dabei hat man sich nur ein paar Songs mal näher angeschaut und ein paar öffentliche Auftritte analysiert und kritisiert und schon ist man der Spielverderber. In welcher Gesellschaft leben wir eigentlich. In welcher Gesellschaft wollen wir leben? Das sind jetzt so Aktion Sorgenkind… äh Aktion Mensch Fragen, aber ernsthaft: Wollen wir uns bedingungslos in den Arsch kriechen? Uns auf die Schulter klatschen und sagen: gut gemacht, obwohl man alles nur mittel bis scheiße findet? Ich mochte Hip Hop deswegen immer ganz gerne, weil ich dachte, dass diese Kultur im Gegensatz zu Techno, die Wahrheit sagt und die Wahrheit auch verträgt. Das ist nicht Pillen Einwefen und hey, wir finden alles geil und schick und alles ist doch sooooooo geil. Nein. Das ist: Du bist ein Hurensohn und deine Platte ist wack! Das fand ich geil. Das finde ich immer noch gut. Doch je länger ich in dieser Szene war und bin, desto mehr habe ich festgestellt, dass die meisten einfach nur zu weich für Battle sind. In Wirklichkeit wollen alle dann doch nur zusammen im Backstage chillen und von Southpole gesponsort werden. Oder von Nike. Oder von Adidas. Sean John. Karl Kani oder Pelle Pelle. Gibt’s die ganzen Marken eigentlich noch? Ich habe keinen Plan. Ich kriege immer Ecko Klamotten. Das ist auch geil und war immer schon mein geheimes Ziel. Außerdem sitze ich gerne im Backstage und bin mit jedem gut Freund und gebe allen Küsschen. Links und rechts. Deshalb schreibe ich auch solche Texte, weil ich von der wilden Zeit träume, wo ich noch im Publikum stand und jeden aus tiefstem Herzen hassen konnte. Das war noch viel besser. Doch weiter im Text. Wir waren stehen geblieben bei den meisten, die einfach zu weich sind für Streit und ein bisschen mädchenhaft, obwohl ich Mädchen wie Catee kennen gelernt habe, die weit mehr Eier in der Hose hatten als jeder Typ und mehr Battle und Beef gestartet haben als alle anderen Battle MCs. Das nur am Rande. Aber deshalb mag ich auch Fler und Bushido. Die haben keine Angst vor Beef. Die schreien rum, zumindest im VIP Bereich und nageln Leute fest (aka bedrohen Leute), weil sie deren Meinung wissen wollen, wobei die meisten dann aber einfach nur einknicken und kuschen. Nun sollten sie auch noch lernen, dass es eben andere Meinungen gibt. Und dass das auch richtig so ist. Und dass das Leben seine Würze daraus bezieht, dass man eben unterschiedlicher Meinung ist und dass es eben nichts bringt außer einem schlechten Geschmack im Mund und vorzeitigem Samenerguss, wenn man andere Leute dazu zwingt, mit ihrer Meinung hinterm Berg zu halten. Weil so etwas einfach Diktatur heißt und Diktatoren nicht respektiert sondern nur gefürchtet werden. Und Furcht ist kein Respekt. Furcht ist einfach nur Furcht. Und wenn ich in diesem Zusammenhang den Rapper Bacapon zitieren darf: Eine Pussy mit ner Waffe in der Hand ist eben nichts weiter, als ne Pussy mit ner Waffe in der Hand. Und ein Feigling im SS-Mantel war eben auch nicht mehr als ein Feigling mit einem SS-Mantel an und ein unterdrücktes Weichei bei der GeStaPo war eben auch nur ein verkappter Weichei bei der GeStaPo. Natürlich wäre die Welt einfacher, wenn alle nach einer Pfeife tanzen würden. Nach meiner zum Beispiel. Aber so ist es nicht und ich bin da stolz drauf und ich finde Toleranz ist keine Schwäche und unser Staat ist deshalb nicht schwach und lächerlich, weil seine Polizisten nicht oft genug draufhauen. Meiner Meinung nach tun sie es immer noch viel zu oft. Aber ich bin froh darüber in einem einigermaßen pluralistischen und toleranten Land leben zu dürfen, in dem ich sagen und schreiben darf, was ich will. Das werde ich auch verteidigen, mit oder ohne Bundeswehr. Ich würde sagen, eher ohne, weil die treffen dann wahrscheinlich sowieso wieder nur die Falschen. Und so kommt wieder eins zum anderen. Das Große im Kleinen und das Kleine im Großen und diesen Text, dieses Plädoyer für Meinungsfreiheit und Toleranz habe ich aus aktuellem Anlass geschrieben. Einmal weil ich meinem Kollegen Tobias " Toxik“ Kargoll recht geben muss, wenn er in seinem Statement zu Bushido auf Meinungsfreiheit und Pluralismus in den Hip Hop Medien und hauptsächlich auf seiner Seite hiphop.de pocht und zum anderen anlässlich unseres Interviews auf rap.de mit Kaisa und den Jungs von Hellraisa in dem sehr intolerante und antidemokratische Statements gedroppt wurden. Es bleibt also immer noch viel zu tun. – Sehr gut!
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Tuesday, August 25, 2009
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Neulich erreichte uns die Nachricht, dass KRS 1, unser lieber alter Oldschool Freund und Kupferstecher eine neue Religion ins Leben rufen will. Zumindest möchte er amerikanischen Medien zufolge ein Buch herausbringen, das vom Layout und der Aufmachung her, der guten alten Bibel entspricht und auf jeden Fall habe ich beim Verfassen dieser Meldung für rap.de sofort darauf geschlossen, dass ich mit meinem letzten Blog, in dem ich vorgeschlagen habe, aus dem Splash Festival eine religiöse Veranstaltung zu machen, wieder mal ganz genau den Puls der Zeit getroffen habe. Nun aber ist KRS 1 auch schon ein paar Jahre älter und vielleicht sogar ein wenig älter als ich und vielleicht ist es auch der Traum von älteren Männern, als Religionsstifter verehrt zu werden, auf einem Thron zu sitzen, gekleidet in weiße Gewänder und umgeben von Jungfrauen, die einem mit großen Fächern aus Straußenfedern, Luft zu fächeln. Das kann natürlich sein und was die schlanken Jungfrauenhände unter den weißen Gewändern zu tun haben, das kann man sich natürlich ebenfalls lebhaft vorstellen. Wie auch immer. Niedere Beweggründe gibt es ja immer wieder und nicht umsonst gehören Wollust und Habgier zu den 7 Todsünden. Ob diese im neuen Almanach des KRS 1 auch aufgeführt werden ist noch nicht bekannt, da das Buch erst in kürze erscheinen soll, allerdings beherbergt es anscheinend auch ein kleines Handbuch, das den Leser zu einem achtsamen Leben voller Liebe, Gesundheit und Wohlstand verhelfen soll. Das finde ich gut, wenn Kris Parker uns ein paar kleine Lebensweisheiten mit auf den Weg gibt und mit großer Freude werde ich genau diesen Teil auch durcharbeiten, und auch auf die alltäglichen spirituellen Übungen werde ich nicht verzichten, allerdings erwarte ich da nicht wirklich mehr, als ich in den zahlreichen esoterischen Lebenshilfebüchern von Frau Birkenbihl gefunden habe. Man muss sagen, dass ich in der Denke-Positiv-Ecke und So-werden-Sie-glücklich-Abteilung der Buchhandlungen fast schon zu Hause bin und mich neulich erst darüber gefreut habe, als ich lesen durfte, dass diese Art des positiv Denkens schon seit ein paar Jahrhunderten existiert und die Kernaussage sich auch seither nicht weiter verändert hat: Don’t worry. Be happy! Oder einfach: Sorge Dich nicht – lebe!
Also viel Neues werden wir da nicht zu erwarten haben, aber trotz allem finde ich es richtig, dass die gesammelte Alltagsphilosophie der letzten 200 Jahre noch einmal zusammen getragen wird und im Hip Hop Gewand daherkommt. Schaden tut’s ja schließlich auch nicht. Kommen wir aber nun zum interessanten Teil der Meldung. Denn so kurios sich das Ganze bislang anhört, so ernsthaft und zwingend wird es, wenn es um die Überwindung von Nationalitäten und Rassenfragen geht. Gerade in Zeiten, wo es darum geht, Deutschlandfahnen zu schwenken, auf seine albanische, kurdische oder libanesische Herkunft zu pochen. Der Deutsche Bad Boy zu sein, oder die schwarze Gazelle gerade in solchen Zeiten laufen mir die Worte des KRS 1 wie Öl hinunter, wenn er erklärt, dass die Menschen immer noch in ihren alten Schwarz-Weiß und Nationalitäts-, Rassen- und Herkunftsmustern feststecken, die es endlich zu überwinden gilt. Eins vorweg. Ich finde Nationalismus scheiße. Jedweder Art. Jedweder Richtung. Jedweder Herkunft. Nationalismus hat nichts mit Hip Hop zu tun und ich frage mich, wie wir in den letzten Jahren unseren Grundsatz so sehr verraten konnten. Einen Grundsatz der Jahrelang einer der Kernpfeiler der Hip Hop Kultur war: It ain’t where you from, it’s where you at. Oder anders formuliert: Es ist scheißegal woher du kommst – wenn du fresh bist, bist du fresh. Ich habe mich geärgert darüber, dass die Backspin damals im Fler Interview diese entscheidende Frage nicht gestellt hat und mich langweilt diese halbgare Entschuldigung: Ja die anderen dürfen doch auch. Na klar dürfen die anderen auch und von mir aus könnt ihr auch weiterhin bei der Fußballweltmeisterschaft Eure Fahnen schwenken, das Problem ist doch aber die Frage: Was bringt Euch das? Was gibt Euch die Befriedigung, mit Millionen anderen zusammen in einer Menschenmenge zu stehen und darauf stolz zu sein, dass ihr zufälligerweise im selben Land geboren seid. Ein Land, das sowieso nicht viel miteinander zu tun hat, denn wenn ich einen Berliner Türken und einen schwäbischen Häuslebauer miteinander vergleiche, dann hat der Berliner Türke mehr mit dem Berliner Atzen um die Ecke zu tun, als der schwäbische Häuslebauer mit dem Preußen. Aber das ist noch nicht mal der eigentliche Punkt. Der eigentliche Punkt ist, dass ich gesehen habe, was Nationalismus anrichten kann, wenn er außer Kontrolle gerät, und das geht schneller als man denkt. Anfang der 90er Jahre war ich in Kroatien und natürlich setzte auch bei mir der Mechanismus ein, dass ich den Nationalstolz anderer Völker nur halb so schlimm fand, wie den der Deutschen. Damals war es tatsächlich verpönt für Deutschland zu sein. Schwarz Rot Goldene Fahnenmeere bei der WM wären undenkbar gewesen und bei der Europameisterschaft war ich immer für Frankreich. Aus diesem Grund fand ich die blauweißroten Fahnen in Zagreb auch nicht weiter störend. Gehört halt dazu. Kroatien war ein befremdliches Land. Die Leute waren herzlich. Die Landschaft sah aus, wie bei meiner Oma, die aus der südlichen Steiermark kommt und alles hatte den Flair von Norditalien. Dass die Milch 4 Mark kostete und die Menschen nur 300 Mark verdienten, das habe ich nicht ganz verstanden und fragte mich immer wie das funktionierte? Dass auf den Straßen Karossen von Daimler Benz fuhren, die ich selbst in Sindelfingen noch nicht gesehen habe, hat mich verwundert. Dass der Mann auf dem Klo so viel zu tun hatte, um den Bedarf an Stimmungsaufhellern und Betäubern decken zu können, stimmte mich traurig. Dass es im größten innerstädtischen Kaufhaus diverse Militärartikel zu kaufen gab, zu horrenden Preisen, zeigte mir, dass es so lange Kriege geben wird, so lange auch nur ein Schnürsenkelfabrikant für Militärstiefel was daran verdienen kann. Kroatien kam mir vor, wie ein Mensch, der permanent mit den Fingern auf den Tisch trommelt, aggressiv und nervös und dabei aber so tut als sei nichts: " Was ist? Alles ok, oder? Alles gut? Was guckst du so? Ist doch alles gut!!!!!!!“ Auf den Straßen waren junge Männer zu sehen, die Sturmgewehre nach Hause trugen. Einfach so, über der Schulter. Als kämen sie gerade von der Arbeit und tragen ihr Arbeitsgerät nach Hause. Wahrscheinlich kamen sie gerade von der Arbeit. Im Fernseher liefen die ganze Zeit Werbespots der HDZ. Tudjman war noch am Leben und ich mochte die blauweißroten Fahnen mit dem rot-weißen Karomuster schon viel weniger gerne. Sie hatten den leichten Urlaubsflavour verloren. Das war nicht mehr fremd und nett. Das war ernst. Die Fahnen hatten was zu bedeuten. Wir hier. Ihr da. Das ist unsere Flagge, du Bastard. Am 1. November war Allerheiligen und wie alle in Kroatien geht man an diesem Tag auf den Friedhof. Tausende Lichter brannten. Ein wahres Lichtermeer stand vor dem zentralen Kreuz auf dem großen Friedhof von Zagreb und ich habe mich gefragt, wie man es hinkriegt ungeplant und spontan so viele Kerzen aufstellen zu können. Das hat ja keiner koordiniert und trotzdem hatte es eine geheime innere Ordnung. Wir sind durch die Grabreihen gegangen und überall brannten die Grableuchten. Eine Blaskapelle spielte und noch nie vorher habe ich etwas traurigeres, melancholischeres und gleichzeitig tröstenderes gehört als diese Musik. Das war Bluesmusik. Europäische Bluesmusik. Das war schön. Als wir in den neuen Teil des Friedhofs einbogen, kam der Schock. Akkurat lagen da die Gräber. Neu und abgezirkelt. Wie ein Neubaugebiet und tatsächlich war es wie eine ganze Stadt. Eine Stadt voller Neubauten. Plattenbauten, schnell hochgezogen. Keine gewachsene Stadt. Keine geheime innere Ordnung. Schnell und akkurat geplant. Funktional. Und dort lagen sie. Die Gleichaltrigen. Die Jungs, die mit mir zur Schule gegangen sein könnten. Die mit mir im Leichtathletikverein waren oder mit denen ich zusammen Basketball gespielt habe. Auf dem Freiplatz. All jene aus meinem Jahrgang, ein Jahr Jünger, vielleicht zwei. Ein Jahr älter, vielleicht drei. Es hörte nicht auf. Stundenlang lief ich an Grabsteinen entlang und starrte auf die Jahreszahlen der Geburt. 71, 70, 73, 68, 65, 75, 70, 74, 68, 69 usw. Gestorben mit 20, 21, 18 oder 23. Vollkommen sinnlos. Vollkommen unnütz. Für ein paar Dollar. Für ein paar Landstriche. Für eine vollkommen bescheuerte Vorstellung von Nation, Land und Leute. Für Nichts. Für ein Hirngespinst. Was für eine Verschwendung – von Liebe und Traurigkeit. Von Träumen, Energie, Kraft und Ideen. Was für eine Verschwendung von Leben. Und da habe ich angefangen die Flaggen zu hassen. Ich habe regelrecht einen Ekel davor bekommen. Vor allen Flaggen. Allen Ländern. Vor Allem, was die Menschen trennt und auseinander reißt. Alles was nicht zur Einheit führt und nicht zu der Erkenntnis: Wir sind alle gleich. Wenn du ein Arschloch bist, dann bist du ein Arschloch, aber du bist kein Arschloch, nur weil du das und das bist. Das nicht! Am nächsten Tag, oder vielleicht auch am übernächsten fuhren wir in die Krajina. Die Krajina war ein Landstrich, der zuerst von Serben und Kroaten und vielleicht auch noch von anderen Bevölkerungsteilen bewohnt war. Wenn man von Zagreb aus ans Meer wollte, musste man durch die Krajina. Vielleicht war sie deswegen auch so wichtig? - Wahrscheinlich eher nicht. Zuerst sind durch die Krajina die Serben durchmarschiert und haben alle Kroaten hinausgeschmissen. Ethnische Säuberung nennt man das. Danach sind die Kroaten durchmarschiert und haben alle Serben rausgeschmissen. Auch das nennt man ethnische Säuberung. Panzer sind über Zivilfahrzeuge gefahren, die stecken geblieben sind. Man weiß es nicht, ob die eigenen Truppen die eigenen Leute überfahren haben, weil sie selbst kopflos auf der Flucht waren oder ob die fremden Truppen die hilflosen Zivilisten platt gewalzt haben. Krieg ist immer schmutzig und es gibt kein gut oder böse. Es gibt nur scheiße. Als wir dort waren, lebte in der Krajina niemand mehr. Nur noch alte Leute. Ich war in einer Stadt und man konnte von der zerschossenen Brücke aus die Dächer sehen, von denen die Hälfte eingestürzt war. Eine alte Frau schlurfte über die Straße und eine halbverhungerte Katze huschte herum. Es regnete leicht und der Himmel war bedeckt. Es war November und Nebel lag über dem Land. Es passte. Es passte viel zu gut. Als wir das erste ausgebrannte Haus passierten, dachte ich mir nichts dabei. Ein ausgebranntes Haus eben. Die Häuser sahen ja auch aus, wie ganz normale Häuser in Mitteleuropa eben aussahen. Kein Unterschied zu dort, wo meine Oma herkommt. Alles ganz normal. Das war nicht irgendwo in der Wüste oder den Bergen Afghanistans. Das war Europa. Als wir am hundertsten ausgebrannten Haus vorbeikamen war nichts mehr normal. Haus an Haus stand dort mit ausgebrannten Fenstern. Schwarz der Ruß an den weißen Wänden. Alles verlassen. Ab und zu ein Militärposten und dann die Franjo Tudjman Plakate. Überall. Kein Mensch zu sehen, aber die Wahlplakate hingen und überall die Nationalfarben, blauweißrot mit den rotweißen Karos. Na Bravo. Da lohnt sich doch das Siegen. Am Abend kamen wir in einen Club. Richtige Feierlaune hatten wir nicht. Der Trip war anstrengend. Sehr anstrengend. Die Leute feierten. Sie wollten ihre Sorgen vergessen. Ich konnte sie verstehen. Es gab Piratensender. Die Presse war kontrolliert. Man musste aufpassen, was man sagte. Die Wände hatten Ohren, es gab eine Geheimpolizei und die Leute wollten raus. Ausbrechen. Vergessen. Ich konnte das verstehen und lehnte an einem Türrahmen und sah zu. Ich hätte gerne mitgefeiert aber ich wollte nicht. Ich konnte nicht. Aber es war gut. Und dann kam ein Song, ein Song über den ich in Deutschland gelacht habe. Ein Song, der mir immer zu platt, zu aufgesetzt zu künstlich klang. Ein Song, den ich nie und nimmer, niemals ernst genommen hätte, in dem was er sein wollte. Eher hätte ich mir die Hand abgehackt, als diesen Song ernsthaft zu spielen. Und trotzdem kam genau dieser Song und alle sangen mit. Alle. Ohne Ausnahme. Und sie haben mitgesungen, ihr könnt Euch gar nicht vorstellen wie? Die Leute haben sich umarmt und sie haben es ernst gemeint. Richtig ernst. Jedes Wort ergab Sinn. Jedes Wort hatte seine ganz eigene persönliche Bedeutung. Die Leute meinten es wirklich ernst, als alle, alle den Chorus mitsangen: " All we are saying is give peace a chance.“ Die Beatles. Und da musste ich weinen und wenn ich daran denke, dann könnte ich gleich wieder und vielleicht versteht ihr deshalb, wenn ich mich auf die Lehre von KRS 1 freue und wenn ich mich darauf freu, dass sich in der Hip Hop Welt wieder der alte Grundsatz durchsetzt: It ain’t where you from… Na ihr wisst bescheid. Peace und bis dann, staiger
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Tuesday, July 28, 2009
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Kurz nach Splash Eigentlich war dieser Text so geplant, dass der Titel Sinn macht. Aber nun ist es auch schon wieder über 2 Wochen her, dass Europas ehemals größtes Hip Hop Festival vorbei ist und die Erinnerungen beginnen zu verblassen. Das ist schade, auch wenn die Erinnerungen an das Festival direkt danach nicht unbedingt viel klarer und aussagekräftiger waren. Wir haben denn auch auf rap.de einen ultimativen Festival Nachbericht gestartet und da waren wahnsinnig viele Fotos dabei, auf denen zu sehen ist, dass auf dem Festival jede Menge Scheiß passiert, der nichts mit Hip Hop zu tun hat und sofort waren die ersten Kommentare am Start, dass da so wahnsinnig viel Scheiß zu sehen ist, der nichts mit Hip Hop zu tun hat. Wow. Das Ding ist, dass ich glaube, dass man auf ein Festival geht, um möglichst wenig mit gar nicht zu tun zu haben. Ein Festivalvbesuch ist wie Urlaub. Nur im Urlaube setzt man sich einen Strohhut auf, läuft ohne T-Shirt durch die Stadt und grölt an jeder Straßenecke fremde oder bekannte Menschen an, und lässt sich gehen. Das ist schön. Das ist gut und es entspannt das Gehirn, das nach so einem Ausflug wieder normal funktionieren kann und sich 2 Wochen später, im Büro, in der Schule, an der Werkbank oder auf dem Arbeitsamt vielleicht an diese Erlebnisse, halb, ganz oder nur verschwommen erinnert. Bei dieser Art von kollektivem Ausnahmezustand und quasi religiöser Erfahrung geht es nämlich um etwas ganz Elementares, was jedem Menschen innewohnt und was für das Menschsein unglaublich wichtig ist, was in unserer auf Effizienz ausgerichteten Welt aber leider viel zu kurz kommt. Es geht um den Ausbruch aus dem Egotunnel. Um Entgrenzung und um die Verbindung des eigenen Ich mit… allem. Nun sind diese Gedanken nicht unbedingt von mir und ich will mich da auch gar nicht mit fremden Federn schmücken. Ich habe vor Kurzem ein Buch gelesen über Neuroreligionsforschung, das sich mehr oder weniger mit der Frage beschäftigt hat, ob Gott in unseren Köpfen entsteht, oder ob wir Gott mit Hilfe spezieller Bereich in unserem Kopf erkennen können, er also außerhalb wohnt und wir ihn erfahren können. Die Alte Frage also: Macht der Mensch die Religion, oder existiert ein Gott Schrägstrich höheres Wesen und wir können sie entdecken. Das Überraschende an dieser Betrachtung ist, dass es vollkommen egal ist. Es ist schlicht und einfach egal, ob ein Epileptiker nach einem Anfall von einer religiösen Erfahrung berichtet - wie Saulus der auf dem Weg nach Damaskus in Krämpfen vom Pferd fiel und danach 3 Tage lang blind war, was definitiv die Symptome eines epileptischen Anfalls sind – oder ob Epileptiker aufgrund einer feineren Sinneswahrnehmung empfänglicher für göttliche Botschaften sind. Denn warum sollen wir nicht annehmen, dass um uns her, feine Schwingungen und Wellen sind, die wir einfach noch nicht messen, die aber von einigen Menschen, mit besonders feinen Antennen durchaus schon wahrgenommen werden können? Warum soll es keine Menschen geben, die per Gedankenübertragung kommunizieren können, Zugang zu morphologischen Feldern haben oder die Matrix sehen können? Nur weil wir noch keine Messegeräte dafür haben? Vor 200 Jahren konnte man Elektrizität auch noch nicht messen. Trotzdem hat sie existiert, oder etwa nicht? Genau so verhält es sich dann auch mit religiösen Zuständen, die nicht unbedingt in Erleuchtungsmomenten enden müssen, sondern die Funktion haben, dass einem einmal die Woche der Kopf leer gefegt wird, oder ein paar Mal im Jahr die große innere Inventur ansteht, wo man alles Überflüssige raus wirft, was neues ausprobiert, sich mehrere Tage mit dem Kollektiv verbindet und sich möglichst bescheuerte Strohhüte auf den Kopf setzt und bunte Bermusashorts trägt, die man nach diesen Tagen ganz tief in seinem Kleiderschrank versteckt und die einem, wenn man sie ein paar Monate später wieder findet, ein seliges Lächeln aufs Gesicht zaubern. Wir reden hier von Karneval, Oktoberfest, Urlaub auf Mallorca, in Lloret de Mar oder ganz einfach vom splash! In diesem Zusammenhang ist es auch nicht unbedingt wichtig, wer da vorne auf der Bühne als Hohepriester agiert. Ich denke in diesem Jahr haben die Rolle besonders gut Dizzy Rascal, The Streets und La Coka Nostra erfüllt, wobei ich mir sagen habe lassen, dass auf der kleinen Bühne Casper, Marteria und Rhymin Simon ganz gut abgeräumt haben. La Coka Nostra sind mit ihrer Vorliebe für Graß angetreten mussten sich aber von einem mehrtausigen publikum davon überzeugen lassen, dass hier in Deutschland alle auf Alkohol sind worauf einer der etwas dicklichen Herren auch ein mehrlitriges Getränk auf der Bühne exte, was wiederum die Menge in Verzückung brachte. Analogien zu einem katholischen Gottesdienst mit Hochamt und Wandlung sind auch hier wieder erlaubt und ich hoffe auf beifälliges Fußgetrappel, wenn der Pfarrer in eurer bayerischen Heimatgemeinde das nächste mal die magischen Worte spricht: „Das ist mein Blut, das für Euch und für alle vergossen wird – nehmet und trinket alle davon!“ dann den Kelch an die Lippen und exen – exen – exen! 3 Tage Liebe. 3 Tage Ausnahmezustand. Einmal so sein, wie man zu Hause nicht sein darf und sei’s nur, weil die Eltern das nicht zulassen. Das ist das splash! Festival. Das ist wahrscheinlich jedes Festival und eigentlich, im Grunde würde es überall und immer funktionieren. Schöner ist es natürlich im Sommer, wobei ich in diesem Jahr am Freitag an der Jahreszeit gezweifelt habe und ein Unterhemd anlegte, das ich das letzte mal an hatte, als ich vor 2 Jahren in Dänemark, im November auf einem Stahlgerüst gearbeitet habe. Schön ist natürlich auch, wenn man ein gewisses Rahmenprogramm bietet, ein paar Attraktionen bereit hält, die vom eigentlichen Thema ablenken und dem ganzen eine gewisses Format geben. Zelte aufzustellen, in denen nur begrenzt Leute rein dürfen, in denen es heiß ist und man kollektiv schwitzt, sind zum Beispiel eine gute Sache. Massen, die sich unter freiem Himmel kollektiv bewegen haben natürlich ebenfalls eine gewisse Magie, brauchen aber, wie oben beschrieben, auch dementsprechend charismatische Hohepriester – ach ja. K.I.Z. hatte ich fast vergessen – auch so eine Band, die für diese Rolle wie geschaffen ist, während ich mit dem Deutschland-Deutschland Taumel von Samy Deluxe immer noch nichts anfangen kann. Darauf sollte man im übrigen sowieso achten, dass eine solche Stimmung nicht ins fanatische „gegen oder für eine Sache“ umschlägt, sondern immer ganz nah am ganz persönlichen taumel bleibt, so dass am Schluss nichts weniger als die Erlösung und das Himmelreich steht, aber keineswegs so etwas wie ein Land, eine Nation, Geld oder die Bankenkrise. Fuck the C.I.A. von La Coka Nostra funktioniert in diesem Zusammenhang denn auch nur als kollektives Mantra, im Glauben, dass man zusammen die C.I.A. und somit die Gesellschaft ficken könnte, in übertragenem Sinne, wenn man nur laut genug schreit. Dass keiner weiß, wie man die Gesellschaft so richtig schön vor sich hinlegt und ob die Gesellschaft überhaupt bereit ist, ihre Beine so weit zu öffnen, dass man sie schön langsam und zärtlich ficken kann, das tut wieder einmal nichts zur Sache. Es ist ein Mantra. Eine religiöse Formel. Fantasiesprache. Und im Endeffekt könnte man auch jedes andere fünfsilbige Wort schreien. Kommen wir aber nun zu dem was fehlt und was in den kommenden Jahren unbedingt verbessert werden muss auf dem splash! Festival und auf allen anderen Festivals dieser Welt und was mit dem Fortfall der herkömmlichen Religionen unbedingt notwendig geworden ist. Halten wir also mal folgende Punkte fest. Der Mensch hat ein Bedürfnis nach Rausch und Spiritualität. Diese beiden Zustände des menschlichen Seins sind eng miteinander verwandt, wenn sie auch nicht das gleiche sind. Spiritualität kann von einigen sensiblen Geistern erlebt werden oder durch Praxis erfahren werden, wenn man danach sucht. Ziel ist es, einen zustand zu erreichen, in dem man ausbricht aus seinem eigenen Denkmuster und sich so quasi mit der Welt verbindet – Alles ist eins und ich spüre die Liebe, die mich und die Welt gleichermaßen durchdringt. – Der Ausbruch aus dem Egotunnel also. Sehr viel schneller geht es mit dem Rausch: Ich breche aus, aus meinem Alltag. Verlasse meine herkömmlichen Denkmuster. Alles wird eins. Unermessliche Liebe durchflutet mich etc., etc. Das Ergebnis ist fast dasselbe, wobei man für den Rausch meistens bezahlen muss, weil er auf dem Weg nach oben, zum Licht eben eine Abkürzung darstellt und man Abkürzungen eben nur benutzen darf, wenn man dafür bezahlt. Das ist nicht schlimm und nicht jeder hat die Zeit und die Kraft und das Talent, spirituelle Erfahrungen aus sich selbst heraus zu machen und deshalb gibt es seit der Mensch ein kulturelles Wesen ist auch diverseste Rauschmittel, damit auch die einfacheren Gemüter unter uns an der wahrhaftigen Göttlichkeit teilnehmen können. ABER! Was fehlt ist der gesellschaftliche Rahmen, die Einbettung in den Alltag, die uns allen hilft, Erlebnisse, wie das splash! Wochenende, in unser Leben einzuordnen. Im alten Griechenland gab es die Mysterien von Eleusis, ein Ritus zu Ehren der Pflanzengöttin Demeter, der zwischen 1.500 vor Christus und 400 n.Chr. gefeiert wurde. Im Endeffekt wurde dort die Teilnehmer, nach gründlicher Vorbereitung durch Fasten und Meditation in einen Raum geführt, das innerste Heiligtum, in dem ihnen die Hohepriesterinnen einen Trank aus Mutterkorn verabreichten. Sprich die Besucher bekamen einen LSD Trip, woraufhin sie nach Zeugenaussagen das Schrecklichste und das Herrlichste gesehen haben. Die Priesterinnen selbst funktionierten in diesem Zusammenhang als Trip Begleiter und halfen den Sinnsuchern, sicher durch den Rausch zu kommen und vor allem, betteten das Erlebnis in einen gesellschaftlich relevanten Zusammenhang, so das man das gefühlte und Geschaute auch wiederum sinnvoll in seinen Alltag einbauen konnte. Das ist ein entscheidender Unterschied zum üblichen Montag-Morgen-Spruch: „Mann bin ich durch. Das Wochenende war echt hart. Ich bin total im Arsch.“ Besser wäre doch: Mann bin ich befreit. Am Samstag habe ich die Göttlichkeit schauen dürfen und Sonntag bin ich an einem See aufgewacht. Um mich her die Vögel des Waldes und warmes sonnenlicht. Liebe Menschen waren da und haben mir einen Saft gebracht. Alles war warm und schön. Heute fühle ich mich ausgeruht und frisch und stehe wieder mit meiner ganzen Arbeitskraft dem kapitalistischen System zur Verfügung, das ich nach diesem wunderbaren Erlebnis vom Wochenende auch nicht mehr hinterfragen will. Deshalb, um nun doch zum Schluss zu kommen, schlage ich folgendes Procedere für das splash! Festival und für alle Zukunft, zumindest für die nächsten 5 Jahre vor. Donnerstag: Anreise. Kollektives Duschen und reinigen. Fasten. Kein Essen. Kein Alkohol. Kein Weed. Gruppentanz. Erste Konzerte. Punk. Es muss schnell und laut sein. Damit die Stimmung steigt. Freitag: Kollektives Frühstück. Es gibt vedische Küche. Überall sind Teeküchen aufgebaut. Es gibt Haschischkekse. Beginn der Feierlichkeiten mit meditativen Trommlern. Steigerung des Programms durch nach und nach sich steigernde Hohepriester auf der Hauptbühne. Kollektive Extase. Alkohol wird ausgeschenkt. Zu jedem alkoholischen Getränk wird ein Glas reines Wasser gereicht, das derjenige auch trinken muss. Auf Wunsch können auch andere Rauschmittel konsumiert werden. Erster Höhepunkt ist das kollektive Chanten von Mantren vor der Hauptbühne um 22 Uhr bis ungefähr 1 Uhr. Danach Verlegung der Festivitäten in mehrere Zelte, die nach Gemütslage sortiert sind. Schnelle Zelte. Midtempozelte und Ruhezelte. Genug Raum für sexuelle Aktivitäten! Sehr wichtig! Samstag: Mittlerweile ist sowieso Samstag. Niemand schläft. Die Party geht ohne Unterbrechung weiter. Helfer geleiten die Teilnehmer durch die verschiedenen Bewusstseinszustände. Auch all jene, die nichts genommen oder getrunken haben, werden vom kollektiven Taumel erfasst und geben sich der Musik hin, die nun überall zu sein scheint. Am Samstag Nachmittag wird es etwas ruhiger, bevor am Samstag Abend der gesamte Platz das ganze Gelände vom gemeinschaftlichen Brummen vibriert und sich die gesamte Festgemeinde in einem riesigen Irgendetwas zu vereinen scheint. Alles ist eins. Der Himmel, die Menschen, die Musik. Hauptbühne oder nicht. Egal! Wir sind überall. Alles fließt und schwingt. Alles klingt. Clueso. Deichkind. Eminem. Alles eins. Wer war noch mal Headliner? Egal. Es könnte auch Max Herre sein. Sonntag: Chillout. Duschen. Rasieren. Heimfahrt. Lockere Musik und bequeme Kleidung. Vielleicht noch ein zwei Gruppen auf der Hauptbühne. Das war’s. Vielen Dank splash! bis zum nächsten Jahr. Und ich schwöre Euch. Das wäre ein voller Erfolg und man könnte das Line Up sogar erst einen Tag vorher bekannt geben. Denn das wäre, beim besten Willen, einfach nicht mehr wichtig. Yo!
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